«Auch wenn wir die Konflikte und die Gewalt nicht ganz verschwinden lassen können, können wir dennoch lernen, wie man mit Konflikt-Situationen auf eine friedliche Art und Weise umgehen soll.» So erklärt Sandra Pineda de Forsberg die Kernaufgabe ihrer neu gegründeten Non-Profit-Organisation Phebe Children.

Mit einem Team von fünf Personen – teils einheimische Basler, teils in Basel lebende Expats – hat sich Pineda de Forsberg einen Traum erfüllt. Seit sie 2004 während des Krieges in Dafur drei Monate im Sudan verbrachte und dort Augenzeuge des Leides und der Schmerzen der Kinder im Krieg wurde, ist sie hoch sensibilisiert auf den Kindesmissbrauch im Krieg. Seit diesen prägenden Erlebnissen will Pineda de Forsberg sich für die Unterstützung solcher Kinder einsetzen. Mit ihrem Anliegen ist sie vor zehn Jahren zu Nils-Arne Kastberg gegangen, mit der Bitte, sie bei ihrem Wunsch zu unterstützen. Kastberg, den die Gründerin von Phebe Children durch gemeinsame Freunde kennt, ist ehemaliger Unicef-Direktor für Lateinamerika.

Kolumbien ist nur der Anfang

Für die gebürtige Kolumbianerin eine perfekte Fügung. Mit Phebe Children will sie als Erstes die Gewalt in ihrem Heimatland bekämpfen, bevor sie ihr Projekt in den Sudan und später auch nach Ruanda ausweiten will. Neben dem persönlichen Bezug von Pineda de Forsberg zu Kolumbien ist auch die Tatsache, dass Phebe Children einen starken Partner vor Ort hat, der das Basler Projekt unterstützt, Grund dafür, im lateinamerikanischen Land zu beginnen. Pineda de Forsberg: «Einen besseren Ort, um unser Projekt erfolgreich zu starten, gibt es nicht.»

Mit Kastberg hat sie einen Advisor an ihrer Seite, der sich sechs Jahre lang in Lateinamerika für die Rechte von Kindern einsetzte und ein starkes Netzwerk aufgebaut hat. «Meine Leidenschaft ist es, mich für das Wohlergehen von Kindern einzusetzen und Menschen zu unterstützen, die dasselbe Anliegen haben», erklärt Kastberg sein Engagement für Phebe Children. Kastberg kann auf einen sehr grossen Erfahrungsschatz zurückblicken. Seit 32 Jahren arbeitet der 59-Jährige bereits für internationale Institutionen. Neben seiner Zeit als Unicef-Direktor für Lateinamerika arbeitete er auch bei der Flüchtlingshilfe der UN, für das Schwedische Ministerium, als Direktor des Emergency Programs der Unicef und als Unicef-Repräsentator für den Sudan.

Die Gewalt mit Waffen ist in Kolumbien allgegenwärtig und gehört zum Alltag der Kinder. Die fünf Jahrzehnte der Waffen-Konflikte zwischen der nationalen Armee, der Guerilla, paramilitärischen Truppen, der Drogenmafia und anderen bewaffneten Gruppierungen haben ihre Spuren hinterlassen. Derzeit versucht die kolumbianische Regierung, ein Friedensabkommen mit der Guerilla zu unterschreiben.

Phebe Children will die Selbstverständlichkeit der Gewalt aus den Köpfen der Kinder heraus bekommen und aus ihnen Friedens-Vertreter machen. Dazu betreut das Projekt an der Filadelfia-Schule in Bogotá 200 Kinder, die eine Friedensausbildung geniessen werden und denen soziale Kompetenzen beigebracht werden. Ziel ist es vor allem, die Gewalt in den Schulen und zu Hause zu verringern. Kastberg: «Am häufigsten beginnt Gewalt zu Hause und in den Schulen, nicht auf der Strasse. Auf der Strasse sehen es einfach alle, in den eigenen vier Wänden nicht.» Wenn die häusliche Gewalt nicht bekämpft werde, werde sie von Generation zu Generation als Verhaltens-Muster weitergegeben, so Kastberg. «Und genau das muss unbedingt verhindert werden.»