Eva Nidecker, worüber sprechen wir?

Über die Pubertät.

Waren Sie eine schlimme Pubertierende?

Im Gegenteil, ich war eine richtige Langweilerin. Ich zog es vor, am Wochenende mit meinen Eltern ins Ferienhäuschen zu gehen, zu wandern und zu häkeln, während die Gleichaltrigen Party machten. Ich hab auch relativ spät angefangen, Alkohol zu trinken. Rauchen hab ich auch erst mit 32 begonnen. Trotzdem war die Pubertät nicht einfach. Die Stimmungsschwankungen haben mir besonders zu schaffen gemacht. Ich habe mehr geweint als heute.

Waren Sie allgemein eine Spätzünderin?

In der Liebe habe ich wohl eher zum Durchschnitt gehört. Ich hatte mit 15 den ersten Freund und mit 16 das erste Mal Sex. Aber sonst würde ich mich schon eher als Spätzünderin bezeichnen. Ich habe auch Bryan Adams gehört – völlig uncool. Er war meine erste grosse Liebe.

Störte es Sie nicht, dass Sie nicht bei den Coolen waren in der Schule?

Ich kann mich gut an die Sprüche erinnern. Aber ich hatte ein ziemlich gesundes Selbstbewusstsein, was sicher auch meinen Eltern zu verdanken ist und der Auffassung: «Du bist, wer du bist.» Ich habe ja schnell begriffen, dass Bryan Adams uncool ist. Aber ich hab ihn halt einfach gemocht.

War denn die Pubertät nicht auch begleitet von Selbstzweifeln?

Klar hatte auch ich meine Selbstzweifel. Der Körper verändert sich, ich hatte beispielsweise sehr viele Pickel und bis 15 Babyspeck. Die körperliche Veränderung hat mir zu schaffen gemacht, aber sonst war ich eine fröhliche Person. Selbstverständlich gab es auch Phasen der Melancholie und des Weltschmerzes.

Aber mit 30 anfangen zu rauchen: Das dürfte rückblickend bestimmt nicht die beste Idee gewesen sein.

Das war sehr blöd und passierte, als ich als Programmleiterin bei Radio Energy in Basel arbeitete. Ich hatte 14-Stunden-Arbeitstage und meine Arbeitskollegen sagten mir: Sitz nicht andauernd vor dem Computer rum, komm mal mit uns an die frische Luft. Aus purer Neugier habe ich da eines Tages eine Zigi – meine allererste – geschnorrt. Ich hatte einen richtigen Nikotin-Flash, war aber für einen Moment so richtig befreit vom Stress. Innerhalb von wenigen Monaten rauchte ich ein knappes Päckchen am Tag. Heute rauche ich immer noch die gleichen Menthol-Zigaretten, habe den Konsum jedoch reduziert.

Sie haben nicht geraucht und wenig getrunken, hatten Sie gar keine Laster?

Ich hab gelegentlich gekifft, das war vielleicht meine bescheidene Form der Rebellion. Aber so richtig meins wars nicht, die ersten paar Mal habe ich gar nichts gespürt. Beim vierten Mal schlug es ein wie eine Bombe. Ich wurde plötzlich paranoid und hatte das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Dieses Gefühl hatte ich fast jedes Mal.

Mussten Sie zu Hause nie für Ihre Rechte kämpfen?

Ich bin die Jüngste in der Familie und gewissermassen das Nesthäkchen. Mein Bruder und meine Schwester hatten schon vorgespurt, waren auch bedeutend konfrontativer. Wenn ich etwas bereue, dann dass ich zu fest auf Harmonie bedacht war. Man sollte früh lernen, für seine Bedürfnisse einzustehen, auch jemandem sagen können, wenn er ein Idiot ist. Da habe ich mich viel zu stark versteckt.

Waren Sie auch eine Musterschülerin?

Ich habe zwar nicht rebelliert, aber ich war auch keine Streberin. Gewisse Fächer wie die Sprachen und die Kunstfächer haben mich sehr interessiert, da habe ich auch mal aufgestreckt und mitgemacht. Aber in Mathe und Physik war ich eine Niete. Bis 16 war ich sehr gut, aber dann liess das Interesse nach. Bei 30 Grad zu büffeln, hat mir schon gestunken. Ich rechnete genau aus, wie ich welche ungenügenden Fächer kompensieren konnte. In meiner Matur hatte ich sieben Punkte über dem Minimum. Das war nun wirklich keine Glanzleistung.

War da schon klar, dass Sie ins Fernsehen wollen?

Irgendwie bin ich da reingerutscht. Kurz nach der Matur heftete meine damalige WG-Partnerin ein Inserat an den Kühlschrank, in dem ein Moderator für die Jugendsendung «Oops» gesucht wurde. Ich besuchte das Casting, obwohl ich eigentlich an die Kunstgewerbeschule gehen wollte. Wider erwarten wurde ich dann beim Fernsehen aufgenommen. Eigentlich bin ich immer noch der Überzeugung, dass ich in den Journalismus gerutscht bin, damit ich dereinst mal mein Idol Bryan Adams interviewen darf.

Was dann auch geklappt hat.

Ja, mit 25 war es so weit. Als ich eine neue Stelle bei Radio Energy annahm, machte ich das nur unter einer Bedingung: Der Sender sollte mir für sein bevorstehendes Konzert ein Interview mit Bryan Adams organisieren. Und tatsächlich gelang das.

Wie wars?

Ich war mega aufgeregt, nahm zwei Aufnahmegeräte mit. Am meisten nervös war ich, dass das Bild meines Idols zerstört wird. Aber das Gegenteil war der Fall. Er nahm meine Nervosität sehr gut auf und scherzte mit mir. Als er meinen Ehering sah, sagte er gar, ich hätte doch auf ihn warten sollen (lacht).