Ricardo.ch
Basler Ticket-Vermittler macht mit Cupfinal das grosse Geld

Ein junger Basler verkauft auf ricardo.ch dutzende Eintritte für den ausverkauften Cupfinal – für bis zu 499 Franken. Der Verkauf ist völlig legal und höchst lukrativ: Über 2000 Event-Tickets hat der Vermittler seit 2012 abgesetzt.

Samuel Hufschmid
Merken
Drucken
Teilen
Der Ticket-Vermittler verkauft auf Ricardo Billette für den Cupfinal.

Der Ticket-Vermittler verkauft auf Ricardo Billette für den Cupfinal.

Screenshot ricardo.ch

Ein Basler Ticket-Vermittler hat in den letzten Jahren via Online-Marktplatz Ricardo tausende Tickets für ausverkaufte Konzerte und Sportveranstaltungen abgesetzt. Aktuell hat er 129 Tickets im Gesamtwert von über 54'000 Franken im Angebot, darunter 35 Eintritte für den ausverkauften Cupfinal, mehrere Dutzend Swiss-Indoors-Eintritte und auch zwei Plätze für das Champions-League-Endspiel in Berlin – für 4999 Franken pro Ticket.

Für die bz war der Händler nicht erreichbar. Das Telefon am angeblichen Firmensitz im Breite-Quartier nahm sein Vater entgegen, der angab, nicht zu wissen, wo sein Sohn stecke und ihn auch telefonisch nicht erreichen könne.

Illegal ist das Weiterverkaufen von Tickets, selbst zu massiv höheren Preisen, gemäss Schweizer Gesetzgebung nicht. Entsprechend seien ihnen die Hände gebunden, auch wenn auf den Cupfinal-Tickets ausdrücklich steht, dass sie nicht weiterverkauft werden dürften, sagt Fussballverbands-Sprecher Marco von Ah. «Wir könnten höchstens zivilrechtlich gegen den Anbieter vorgehen – allerdings müssten wir dann nachweisen, dass er direkter Kunde des SFV ist.»

Bei ähnlichen Vorkommnissen in der Vergangenheit hätten sich aber die Betreiber der Internet-Auktionsplattformen quergestellt und die Namen der Verkäufer aus Datenschutzgründen nicht preisgegeben.

Selbst der Verkauf von «Optionen für Tickets» ist legal

Laut Ricardo entsprechen die Angebote des Basler Ticket-Vermittlers tatsächlich den geltenden Richtlinien – selbst bei jenen Karten, die noch nicht im Besitz des Händlers sein können, weil sie noch gar nicht im Verkauf oder noch nicht ausgeliefert worden sind; also wie jene Sponsoren-Tickets für den Cupfinal oder die Swiss-Indoors-Eintritte, die bereits am Tag vor dem offiziellen Verkaufsstart am Dienstag angeboten worden sind. «Es ist grundsätzlich erlaubt, Optionen für ein Ticket zu verkaufen», sagt Ricardo-Sprecher Simon Marquard auf Anfrage.

Für die Veranstalter ist der Ticket-Graumarkt ein grosses Ärgernis, wie auch Swiss-Indoors-Managing-Director Patrick Ammann bestätigt. « Wir unternehmen viel, um diesen organisierten Grau- und Schwarzhändlern die Wege zu erschweren. Unglücklicherweise finden diese Händler aber immer wieder andere Vorgehensweisen, um an Tickets zu gelangen.»

Dass es einen gewissen Handlungsbedarf gibt, scheint auch der Bundesrat erkannt zu haben. Auf eine Motion des Basler SVP-Nationalrats Sebastian Frehner, der den Weiterverkauf von Tickets zu höheren Preisen verbieten wollte, bestätigt die Regierung, dass der Graumarkt durch professionelle sekundäre Ticketverkäufer «Probleme bereiten kann». «Die auf dem Graumarkt tätigen Händler kaufen die Tickets meist mit ausgeklügelten Computerprogrammen oder setzen Gruppen von schulpflichtigen Jugendlichen für den Kauf ein, um sie anschliessend einer grösseren Anzahl von Personen zu überhöhten Preisen weiterzuverkaufen», so der Bundesrat in der schriftlichen Antwort auf Frehners Motion.

Neues Gesetz gefordert

Trotzdem beantragte die Regierung im August 2014 die Ablehnung der Motion – was der Basler Nationalrat nicht hinnehmen will. «Ich bin mit der Antwort des Bundesrats auf meine Motion nicht einverstanden und werde versuchen, in National- und Ständerat Mehrheiten zu finden, damit der Bundesrat ein Gesetz entwirft, das den Weiterverkauf von Tickets zu höheren Preisen unterbindet. Es kann nicht sein, dass der Bundesrat zwar Handlungsbedarf sieht, aber nicht handelt», schimpft Frehner. Der aktuelle Fall des Basler Ticket-Vermittlers zeige einmal mehr deutlich, dass dringend etwas geschehen müsse.

Der Online-Marktplatz Ricardo würde strengere Gesetze für den Wiederverkauf von Tickets «vor allem aus Konsumentensicht» bedauern, wie Sprecher Marquard sagt. «Viele Mitglieder schätzen es, wenn sie kurzfristig ein Ticket für eine bereits ausverkaufte Veranstaltung finden.» Die Kategorie «Tickets & Gutscheine» sei beliebt, gehöre jedoch bezüglich Umsatz nicht zu den Top-Kategorien.

FCB-Fans machen ihrem Ärger über Ticket-Wiederverkäufer auf Facebook Luft: