Daniel Egloff, worüber reden wir?

Über Heimat, meint das Nähkästchen.

Sie sind im zürcherischen Thalwil aufgewachsen, im Engadin haben Sie als Skilehrer gearbeitet, als Touristiker die Welt bereist – und leben seit 17 Jahren in Basel. Was ist für Sie Heimat?

Ich definiere das nicht über einen spezifischen Ort. Die Schweiz an sich und die Werte, für die sie steht, bedeuten für mich Heimat. Etwa schätze ich das Demokratiesystem hier, die Freiheit und Sicherheit, auch die Offenheit und Toleranz der Leute. Ich bin stolz darauf, Schweizer zu sein.

Das klingt ja fast schon patriotisch.

Ich weiss nicht, ob man das so bezeichnen kann. Aber ich habe das Gefühl, dass die Schweiz als Land für ganz viel Gutes steht.

Wann kommen Heimatgefühle auf?

Das passiert in der Natur, vorwiegend in den Bergen. Wenn ich mit den Ski irgendwo hoch oben stehe, etwa auf einen sonnigen Hang blicke. Da geht mir das Herz auf.

Seit wie gesagt 17 Jahren ist Basel Ihre Wahlheimat. Keine Berge hier...

...aber es gibt auch viel Schönes. Der Rhein gefällt mir sehr, ich habe eine spezielle Beziehung zu ihm, wohnte lange in einer Wohnung direkt am Bach, erlebte mit, wie das Rheinbord aufgewertet wurde.

Sie wurden damals nicht mit Begeisterung in Basel empfangen – ein Skilehrer, und erst noch einer aus Zürich.

Ich empfand diese Skepsis als gar nicht so heftig. Ich kniete mich in die Arbeit, 12-Stunden-Tage waren keine Seltenheit. Da blieb keine Zeit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob ich beliebt bin oder nicht.

Die Skepsis hat sich längst gelegt, Sie gehören zu den erfolgreichsten Tourismusdirektoren der Schweiz, Basel eilt bei den Logiernächten von Rekord zu Rekord. Geht das so weiter, trotz der Krise bei den Messen?

In diesem Jahr legen wir bei den Logiernächten voraussichtlich um fünf Prozent zu. Und auch für 2019 Jahr bin ich zuversichtlich. Obschon die Verkleinerung der Baselworld eine Challenge darstellt. Aber die Basler Hotels werden zu den Zeiten der grossen Messen immer noch ausgebucht sein. Der Radius der ausgebuchten Region wird aber kleiner. Was in Basel selbst immer mehr unter Druck gerät, sind die Durchschnittserträge der Hotels. Die Preise pro Zimmer und Nacht werden sinken.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn’s am schönsten ist. Hegen Sie Rücktrittsgedanken?

Es gab Phasen, da habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ja...

...im vergangenen Jahr? Als die Stelle des Direktors von Schweiz Tourismus vakant wurde? Viele sahen Sie als ideale Besetzung.

Ich habe mir das schon überlegt; es ist die Krönung jeder touristischen Laufbahn. Ich habe mich dennoch nicht beworben, obschon mich der Präsident des Hoteliervereins, der im Vorstand von Schweiz Tourismus ist, dazu ermuntert hat.

Warum nicht? Dieser Job ist mit viel Prestige verbunden.

Genau darum nicht. Wäre ich zehn Jahre jünger gewesen, hätte mich dieser Aspekt überzeugt. Heute muss ich sagen: Als Direktor von Schweiz Tourismus ist man national sehr exponiert, hat eine stark fremdbestimmte Agenda, muss überall Präsenz markieren und ist trotzdem nicht wirklich nah an der Sache dran.

Man sitzt im Glashaus.

Genau. Und das wollte ich nicht. Ich bin gerne draussen, an der Front, setze Projekte um in engem Kontakt mit den Anspruchsgruppen. Das ist in Basel alles möglich, und das wollte ich nicht aufgeben.

Hatte dieser Entscheid auch damit zu tun, dass Sie Ihre Wahlheimat Basel nicht verlassen wollten?

Sicher war das auch eine Rücktrittshürde. Wenn es mich in Basel angegurkt hätte, hätte ich den Schritt vielleicht gewagt. Aber ich will hier nicht weg.

Sie haben vorhin gesagt, dass es schon Phasen gegeben hat mit Rücktrittsgedanken.

Ich habe mich gefragt: Würde es Basel etwas bringen, wenn neue Impulse kommen? Die Antwort aus meiner Sicht: Ich hätte – karrieretechnisch gesehen – den Absprung nach sieben oder acht Jahren machen müssen. Das ist längst vorbei. Solange ich Spass habe am Job und noch so viel geben kann, solange möchte ich bleiben. Ich bin gut vernetzt, habe das Know How, harmoniere mit dem Präsidenten Carlo Conti – da besteht, nehme ich an, auch von Seiten der Stadt kein Anlass, mir zu kündigen.

Was können Sie noch geben?

Es wird immer wichtiger, dass gerade der Freizeittourist ein gutes Erlebnis hat. Danach sucht er. Es reicht ihm nicht, von aussen zu beobachten, er will mittendrin sein, Teil der Stadt. Das versuchen wir zu optimieren mit entsprechenden Angeboten.

Beispielsweise mit der Basel Card.

Genau. Aber auch ganz spezifisch, es gibt ja Schoki-Workshops, Bustouren, Stadtführungen. Mehr solche Angebote sind gefragt, Geheimtipps für Kleingruppen. Zum Beispiel schwebt uns ein Programm für Rheinschwimmer oder ein Malatelier für kulturinteressierte Gäste vor.

Dafür haben viele doch keine Zeit. Die Flusskreuzfahrttouristen hecheln Basel meist in weniger als 5 Stunden durch.

Es gibt noch viele andere Typen von Touristen. Ein guter Angebotsmix ist wichtig.

Die angesprochenen Bustouren werden von einem privaten Anbieter organisiert. Dessen Ruf ist nicht der beste.

Es gab einige Reklamationen, ja. Diese gilt es, ernst zu nehmen. Wir arbeiten eng mit ihm zusammen, unterstützen ihn, was die Inhalte und die Freundlichkeit der Chauffeure anbelangt. Er ist auf gutem Weg.

Jetzt ist wieder der Weihnachtsmarkt geöffnet. Er hat sich zu einem Touristenmagnet entwickelt. Spazieren Sie auch mal privat von Stand zu Stand?

So schön ich den Markt finde und das Angebot schätze: Man sieht mich da selten, es ist mir zu eng. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der Seifen, Duftkerzen oder Lichterketten einkauft, das überlasse ich meiner Frau (lacht). Shopping ist nicht so meins.

Sie haben sich auch zugunsten der Touristen dafür eingesetzt, dass inhabergeführte Läden sonntags geöffnet haben. Viele Geschäfte ziehen aber nicht mit.

Das Problem ist, dass nur jene Läden geöffnet haben dürfen, welche die Rechtsform einer GmbH oder Einzelfirma haben. Bei einer Aktiengesellschaft ist das laut nationalem Gesetz nicht möglich, und das hat den Kreis jener Läden, die geöffnet haben könnten, stark eingeschränkt. Dieses Vorhaben ist leider gescheitert.

Doch nicht alles so rosa in der Heimat.

(lacht) Das gehört bei einer Liebe dazu, dass man sich mal aufregt!