Offene Läden
Basler Wirtschaftsdirektor unterstützt Sonntagsverkauf-Idee: «Einen Versuch ist es wert»

Die Idee von Basel Tourismus und Pro Innerstadt, dass inhabergeführte Läden sonntags geöffnet haben sollen, erhält gewichtige Unterstützung. Im bz-Interview sagt Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin, dass dies allemal einen Versuch wert wäre.

Rahel Koerfgen
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«Für die Läden muss es sich am Ende wirtschaftlich rechnen,» sagt der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin.Kenneth nars

«Für die Läden muss es sich am Ende wirtschaftlich rechnen,» sagt der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin.Kenneth nars

Kenneth Nars

Herr Brutschin, Basel Tourismus und Pro Innerstadt sagen, Basel sei am Sonntag verwaist. Als Konsequenz würden Touristen andere Städte, namentlich Luzern, besuchen und ihr Geld dort ausgeben. Teilen sie diese Meinung?

Christoph Brutschin: Die beiden Städte lassen sich nicht miteinander vergleichen. Luzern gehört zu den traditionellen Schweizer Tourismusstandorten, entsprechend sind dort die gesetzlichen Rahmenbedingungen anders. Shopping in Fremdenverkehrszonen ist am Sonntag möglich. Basel gehört nicht zu diesen Zonen.

Stört Sie die sonntägliche Ruhe in der Stadt?

Man kann nicht abstreiten, dass es an den Sonntagen sehr ruhig ist. Ich verstehe, wenn sich Touristen daran stören. Gewisse Anwohner wiederum geniessen die Ruhe. Ob es mich persönlich stört oder nicht, spielt keine Rolle.

Was halten Sie vom neusten Ansatz von Basel Tourismus und Pro Innerstadt, dass inhabergeführte Läden am Sonntag öffnen könnten, also die Besitzer hinter dem Tresen stehen?

Ich finde diesen Ansatz super, die Initianten haben meine persönliche Unterstützung. Einen Versuch ist es definitiv wert. Wann immer etwas getan wird, um die Stadt innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu beleben, bin ich dafür. Und das ist hier der Fall.

Vor zwei Jahren reagierten Sie verärgert, als der damalige Stadtentwickler Thomas Kessler eine ähnliche Idee gehabt hatte. Was genau störte Sie da?

Ich war nicht verärgert – mich störte, dass das bestehende Gesetz ausgehebelt worden und damit an meinen Mitarbeitern hängen geblieben wäre. Kessler wollte ja die Sonntagsöffnung über den Sonderstatus der Verkehrsknotenpunkte erreichen. Meine Bedenken richteten sich nicht gegen das Anliegen an sich, sondern gegen die Tatsache, dass damit gegen das Arbeitsgesetz verstossen worden wäre. Die Initiative von Basel Tourismus und Pro Innerstadt hält sich an das Gesetz: Wenn der Besitzer am Sonntag selber im Laden steht, gibt es keine rechtlichen Probleme. Schon jetzt sind viele kleine Lebensmittelläden in den Quartieren sonntags offen, die von Familien geführt werden.

So gut die Idee auch klingt: Sie steht und fällt mit der Bereitschaft der Ladenbesitzer, am Sonntag zu arbeiten. Diese geben sich skeptisch.

Es ist richtig, dass es eine gewisse Anzahl Geschäfte braucht, damit das Modell funktioniert. Es liegt an Pro Innerstadt, seine Mitglieder davon zu überzeugen; für die Läden muss es sich am Ende wirtschaftlich rechnen. Das habe ich bereits Mathias F. Böhm von Pro Innerstadt gesagt.

Meinen Sie, ein verkaufsoffener Sonntag hätte tatsächlich positive Auswirkungen auf den Tourismus?

Ja, durchaus. Voraussetzung wäre aber, dass auch eine gute Auswahl an Restaurants und Cafés öffnen würde. Im Sinne einer ganzheitlichen Belebung.

Sie sagen, wenn die Besitzer am Sonntag im Geschäft sind, spielt sich dies im gesetzlichen Rahmen ab und dafür braucht es keine spezielle Bewilligung. Was, wenn nun doch plötzlich Angestellte arbeiten müssten?

Das wird nicht vorkommen, denke ich. Vertreter meines Amtes würden sonntags routinemässige Kontrollen durchführen, die auf diese allfällige Verletzung des Arbeitsgesetzes fokussieren würden.