Arbeitgeberverband

Basler Wirtschaft in Baselbieter Hand – «Ich werde auch bereit sein, über die Kantonsgrenzen hinauszudenken»

Landrätin, Parteichefin, baldiger Verbandsboss: Saskia Schenker.

Landrätin, Parteichefin, baldiger Verbandsboss: Saskia Schenker.

FDP-Landrätin Saskia Schenker wird Direktorin des Basler Arbeitgeberverbands.

Die Liste der Baselbieter Politikerinnen und Politiker, die in den regionalen Wirtschaftsverbänden grossen Einfluss haben, wird lang und länger. Die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist Präsidentin der Handelskammer beider Basel, der FDP-Landrat Martin Dätwyler deren Direktor. Demnächst übernimmt die FDP-Landrätin Saskia Schenker den Posten an der Spitze des Basler Arbeitgeberverbands. Sie wird an die Stelle der langjährigen Direktorin Barbara Gutzwiller treten, wie der Verband gestern mitteilte. Die aktuelle Baselbieter FDP-Präsidentin Schenker wird ihren Job beim Krankenversicherungsverband Curafutura aufgeben.

Arbeitgeberverband ist der unsichtbarste Verband

Die Baselbieter Dominanz in den hiesigen Wirtschaftsverbänden dürfte nicht allen Städtern gefallen. Bis vor nicht allzu langer Zeit wäre sie undenkbar gewesen. Werner Oser etwa, Gewerbeverbandsdirektor von 1987 bis 1998, zog in seiner Rolle vom Land in die Stadt. Der frühere Handelskammer-Direktor Paul Wyss wohnte ebenfalls im Baselbiet, bezog aber während seiner Zeit an der Spitze des Wirtschaftsverbands eine Wohnung an der Solothurnerstrasse im Gundeli.

Von einer feindlichen Übernahme der städtischen Wirtschaftsverbände will der frühere Gewerbeverbandschef Christoph Eymann allerdings nichts wissen. Der heutige Basler LDP-Nationalrat sagt, die Städter seien heute offener geworden als früher. «Auch ich persönlich finde es nicht so tragisch, dass die Baselbieter das Sagen haben.» Aber es sei Fingerspitzengefühl gefordert. Man sagt ja: «Nichtspieler: Maulhalten – das könnte man auch hier anwenden.» Man solle sich bewusst sein, dass man hier keine Steuern zahle und dementsprechend bei Themen, welche die Verbände nicht unmittelbar betreffen, Zurückhaltung übe.

Klar ist, dass Zurückhaltung nicht das ist, wofür der Arbeitgeberverband Saskia Schenker eingestellt hat. Ihr neuer Arbeitgeber gilt als derjenige der vier grossen Wirtschaftsverbände in der Region, dem am wenigsten mediale Aufmerksamkeit zuteilwird.

Arbeitgeberverbandspräsident Marc Jaquet sagt, Schenker werde dem Verband ein «neues Gesicht» verleihen, ihre Aufgaben seien vielfältig: «Die Regulierungswut auf Bundesebene ist gross, der muss man begegnen.» Jaquet spricht den jüngst eingeführten Vaterschaftsurlaub an, die Arbeitszeitkontrolle, die Forderung nach Frauenquoten. Dem Vorstand seien viele gute Bewerbungen vorgelegen, aber Schenker sei herausgestochen. Er verweist auf Schenkers Erfahrungen im Verbandswesen. Tatsächlich ist sie im hiesigen Verbandswesen keine Unbekannte. Sechs Jahre arbeitete sie für die Baselbieter Wirtschaftskammer, ehe sie vor knapp drei Jahren zum Krankenkassenverband wechselte. Trotz – oder gerade wegen – der Emanzipation von der Wirtschaftskammer hat sie eine beachtliche Karriere hingelegt. Nicht nur wurde die Itingerin in den Landrat gewählt, auch übernahm sie das kantonale Parteipräsidium des glücklosen Paul Hofer.

Schenker wird noch bis nächsten Frühling bei Curafutura arbeiten. Danach bleibt genügend Zeit, um sich beim Arbeitgeberverband einzuarbeiten. «Meine Einarbeitung findet ab August statt», sagt die 40-Jährige.

Rücktritt? Jaquet will sich nicht äussern

Schenker sagt, sie freue sich auf die neue Herausforderung, der Arbeitgeberverband sei ein «richtiges Bijou» geworden unter der scheidenden Direktorin Barbara Gutzwiller. «Insbesondere innerhalb des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes hat sich die Basler Sektion als starke Stimme etabliert», sagt sie. Schenker sieht die Aufgabe ihres künftigen Arbeitgebers darin, «Dienstleister für die Unternehmen» zu sein. Einen Interessenskonflikt zwischen ihrer Rolle als Baselbieter Landrätin und Chefin eines städtischen Verbands sieht sie nicht. «So wie ich als Landrätin über die Fraktionsgrenzen hinaus politisieren kann, werde ich auch bereit sein, kantonsübergreifend respektive regional zu denken», sagt sie.

Ungewiss ist indes, ob ihr zukünftiger Chef ebenfalls Baselbieter ist. Jaquet, der mittlerweile im Kanton Zug zu Hause ist, hat sein Amt bereits seit zwanzig Jahren inne. «Weitere zwanzig Jahre werde ich nicht machen», sagt er bloss. Die Gerüchte, wonach auch er in nächster Zeit seinen Posten räumen wird, will er aber nicht kommentieren. «Wir kommunizieren zu gegebener Zeit.»

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