Pokern
Basler Trio coacht Poker-Spieler via Internet

Ein junges Trio coacht Poker-Spieler. Sie trafen sich im Internet und bieten ihre Dienste nun anderen Poker-Spielern an, die im Web zocken. Die Idee dazu kam ihnen ganz spontan nach einem Poker-Turnier.

Daniel Aenishänslin
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Sie pokern. Täglich. Und gut. Zumeist im Internet, aber manchmal auch am Tisch im Grand Casino Basel. «Etwa zweimal die Woche sind wir dort anzutreffen», sagt Tobias von Siebenthal, 21 Jahre alt und tagsüber mit seiner Berufsmatur beschäftigt, über sich und seinen gleichaltrigen Freund Armando Meier.

Oder sie sitzen wie der Dritte im Bunde an einem Tisch auf den Bahamas, in Las Vegas oder London. Mit 24 Jahren ist Stefan Huber der älteste aus dem Trio. Hat Geografie und Politikwissenschaften studiert. Auch an diesem Abend ist der Poker-Profi im Ausland, wo er inzwischen die Hälfte des Jahres verbringt.

Inzwischen eine Dienstleistung

Im Other Poker Club in Basel sprechen Meier und von Siebenthal über ihre Leidenschaft, die sie zusammengeführt hat. «Ich wohne in Himmelried, Tobias in Oberdorf», sagt Armando Meier, «kennen gelernt haben wir uns im Internet in Poker-Foren.» Aus der Leidenschaft ist inzwischen eine Dienstleistung geworden. Die drei bieten ein Poker-Coaching an. Die Stunde ab 100 Franken.

«Die Idee dazu kam spontan nach einem Poker-Turnier», sagt Tobias von Siebenthal, «es gibt ja kaum Vergleichbares.» Seit drei Monaten bieten sie nun ihre Dienste an. Beobachten per Internet-Telefonie das Spiel eines Klienten, analysieren es und liefern ihre Auswertung. «In mindestens 90 Prozent der bewerteten Fälle kommen wir zum exakt gleichen Schluss», sagt Armando Meier. «Poker ist ein bewertbares Spiel.»

Aber keines, wie es oft in Filmen dargestellt werde. Da sitzen die Kriminellen in einem Hinterzimmer, setzen das viel zitierte Pokerface auf und haben die Waffe bereits entsichert. «In der Regel läuft alles friedlich und kontrolliert ab, die Teilnehmer sind oft Studenten zwischen 20 und 25 Jahren und keine gefährlichen Ganoven», erläutert Meier, der selbst Wirtschaft studiert. Schon seine Maturarbeit drehte sich um dieses Spiel.

Huber, von Siebenthal und Meier sind sich bewusst, dass aus dem Spiel eine Sucht werden kann. «Spielsüchtige zittern am Tisch, befinden sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt», weiss Meier. Dies seien aber nicht ihre Kunden. Oft sei deren Ego zu gross, sich an einen Poker-Coach zu wenden. Sie überschätzten sich, spielten unbesonnen, gingen zu hohe Risiken ein. «Schon mit geringen Mathematik-Kenntnissen und Disziplin lässt sich ein Debakel verhindern», sagt von Siebenthal.

«Zwei Jahre wären schön»

Armando Meier und Tobias von Siebenthal brauchen keine weiteren Nebenjobs mehr, um sich während ihrer Ausbildung durchzuschlagen. Ein Leben als Pokerprofi können sie sich auf Dauer aber nicht vorstellen. «Zwei Jahre professionell pokern nach der Berufsausbildung wäre schön», sagt von Siebenthal, «danach möchte ich aber etwas Produktives tun.»