Rikscha
Basler Velotaxis rollen los – trotz Nein der Regierung

Im Februar entschied der Regierungsrat, dass er die Dreiräder nicht in den Fussgängerzonen haben will. Trotzdem werden die Velo-Taxis ab April in Basel im Einsatz sein.

Leif Simonsen
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«Die Basler sind intolerant gewesen», empört sich Pascal Nydegger. Der Berner Inhaber von Rikscha Taxi Schweiz spricht auf den Regierungsratsentscheid vom Februar an, in welchem sich die Basler Exekutive für ein Verbot der Dreiräder in der Fussgängerzone und auf dem Trottoir aussprach. «Ich habe so etwas von der grössten Velostadt der Schweiz nicht erwartet.» Die Folge davon war, dass sich andere Städte, in welchen das Unternehmen schon florierte, diesem Präzedenzfall beugten – und das Verbot ebenfalls nachzogen.

Nydegger lässt sich von diesem Entscheid nicht unterkriegen. Dank einer Spezialbewilligung durch den Bund dürfen die Rikschas in Zukunft in der Basler Innenstadt herumkurven. Vom 15. April bis mindestens im Oktober werden zehn dieser Velotaxis «zu einer Attraktivitätssteigerung der Stadt beitragen», wie Nydegger glaubt. Womöglich werden die Rikschas – mit warmen Wolldecken ausgestattet – gleich bis Weihnachten zu sehen sein.

Das Projekt dürfte harzig anlaufen: Die Velotaxis werden nämlich vorerst mit Auto-Nummernschildern ausgestattet. Das bedeutet: Sie dürfen – gemäss Regierungsratsentscheid – nicht in der Fussgängerzone oder auf Trottoirs fahren.

«Katastrophe ist perfekt»

Dass die Rikschas mit weissen Nummernschildern ausgestattet werden, ist auch Eduard Rutschmann ein Dorn im Auge. Der SVP-Grossrat wettert gegen den Entscheid des Regierungsrats, die Velotaxis in den Fussgängerzonen zu verbieten: «Die Katastrophe ist perfekt.» Ökonomisch gesehen, macht dieses Verbot gar keinen Sinn. «Man macht sich hiermit eine Touristenattraktion zunichte.» Verkehrstechnisch sei es nicht weniger als blanker Hohn: Nun dürften die Gefährte auf die Landstrasse, obwohl sie maximal 15 Kilometer pro Stunde fahren. Rutschmann verspricht, sich politisch weiterhin für das Berner Jungunternehmen stark zu machen. «Ich werde nicht lockerlassen», droht er der Basler Regierung.

Zu verlieren hat der Rechtsbürgerliche ohnehin nicht allzu viel: «Hanspeter Gass und ich grüssen uns derzeit nicht», verrät der SVPler, der als «Rickscha-Interpellant» scheiterte. Rutschmann poltert: «Man muss sagen, dass Gass da himmeltraurige Arbeit geleistet hat.» Seinen nächsten politischen Vorstoss will er deshalb an die Allmendverwaltung richten, um das Dossier in andere Hände zu geben. Pascal Nydegger bleibt derweil nichts anderes als abzuwarten. «Wir können nur darauf hoffen, dass man in Basel zur Einsicht gelangt.» Der Unternehmer macht keinen Hehl daraus, dass sein Geschäft unmittelbar mit diesem Politikum zusammenhängt. «Wenn wir in der Fussgängerzone fahren dürften, hätten wir 50 Prozent mehr Umsatz.» Vorerst heisst es aber für die Basler Rikscha-Chauffeure, dass sie auf den Strassen strampeln müssen – und das zum Einheitstarif: Pro Fahrt wird nämlich nur eine Grundgebühr von fünf Franken erhoben. «Man kann aber gerne auch ein wenig mehr zahlen», sagt Nydegger.