Volksentscheid
Basler Wirt will Bau des Claraturms mit Referendum bekämpfen

Der Grosse Rat hat am Messeplatz ein 96 Meter hohes Wohnhaus mit Restaurants bewilligt. Nun will ein Wirt das Projekt mit einem Referendum bekämpfen. Er versteht nicht, wieso traditionsreiche Häuser dem Claraturm zum Opfer fallen sollen.

Nicolas Drechsler
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Andreas Bernauer, Betreiber der «Pianobar», wehrt sich gegen den Bau des Claraturms, der dereinst so aussehen soll.

Andreas Bernauer, Betreiber der «Pianobar», wehrt sich gegen den Bau des Claraturms, der dereinst so aussehen soll.

Zur Verfügung gestellt

Andreas Bernauer hat am geplanten Claraturm verständlicherweise keine Freude: Er betreibt die «Pianobar» am Riehenring 71. Also in einer der Liegenschaften, die die UBS abreissen will, um den Claraturm zu bauen. Nachdem der Grosse Rat am Mittwoch den Zonenplan gutgeheissen hatte, will Bernauer nun einen Volksentscheid über das Projekt erzwingen.

Traditionsbauten vs. Funktionsbau

Obwohl im Rat ausser dem Grünen Bündnis, dessen Mitglieder sich nicht einig waren, alle Parteien für das Projekt waren: «Ich verstehe nicht, weshalb man eine traditionsreiche Häuserzeile abreisst, nur für einen neuen Funktionsbau,» sagt Bernauer. Er ist nicht der einzige Beizer an der sogenannte Gastromeile entlang des Riehenrings, der weichen müsste. Auch der «Wurzengraber» und das «Alte Warteck» würden verschwinden. Als Ersatz gäbe es im Claraturm im Erdgeschoss und im obersten Stock je ein Restaurant.

Noch keine konkrete Zusage

Dass die Häuserzeile nicht abgerissen werden dürfe, fand auch der Heimatschutz, er unterlag aber auf dem Rechtsweg vor Bundesgericht. Ein Referendum dürfte er wohl unterstützen, aber definitive Zusagen für sein Komitee habe er noch keine, erklärt Bernauer.

Auch nicht von den beiden Grünen-Politikerinnen Anita Lachenmeier und Brigitta Gerber, die im Grossen Rat gegen das Projekt angerannt waren. Dafür unterstützen drei Basler Künstler Bernauers Anliegen und das sieht man: «Wir haben angefangen am Riehenring Kunstwerke in die Bäume zu hängen, um für unser Referendum Werbung zu machen.»

24-Stunden-Sammeln

Nun hat Bernauer 41 Tage Zeit, um 2000 Unterschriften zu sammeln, sonst kommt sein Referendum nicht zu Stande. «Ich werde versuchen, eine 24-Stunden-Mahnwache vor meiner Bar zu etablieren,» sagt der Wirt. Dort sollen also rund um die Uhr Unterschriften abgegeben werden können.

Die Argumente für den Turmbau mag Bernauer nicht nachvollziehen, verdichtetes Bauen, 170 neue Wohnungen, zwei Restaurants, mehr Grünraum im grauen Kleinbasel. Für ihn bleibt unter dem Strich nur eine Feststellung: «Die herrliche Substanz soll verloren gehen, aufgrund von Profitgier.»

Wenn Bernauer seine Unterschriften zusammenbekommt, wird das Volk entscheiden, was ihm wichtiger ist: Ein neues Wahrzeichen oder drei alteingesessene Beizen.

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