Neu gebaute Wohnungen sind speziell attraktiv für Leute, die schon in Basel leben. So lassen sich Zahlen aus der am Donnerstag präsentierten Wanderungsanalyse 2018 lesen: In die insgesamt 2115 Logis, die zwischen 2013 und 2017 erstellt wurden, zogen zu 73 Prozent schon im Kanton Ansässige, zu 12 Prozent Nordwestschweizer und zu 9 Prozent Ausländer.

Diese Binnenbewegung in die Neubauquartiere habe überrascht, sagte Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung, vor den Medien. Das widerspreche der kolportierten Magnetwirkung grosser Neubauten auf Zuzüger aus dem Ausland. Madeleine Imhof, Leiterin des Statistischen Amtes, sprach von einem "gewissen Informationsvorsprung" der schon Ansässigen.

"Erlenmatt-Effekt"

Ott erkennt einen "Erlenmatt-Effekt": Junge Basler Familien nutzten die Gelegenheit von auf den Markt kommenden Wohnungen. Insgesamt fast ein Viertel der neuen Logis wurden innerhalb des Quartiers vergeben, und über die Hälfte der Erstbezüger sind zwischen 25 und 49 Jahre alt.

Nicht greifbar waren hingegen andere, qualitative Daten wie Wechselgründe. Solche soll die derzeit in Auswertung stehende Bevölkerungsbefragung nachliefern. Zu den Mietpreisen sind laut Imhof erst nicht repräsentative Stichproben greifbar. - Eine der vier kürzlich angenommenen Mieterschutz-Initiativen dürfte das ändern.

8 Prozent jener neuen Wohnungen standen indes beim Stichdatum im März 2018 noch leer. Marina Jans vom Statistischen Amt verwies dazu auf einen grossen Anteil der neu gebauten Logis, der erst 2017 fertig wurde. Gemäss Analysebericht waren zudem die Leerstände bei Alterswohnungen am höchsten, einem eher spezifischen Segment.

Durchmischung klappt

Nach Quartier betrachtet zogen am meisten Leute in die Vorstädte, an den Ring und ins Rosental - in letzterem entstanden am meisten neue Wohnungen, vor allem in der Erlenmatt. Dies gilt nach allgemeinem Wanderungsgewinn, hingegen waren bei den innerkantonalen Umzügen andere Ziele beliebter: St. Alban, Hirzbrunnen und Riehen. Das grösste Minus wurde auf dem Bruderholz, in Kleinhüningen und Bettingenregistriert.

Laut Ott hat sich der so genannte "Segregationsindex" in den letzten Jahren laufend verbessert: Dieser besagt, dass sich die Bevölkerung nach Nationalitäten immer besser durchmischt - auch dank den Neubauarealen. Neubauten helfen auch per Kaskadenwirkung: Ziehen Ansässige in neue Logis, werden deren alte Logis frei für Zuzüger.

Die teils deutliche Annahme der Mieterschutz-Initiativen erklärte sich Ott mit Ängsten in der Bevölkerung, aus bezahlbaren Wohnungen verdrängt zu werden und keine mehr zu finden. Die Regierung habe eine "Auslegeordnung" bestellt, die sie im Kontakt mit Ämtern mehrerer Departemente und allen involvierten Kreisen zusammentrage.

Politische Weichenstellung

Ott mochte keine Idealvorstellungen oder Genossenschafts-Quoten nach dem Urnengang formulieren, sondern betonte das Primat der Politik: Jetzt seien nicht Rechtsfragen, sondern politische Fragen zu klären, darunter jene nach Objekt- und Subjekthilfe oder nach handhabbaren Kriterien für die Umsetzung. Damit sei die Regierung am Zug.

Schon nur die Umsetzung der Initiative "Recht auf Wohnen" erfordere auf jeden Fall zusätzliche Wohnungen, wie in Transformationsarealen bereits geplant. 2010-2015 lag Basel-Stadt punkto neu erstelle Wohnungen landesweit absolut an 19. Stelle, relativ pro Kantonsfläche aber mit Abstand an der Spitze.

Die Gesamtbevölkerung im Stadtkanton wuchs in den letzten zehn Jahren stetig. Auch 2017 setzte sich dabei die Zuwanderung aus dem Ausland fort. Die Bevölkerung legte unter dem Strich um 578 Personen zu, dies bei 13'763 Zuzügen und 13'158 Wegzügen. Mit rund einem Viertel aller Ausland-Zuzüger lag Deutschland weit vor allem anderen.