Tierquälerei

Basler Tierversuchsleiter setzt sich über Gesetz hinweg und wird gebüsst – nun wehrt er sich

Niklaus Ruckstuhl, Anwalt des Tierversuchsleiters: «Der Kantonstierarzt verlangt Eingriffe, egal ob nötig oder nicht.»

Niklaus Ruckstuhl, Anwalt des Tierversuchsleiters: «Der Kantonstierarzt verlangt Eingriffe, egal ob nötig oder nicht.»

Rund 500 Tierversuche werden jährlich in Basel durchgeführt. Meist sind es pharmazeutische Tests an Mäusen und Ratten. Die Regeln sind streng. Die Tiere dürfen unter den Versuchen keine Schmerzen erleiden.

Weil sich niemand in die Tiere hineinversetzen kann, stellt sich dabei aber oft die Frage: Was bereitet den Versuchsobjekten Schmerzen? Am Zentrum für Lehre und Forschung der Universität Basel liefert ein Fall Anschauungsmaterial, in dem es um den Vorwurf der Tierquälerei geht. Es handelt sich um einen Tierversuchsleiter, der gegen das Tierschutzgesetz verstossen hat. Als das Basler Veterinäramt im Sommer 2018 eine seiner unangekündigten Kontrollen an der Hebelstrasse durchführte, wurde es gleich auf mehrere Verfehlungen aufmerksam. So hatte es der Tierversuchsleiter versäumt, die Mäuse nach den Operationen richtig zu überwachen. Zudem hatte er nach dem Eingriff die Nähte nicht nach zehn Tagen gezogen, wie es die Tierversuchsbewilligung vorsieht. Hinzu kam, dass er die Schmerzen nach den Operationen nicht genügend lange mit Schmerzmitteln bekämpft hatte. Auch habe der Leiter der Tierversuche nicht gemerkt, dass bei einer operierten Maus das Nahtmaterial am Kopf fehlte und eine Wunde klaffte, die er hätte behandeln müssen.

Tierversuchsleiter wollte Mäusen Schmerz ersparen

Dass bei den Tierversuchen gegen das Tierschutzgesetz verstossen wird, ist selten. Gemäss dem Basler Veterinäramt, das die Auflage hat, 20 Prozent der Tierversuche unangekündigt zu inspizieren, kommt dies nicht einmal jedes Jahr vor.

Den konkreten Fall will Walter Zeller, der Leiter Tierversuchswesen Basel-Stadt, mit Verweis auf die anstehende Gerichtsverhandlung nicht kommentieren. Klar ist: Der beschuldigte Tierversuchsleiter hat gegen die 5000-Franken-Busse rekurriert. Er lässt sich vom Anwalt Niklaus Ruckstuhl vertreten. Ruckstuhl sagt auf Anfrage, er habe den Entscheid des Veterinäramts angefochten, weil er der Meinung sei, dass es sich nicht um Tierquälerei handle.

Im Gegenteil: Sein Mandant habe dem Tier Schmerzen ersparen wollen. Hierfür nimmt er als Beispiel die Naht, die nicht innert zehn Tagen entfernt wurde. Die Belastung für die Maus sei viel grösser, wenn sie, wie die Bewilligung vorsehe, «fixiert» werden müsse, als wenn man darauf warte, bis die Naht von alleine abfalle. Analoges gelte für den Vorwurf, der Tierversuchsleiter habe Nähte, die sich vorzeitig öffneten, nicht operativ geschlossen, sondern offene Wunden toleriert. Auch hier sei dem Tier eine Belastung erspart worden, argumentiert Ruckstuhl. Letztlich gehe es darum, was für die Mäuse weniger belastend sei. Dies sei nicht zwingend die «sture» Befolgung von Vorschriften. «Der Kantonstierarzt verlangt Eingriffe, egal ob nötig oder nicht, weil sie gemäss Tierversuchsbewilligung vorgeschrieben sind», kritisiert Ruckstuhl. Seines Erachtens sei die Tierversuchsbewilligung undifferenziert und verlange unnötige Eingriffe an den Tieren.

Ob die Richter seiner Argumentation folgen, zeigt sich am 18. November. Dann wird der Fall vor dem Basler Strafgericht behandelt.

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