Nach zwanzig Jahren ist die Eigenständigkeit des Labels «Erfolg» nur noch Geschichte. Es ist dies die Folge einer gescheiterten Expansion. Walter Reinhard, Geschäftsführer des Basler Modelabels, wird bildlich: «Es ist, als hätten wir ein grosses Flugzeug angeschafft, hatten danach aber kein Geld, um für Passagiere zu werben, und auch keines mehr, um Kerosin zu kaufen.» Oder anders gesagt: Dem Modelabel drohte das Grounding.

Vor zwei Jahren standen die Zeichen noch auf Aufschwung. Die Ermunterung bestand, wie Reinhard sagt: Der Ruf von «Erfolg» als schweizerisches Green-Fashion-Label sei um ein Vielfaches höher gewesen als der effektive Umsatz. Es galt bloss, dieses Umsatzversprechen abzuschöpfen. Das Einzelunternehmen der Gründerin und Designerin Sandrine Voegelin wurde zunächst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Neue Verkaufslokale wurden daraufhin eröffnet. Zwei in Zürich, je eines in Bern und in Luzern. Doch das Abheben wollte nicht gelingen.

Eine Reihe widriger Umstände hätten sich kumuliert, sagt Reinhard: ein Produzent, der nicht in gewünschter Qualität und Menge liefern konnte, ein ohnehin rückläufiger Textilmarkt, ein Eurokurs, der die grenznahe Bevölkerung nicht mehr in Basel einkaufen liess. Die Einnahmen hielten mit den Ausgaben nicht Schritt. «Erfolg», faktisch überschuldet, drohte die Illiquidität.

Als Retter trat die familiengeführte Strickerei Traxler aus dem thurgauischen Bichelsee auf. Ralf Traxler, Geschäftsführer in fünfter Generation, produziert einen Grossteil der Erfolg-Strickwaren und war damit Gläubiger.

Am 25. März erfolgte an der ordentlichen Generalversammlung der ausserordentliche Schnitt: Reinhard und Voegelin, je hälftig an der Erfolg Label AG beteiligt, verzichteten auf ihre Anteile und Forderungen gegenüber der Firma und setzten das Kapital auf null. Traxler verzichtet seinerseits auf Forderungen, finanziert die Rekapitalisierung der Firma und wird damit Eigentümer von «Erfolg».

Traxler sagt gegenüber der «Schweiz am Sonntag», eigentlich ändere sich nichts: Voegelin werde als Designerin weiterhin das kreative Gesicht für «Erfolg» sein und Reinhard das Geschäft betreuen.

Doch damit wird es nicht getan sein. Denn die Expansion scheiterte nicht allein an den Umständen. Reinhard räumt ein, dass die Firma den Schritt vom Klein- zum Filialbetrieb völlig unterschätzt habe. Das Prinzip der idealismusgetriebenen Selbstausbeutung funktionierte nicht mehr. Plötzlich musste ein Mehrfaches an Miet- und Personalkosten aufgebracht werden. Er verstehe nun, weshalb in den Einkaufsstrassen nur noch Billigmode angeboten werde, die mit einer hohen Marge verkauft werden könne, sagt Reinhard. Anders liessen sich die Mieten nicht erwirtschaften. Reinhard meint, dass nach solcher Rechnung «Erfolg»-Produkte mindestens vierzig Prozent teurer angeboten werden müssten. Doch damit würde man ein anderes, exklusiveres Publikum ansprechen, was wiederum ein anderes Vertriebskonzept bedinge.

Traxler muss jedoch auch das Konzept mit fünf Filialen überdenken. Als exklusiver Vertriebskanal für «Erfolg»-Produkte sind es zu wenige, für eine schlanke Firmenorganisation sind es zu viele.

Reinhard sagt, das Wichtigste sei, dass es mit «Erfolg» weitergehe. Einen finanziellen Partner gefunden zu haben, sei auch eine Erleichterung. Doch glücklich klingt Reinhard nicht, das Aufgeben der Eigenständigkeit schmerzt.