Der eine ist Italiener, der andere kanadisch-französischer Doppelbürger: Für ein Start-up der Fachhochschule ist dieses internationale Setting keine Ausnahme. Yves Dudal (43) und Alessandro Cumbo (32) lernten sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW kennen. Ihre Spezialität: Nano-Biotechnologie. Diese untersucht die kleinsten Strukturen von Materialien im Nanometerbereich und nutzt sie für Ziele, die mit herkömmlicher Chemie oder Biologie nicht erreicht werden können.

«Nano» heisst Zwerg, ein Nanometer misst gerade mal ein Millionstel Millimeter. Diese Grösse ist nicht vorstellbar und es braucht ein Elektronenmikroskop, um Dinge, die wenige Nanometer (nm) gross sind, sichtbar zu machen. Normale Optik reicht da nirgends hin.

Auf Virenfang im grossen Stil

Auf dem Bild rechts zeigen Cumbo und Dudal ein Silikatklümpchen von 400 nm, welches mit Viren in der Grösse von 30 nm belegt ist. Auf dieses Silikat-Teil werden nun Schichten von Silizium-Derivaten aufgetragen, sodass die Viren bis zur Hälfte in diesen Schichten stecken.

Die Viren werden entfernt, es bleiben die Virenabdrucke. Jetzt kann dieses Silikatteil zum Virenfang eingesetzt werden. Diese haben nämlich aus physikalisch-chemischen Gründen die Tendenz, sich in die exakt passenden Mulden festzusetzen. Werden die Silikatteilchen millionenfach eingesetzt, können diese auch gegen eine grosse Zahl von Viren losgeschickt werden.

Zusätzlich entwickelt Inofea polymerbasierte Materialien zur Entfernung von Problemstoffen wie etwa Bisphenol-A oder auch für die Konversion der Laktose aus der Milch. «Bei den Prozessen geht es um das Detektieren und Eliminieren von unerwünschten Viren und Schadstoffen und um die Verwertung von Ressourcen», sagt Cumbo. Das Einsatzgebiet sehen Cumbo und Dudal beispielsweise bei der Abwasserreinigung, der Wasseraufbereitung, der Agro- und Nahrungsmittelindustrie oder in der Feinchemie.

Erst grosser Kunde an der Angel

Und tatsächlich: Seit vergangener Woche hat ihre vor zwei Jahren gegründete Firma Inofea einen ersten Kunden. Es ist einer der grössten Konzerne in Sachen Abwasser und Entsorgung – der Name darf noch nicht genannt werden. «Es handelt sich dabei um ein biochemisches System für die Abwasserbehandlung», sagt Dudal nur.

Wie ist die Firma entstanden? Cumbo, der Biotechnologe, promoviert an der FHNW in der Gruppe von Professor Patrick Shahgaldian. Dudal hatte an der Fachhochschule am Institut für Ecopreneurship unter Leitung von Professor Philippe Corvini gearbeitet. Bald hatten die vier herausgefunden, dass das Projekt, an dem sie arbeiteten, einiges Potenzial hatte. Dudal hatte übrigens schon zuvor eine Firma ins Leben gerufen.

Mikroskope der FHNW nutzen

2011 wurde Inofea dank der Unterstützung der Hochschule für Life Science (FHNW) gegründet. Platz fanden sie im eben aufgebauten Technologiepark «Basel Inkubator» auf dem Stücki-Areal. Inofea darf das Patent, welches das beschriebene Verfahren schützt, nutzen. Ebenso die teuren Elektronenmikroskope der FHNW. Mittlerweile beschäftigt Inofea vier Mitarbeiter.

Begonnen hat Inofea mit 20 000 Franken und einem Projektzuschuss der EU als Partnerin in einem Wasser-Landwirtschaft-Biotechnologie-Projekt im Rahmen eines bilateralen Programms mit Indien. Jetzt sucht Inofea Startkapital, sogenanntes Seed Capital, in der Höhe von 500 000 Franken.