Verena Donati, Gründerin des gleichnamigen Basler Weinhauses, muss nur kurz überlegen. «Der Sommer war sehr warm. Da wird einfach weniger Wein getrunken», so ihre nüchterne Feststellung. Jetzt, zu den kühleren Herbsttagen hin, ziehe der Konsum wieder an. Gradmesser ist für Donati die kleine Vinothek in der St. Alban-Vorstadt, die gut laufe. Lieferungen an Restaurants haben das schwache Privatkundengeschäft kompensieren können, zumindest teilweise.

Das bestätigt Jürg Stofer, Inhaber des «Weinparadies» in Reinach. Das Gastrogeschäft laufe sogar super, findet er. Aber die Zahl der Privatkunden sei regelrecht eingebrochen. «Die Leute stehen auf der Bremse, sie sind sparsam.» Aber es hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass das «Paradies» im April in das Kägen-Quartier umgezogen ist. Zuvor war der Laden im Zentrum, er war zu klein.

Das grosse Zürcher Weinhaus Bindella hatte bislang kein schlechtes Jahr. «Aber das Wachstum nur sehr klein. Euphorisch sind wir nicht», sagt Geri Theiler, Vorsitzender der Bindella-Geschäftsleitung. Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz ist in den vergangenen sechs Jahren um mehr als 12 Prozent auf 40 Liter gesunken. Im Moment seien aber die Importe in die Schweiz stabil. Alexander Pardeller von Liechti Weine, Basel, stellt fest, dass Degustationen und Degustationsmenus immer beliebter würden. Auch junge Kunden würde man damit ansprechen.

Ein 50-Jahrestief

Ein grosses Thema an der Weinmesse ist die schlechte Traubenernte in diesem Jahr. Insbesondere in der Region Nordwestschweiz war sie desaströs: Gerade mal 20 Prozent einer durchschnittlichen Ernte wurde erreicht. Auch andere Weinregionen hat es übel erwischt, und zwar europaweit. Die Internationale Organisation für Rebe und Wein» (OIV) geht davon aus, dass die weltweite Weinproduktion in diesem Jahr auf ein 50-Jahrestief fällt. Gemäss vorläufigen Schätzungen nimmt die Produktion um acht Prozent auf 246 Millionen Hektoliter fallen ab. Betroffen sind neben der Schweiz auch Italien (-23%), Frankreich (-19%), Spanien (-15%) und Deutschland (-10%). Die Ursache für den Einbruch lag bei Frost und Trockenheit.

Weinpreise steigen

Die Situation in Italien kennt Produzent Bindella aus eigener Anschauung. Dort werde in diesem Jahr ein Drittel weniger Wein. Beim Rotwein kann der Einbruch durch die guten Vorgängerjahre etwas abgefedert werden. Der Weiss- und Roséwein wird jedoch jung getrunken. Hier schlage das Manko sofort durch, sagt Geri Theiler von Bindella. Das könne je nach dem zu Preisaufschlägen führen - wie auch der wiedererstarkte Euro, der die Importe verteuert.

Nichts zu klagen hatte die Sissacher Firma Buess, die eigenen Wein produziert und an der Weinmesse ebenfalls einen Stand betreibt. «Wir hatten gute Umsätze. Und wir hatten Wetterglück», sagt Firmenchef Laurent de Coulon. Auch während der Traubenlese war recht gutes Wetter. Und es gab Trauben!

Obwohl sie nicht an der Basler Weinmesse teilnehmen, haben wir auch noch die beiden grössten Player im Weingeschäft, Coop und Denner, zur Lage der Branche befragt. Sie klagen nicht über fehlende Umsätze. Bei Coop sei man mit dem Geschäft zufrieden. Denner verzeichne einen «stabilen Umsatz». Es werde etwas weniger, aber teureren Wein getrunken. Beim Schweizer Wein könne es im kommenden Jahr zu Engpässen kommen.