Flucht vor dem Wetter
Basler wollen im Herbst weg – egal wohin, Hauptsache es ist warm

Das schlechte Wetter treibt viele dazu, kurzfristig in den Süden zu flüchten. Aber nicht nur Last-Minute-Angebote sind gefragt, Herbstferien werden generell beliebter.

Céline Feller
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Zum Beispiel Sonne tanken in Las Palmas auf den kanarischen Inseln (Archiv)

Zum Beispiel Sonne tanken in Las Palmas auf den kanarischen Inseln (Archiv)

Keystone

Endlich ist es so weit. Die Nächte werden länger, die Haut brauner, die Haare heller und die kurzen Kleider können aus dem Schrank geholt werden. Es ist Sommer. Auch in der Schweiz? Fehlanzeige! Hierzulande ist der Sommer beinahe inexistent. Es ist kalt, nass und trist. Wer Sonne und Wärme will, muss in den Süden.

Und genau das machen zurzeit mehr Leute denn je, es darf mit einer rekordverdächtigen Nachfrage für die Herbstferien gerechnet werden. «Der Herbst wird voraussichtlich einiges über Vorjahr liegen. Reisebüros und Veranstalter werden von Anfragen und Buchungen im Hinblick auf die Herbstferien förmlich überrollt», so Walter Kunz vom Schweizer Reise-Verband. «Der Ansturm auf Ferien läuft seit den letzten paar Wochen und steigert sich immer mehr. Der Koller wegen des schlechten Wetters ist bei den Leuten anhaltend, und sie wollen sich noch mal einen schönen Herbst gönnen.» Für Peter Schmid von TUI Suisse ist dies nichts Neues: «Das Wetter hat grundsätzlich immer einen Einfluss auf das Reise-Verhalten der Leute.»

Wohin es für die Urlauber gehen soll, ist oft nebensächlich. Kunz: «Den Leuten ist egal, wohin sie reisen. Hauptsache, es hat Sonne, Strand und ist warm.» Prisca Huguenin von Hotelplan kann dennoch ein paar Trends ausmachen: «Die spanischen Inseln, vor allem Mallorca, die griechischen Inseln wie Kreta, Kos oder Rhodos und Zypern sind beliebt. Ausserdem haben wir bei den Kreuzfahrten im östlichen und westlichen Mittelmeer mehr Buchungen als im Vorjahr.»

Die Beliebtheit der europäischen Destinationen ergäbe sich insbesondere daher, dass es in der Zeit der Herbstferien nach wie vor warm sei, und Langstreckenflüge noch nicht nötig seien. «Wir verzeichnen aber auch Langstrecken-Buchungen nach beispielsweise Südafrika oder Südamerika. Diese Buchungen sind aber klassische Herbstferien-Buchungen und nicht solche, die in die Kategorie ‹Hauptsache warm› fallen. Deshalb haben sie auch kaum etwas mit dem momentan schlechten Wetter zu tun», so Huguenin weiter.

Etwas an Attraktivität verloren, besonders wegen der politischen Unruhen, haben die Türkei, das beliebte Winterferien-Ziel Thailand und nach wie vor Nordafrika. «Für Ägypten wurde letztes Jahr eine Reisewarnung ausgesprochen. Das haben die Leute noch im Hinterkopf, deshalb ist es noch nicht ganz auf dem Niveau von früher», erklärt Kunz.

Was die Region Basel angeht, werden Destinationen, die vom Euro-Airport aus erreichbar sind, bevorzugt. Dazu gehören die erwähnten Inseln und auch süditalienische Regionen wie Apulien.

Kaum noch Schnäppchen zu haben

Dass Last-Minute-Reisen beliebt sind, ist längst kein Geheimnis mehr. «Es ist tatsächlich so, dass viele in den letzten Jahren immer kurzfristiger buchen», bestätigt Huguenin. Schnäppchen werden aber gleichzeitig immer seltener, so Kunz: «Die Leute sind erstaunt, wie viele Schnäppchen schon weg sind. Die grosse Nachfrage treibt eben die Preise in die Höhe.»

Immer beliebter werden auch die Herbstferien an sich: «In den letzten zwei bis drei Jahren sind die Herbstferien als Ferienzeit generell beliebter geworden. Der Herbstferien-Anteil ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Grund dafür ist, dass viele Leute heute lieber mehrmals im Jahr, dafür weniger lange Ferien machen.»