Wunschbuch
Basler wünschen sich von der Regierung: Schafft Schandflecken und Gesetze ab!

Die UBS hat ein Buch mit Wünschen von 100 Baslern an die Regierung herausgegeben. Der Tenor: Seid nicht so bürokratisch, bitte.

Martina Rutschmann
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Kreativität und origineller Wunsch verraten: Mathis muss noch ein Kind sein.

Kreativität und origineller Wunsch verraten: Mathis muss noch ein Kind sein.

Zur Verfügung gestellt

Hasenfüsse, die ihren Namen nicht hinschreiben, Leute mit Sauklauen, Hobby-Poeten, Parkplatzfreaks und Verwaltungsgegner. Sie alle sind in einem kleinen, pinkfarbenen Büchlein mit dem hoffnungsvollen Namen «2017 – für eine rosige Zukunft in Basel» vereint.

Um der Regierung die Wünsche von 100 Baslern nachhaltig mit auf den Legislaturweg geben zu können, ging die UBS mal rasch unter die Verleger. Am Neujahrsapéro der Bank hatte Wirtschaftsminister Christoph Brutschin am Dienstag die Ehre, als erster ein Exemplar zu erhalten. Der Basler UBS-Chef Samuel Holzach hat es ihm feierlich überreicht. Die Wünsche betreffen aber längst nicht nur die Wirtschaftspolitik.

Die Innenstadt als Dauerbrenner

Viele zielen auf die Gesamtregierung. «Weniger Bürokratie», steht da etliche Male als Wunsch formuliert – und Erik Julliard vom Tattoo geht noch einen Schritt weiter: «Ich wünsche mir, dass Regierung und Parlament die Flut der teilweise sinnlosen und machthaberisch geprägten Vorschriften und Verbote nicht nur stoppen, (...) sondern dem Bürger mehr Selbstverantwortung (...) gewähren.» In das Eigenverantwortungshorn blasen viele der 100 Leute, die nach dem Zufallsprinzip ausgesucht worden seien, wie Holzach im Editorial schreibt. Auffallend häufig werden auch Wünsche rund um das Thema Innenstadt angebracht. Wieder mehr Leben, heisst es da etwa, aber nicht noch weniger Parkplätze. Manche sehnen sich nach «Autofreundlichkeit».

Fazit: Gegenwart ist schon rosig

Und: So verwandelt diesen «Schandfleck» Freie Strasse doch endlich mal in eine anschauliche Flaniermeile! Die Freie Strasse wird mehrmals erwähnt und immer negativ. Manche Leute gehen weniger ins Detail und hoffen ganz allgemein auf «Mut zu Veränderungen». Welcher Art diese sein sollen, wird nicht klar, womit sie erzielt werden sollen indes schon: mit XMV. Das steht für «xunde Menscheverstand» und scheint in den Kreisen der UBS-Auserwählten zum Wortschatz zu gehören wie bei herkömmlichen Baslern «der, die, das».

Manche Persönlichkeiten aus der Politik – etwa SVP-Grossrat Joël Thüring – dürfen ihr Parteiprogramm abspulen, andere haben einfach ein Smiley mit
den Worten «Glück und Erfolg» garniert. Erfrischend kommt der Wunsch des Buben Mathis daher, der sich eine Rutsch-
bahn vom Wasserturm «obenabe» wünscht. Dieser Wunsch steht symbolisch für das ganze Buch: Basel geht es offenbar schon so gut, dass Wünsche utopisch oder provinziell sein dürfen.