Konsum
Basler tanzen aus der Reihe: In Städten gibt man anders Geld aus als in der Restschweiz

Basel erstellt mithilfe des Bundes einen eigenen Index der Konsumentenpreise. Nur die Städte Genf und Zürich publizieren einen eigenen Preisindex. Basel-Stadt kostet diese Zusatzdienstleistung durch das Bundesamt für Statistik 15'000 Franken pro Jahr.

Michel Ecklin
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In der Stadt Basel wird anders eingekauft als auf dem Land.

In der Stadt Basel wird anders eingekauft als auf dem Land.

Kenneth Nars

Rund 840'000 Preise an rund 2700 Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz nimmt das Bundesamt für Statistik (BfS) jedes Jahr unter die Lupe. Zunehmend erhebt das Amt die Angaben elektronisch, doch immer noch schwärmen jeden Monat Preiserheber in die Läden aus, lesen Preisschilder ab und notieren sie auf ihr Tablet. Welche Produkte sie anschauen, bestimmt ein imaginärer Warenkorb. Zusammengestellt wird dieser aufgrund einer jährlich durchgeführten Umfrage über die Konsumgewohnheiten der Schweizer Haushalte.

Von jedem der mehrere hundert Produkte schaut das BfS verschiedene Varianten an, etwa die Bio- und Billigreihe eines Shampoos. All die Produktpreise gewichtet das BfS. Zum Beispiel schlägt Salat mit 0,203 Prozent zu Buche, Schuhreparaturen mit 0,012 Prozent.

Die gewichteten, addierten Preise ergeben den Preis des Warenkorbs. Verglichen mit dem Gesamtpreis des Korbs vor einem Monat oder einem Jahr, erhält man eine Prozentzahl. Diese sagt aus, um wie viel die Preise in der Schweiz gestiegen oder gesunken sind – der monatlich vom BfS veröffentlichte Landesindex der Konsumentenpreise.

Basel, Genf und Zürich

Allerdings entwickeln sich die Preise in Städten anders als im Landesdurchschnitt. Deshalb publiziert das Statistische Amt (StatA) Basel-Stadt einen eigenen Index der Konsumentenpreise, der eine regionale Variante des schweizweiten ist. Dafür erhebt das BfS zusätzlich Preise in Basel, von denen man erwartet, dass sie sich anders verhalten als anderswo. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Gesundheitspflege, Verkehr, Unterricht und Gastgewerbe.

Das StatA seinerseits untersucht die Basler Mietpreise selber und gewichtet diese stärker als im Schweizer Index, weil im städtischen Umfeld mehr zur Miete gewohnt wird. Ebenfalls anders gewichtet werden die Energiepreise, weil Fernwärme eine grössere Bedeutung hat als in ländlicheren Gegenden.

Neben Basel publizieren nur die Städte Genf und Zürich einen eigenen Preisindex. Basel-Stadt kostet diese Zusatzdienstleistung durch das BfS 15'000 Franken pro Jahr, zuzüglich Leistungen durch das StatA. Auf Anfrage rechtfertigt das Amt das Erstellen des Index als eine staatliche Aufgabe. Nur das BfS sei «in einer Position, in der es sich dem Druck partikulärer Interessen entziehen kann». Denn es sei wissenschaftlich und methodisch unabhängig und bewerte die Resultate nicht.