Es ist der bedeutendste Wirtschaftszweig der Region Basel: die Pharma. Ausgerechnet in diesem Bereich droht der Universität harte Konkurrenz in der Forschung. Die Uni Bern hat angekündigt, Pharmazie ab kommendem Herbst als Vollstudium anzubieten. Künftig werden jährlich fünfzig Studierende aufgenommen. Dazu kooperiert die Bundesstadt in der Pharma mit den welschen Unis.

In Basel geht man nun in den Gegenangriff. Wie der bisher unveröffentlichte Quartalsbericht vom vergangenen Herbst zeigt, will das Rektorat eine eigene Fakultät für die Pharma schaffen. Derzeit ist die Pharmazie der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät angegliedert und erhofft sich vom Schritt «eine höhere Visibilität», wie dem Bericht zu entnehmen ist. Auch wird in den Unterlagen explizit auf die Konkurrenz aus Bern eingegangen – und darauf, dass durch Kooperationen mit der ETH Zürich dagegenhalten werde.

Die Universität Basel müsse «mit nachhaltigen Massnahmen sein (sic!) Einzugsgebiet verteidigen», heisst es. Eine eigene Fakultät diene aber auch dazu, den Pharmazeuten eine höhere Selbstbestimmung und Flexibilität zu ermöglichen. Diese seien momentan als Teil einer Fakultät mit «sehr starken und dominanten Departementen/Fachbereichen» eingeschränkt.

Im Papier wird auf die Wirtschaftswissenschaftliche und die Psychologische Fakultät verwiesen, die erst dank der Gründung der eigenständigen Lehreinheit ihre heutige Bedeutung erlangten. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wurde 1995 gegründet, die Psychologische Fakultät 2003. Die Universität will die Pläne zur Gründung der achten Fakultät nicht kommentieren. Mediensprecher Matthias Geering sagt, der Entscheid sei nicht spruchreif, die Quartalsberichte des Rektorats nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Neutralität muss garantiert sein

Von offizieller Seite begrüssen die Studierenden, dass eine eigenständige Fakultät für die Pharmazeuten geprüft wird. Daniel Seitz, Präsident der Studentischen Körperschaft Skuba, freut sich darüber, dass die Pharma sichtbarer und einflussreicher würde. Dank einer eigenen Fakultät hätte sie Einsitz in alle Gremien, ein eigener Leitfaden würde entworfen.

Bei Einigen dürfte die Ankündigung, im Bereich der Pharma aufzurüsten, Stirnrunzeln erzeugen. Schliesslich hat die Universität ein Sparprogramm hinter sich, einzelne Professuren sind nicht besetzt worden. Das Rektorat scheint sich bewusst, dass seine Pläne in eine sensible Phase fallen. Das Vorhaben stehe deshalb «inneruniversitär unter der Voraussetzung, dass es sich auf konsensuale Weise realisieren lässt», heisst es im Quartalsbericht.

Die Einrichtung einer neuen Fakultät solle keine Auswirkungen auf die Budgets der Medizinischen und Philosopisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät haben, betont das Rektorat. Der Plan sieht vor, dass Doppelprofessuren weitergeführt oder eingesetzt werden – und zusätzliche Stiftungsprofessuren geschaffen werden. Diese Stellen werden von Privaten finanziert. Seitz sagt, unter diesen Voraussetzungen seien die Pläne «unproblematisch».

Wichtig sei, dass die anderen Fakultäten nicht zusätzlich sparen müssten. Auch hegt er keine Zweifel an der Neutralität der Stiftungsprofessoren. Dies im Gegensatz zu einigen Studierenden, welche die Forschungsfreiheit infrage stellen. Schliesslich sind es – wenn nicht Mäzene – im Normalfall Firmen mit kommerziellen Interessen, welche die Gelder für die Stiftungsprofessuren aufwerfen. Seitz verweist hingegen auf die Regeln der Universität, welche besagen, dass die Forschungsfreiheit und die Neutralität garantiert sein müssten.

Wunsch bestehe schon lange

Bis heute nicht involviert in die Pläne sind die regionalen Bildungspolitiker. Der Baselbieter FDP-Landrat Sven Inäbnit sagt, der Wunsch nach einer Stärkung der Pharma an der Uni Basel bestehe schon länger. Schliesslich würden heute viele nach ihrem Pharmazie-Studium nicht als Apotheker arbeiten, sondern in der Pharma Fuss fassen. «Diese Generalistenrolle ist eher neu», sagt der Binninger, und eine eigene Fakultät würde ihr gerecht. Damit könnten die nötigen Vernetzungen mit der Industrie und anderen Universitäten unabhängig von der Naturwissenschaftlichen Fakultät geschehen. Auch Inäbnit findet, dass eine Zusammenarbeit mit der ETH sinnvoll wäre.

Gleichzeitig betont der Freisinnige, dass die Fakultät «unter Wahrung der Kostenneutralität» entstehen müsse. Dazu sei die Chance einer «Private-Public-Partnership» zu prüfen, dass also die Privatwirtschaft beteiligt wäre. Inäbnit erhofft sich davon, dass die Praxisnähe der Pharma an der Uni sichergestellt wird.