Auf den hiesigen Strassen geht es ruppig zu und her. Im Fokus stehen die Velorowdies, die über Trottoirs rasen, Fussgängern den Vortritt nehmen oder rote Ampeln missachten.
Am Mittwoch lancierte die Basler Polizei zusammen mit anderen Schweizer Polizeikorps und der Suva einen Präventionsfilm, der in Basler Kinos laufen soll. Das Thema ist nicht neu. Bereits im Sommer 2015 berichtete die «Basler Zeitung» über die Empörung des Touring Clubs Schweiz (TCS). Lukas Ott, Geschäftsführer der TCS-Sektion Basel, argumentierte: Immer weniger Junge würden das Autobillett machen. Deswegen würden die Velofahrer die Strassenregeln nicht mehr kennen – und könnten sich somit auch nicht an sie halten.

Auch Politiker wie der ehemalige Basler CVP-Nationalrat Markus Lehmann machten sich für eine strengere Sanktionierung der Velorowdies stark. Die Velolobby «Pro Velo» anerkannte zwar die Probleme. Präsident David Wüest-Rudin sagte in der «BaZ», die Rowdies seien «ein Thema, gerade weil Fussgänger und ältere Leute sensibel auf Velofahrer reagieren, wenn diese nahe an ihnen vorbeifahren oder sich nicht an die Regeln halten.» Um Fehlbare zu mehr Disziplin zu bringen, habe er allerdings kein Patentrezept.

Möglicher Grund: Dichtestress

Als Patentrezept sieht Wüest-Rudin auch den neuen Clip der Basler Polizei nicht. Dieser zeigt einen dynamischen Jungvater auf einem Fixie-Velo, der die Verkehrsregeln missachtet. «Zu drastisch und klischeebeladen», lässt «Pro Velo» verlauten.

Stattdessen hat der Verein an einer eigenen Lösung getüftelt, die zur Entspannung der Situation zwischen Fussgängern und Velofahrern beitragen soll. Dem Entwurf dieses Papiers, welcher der bz vorliegt, sind selbstkritische Einschätzungen zu entnehmen. In der jüngsten Vergangenheit sei von anderen Verkehrsteilnehmern das «rüpelhafte Verhalten» der Velofahrer vermehrt kritisiert worden, heisst es. Erstmals ruft deshalb «Pro Velo» die eigene Klientel zur Disziplin auf. «Dies haben wir bisher nicht als unsere Aufgabe betrachtet, weil wir es als selbstverständlich erachtet haben», sagt Wüest-Rudin.

Die «aktuelle Situation» sei indes nicht normal. In den vergangenen ein bis zwei Jahren sei das Thema wieder manifest geworden. Auslöser sei womöglich der zunehmende «Dichtestress» auf den Strassen. Begleitet wird der Aufruf zum disziplinierten Velofahren von einem Strauss an Massnahmen. «Pro Velo» setzt vornehmlich auf Erziehung.

Fehlende Kenntnis der Verkehrsregeln wird dabei als einer der Hauptgründe für Gesetzesüberschreitungen ins Feld geführt. Unter dem Kapitel «Ausbildung, Kommunikation, Information» wird unter anderem die Einführung von Velofahrkursen und ähnlichen Aktionen an den Schulen gefordert. Im Positionspapier heisst es, dass die «Informationen über die Verkehrsregeln allgemein» vermittelt werden sollten. Fehlendes Wissen ortet «Pro Velo» unter anderem im Kreiselverkehr. Die Verantwortung sieht der Verein aber nicht nur bei den Velofahrern. Auch die anderen Verkehrsteilnehmer seien über die «Rechte und Pflichten» der Velofahrer aufzuklären, heisst es.

«Unnötige» Regeln eliminieren

Um den Frieden zwischen den Verkehrsteilnehmern wieder herzustellen, fordert «Pro Velo» zudem eine Einschränkung von «unnötigen» Verkehrsregeln. Profitieren sollen hierbei vor allem: die Velofahrer. Ampeln sollten nur dort aufgestellt werden, wo sie «wirklich nötig» seien. «Insbesondere Ampeln, die den Autoverkehr dosieren sollen, dürfen nicht auch Velos betreffen», schreibt der Verein. «Denn zur Dosierung des Veloverkehrs besteht kein Anlass.» Ausserdem sollte wichtigen Veloverbindungen nicht zugunsten von Quartiersträsschen der Vortritt genommen werden. Einbahnstrassen sollen für Velos geöffnet werden.

«Pro Velo» nimmt letztlich auch die Basler Polizei in die Pflicht. Sie solle sich darauf beschränken, die Bussen nicht da zu verteilen «wo es am einfachsten» sei, sondern da, wo tatsächlich Probleme bestünden. Die Polizei hat ihrerseits auf die «Verluderung der Sitten» bei den Velofahrern schon reagiert, wie Sprecher Toprak Yerguz sagt. Auf diese Veränderungen reagiere man mit «angepasster Kontrolltätigkeit und Präventionsarbeit».