Jeder, der schon einmal im Zirkus war, kennt das Prozedere: Die erste Nummer ist fertig, Applaus, die nächste folgt. Laut David Sieger, künstlerischer Leiter des Zirkus Chnopf, zeigt die Tendenz aber deutlich weg von der traditionellen Zirkusvorstellung: «Der ‹Nümmerlizirkus› zieht bei den Leuten einfach nicht mehr.» Nun hält der «Neue Zirkus» Einzug – auch in Basel. Dieses Wochenende führt der Zirkus Chnopf am Dreispitz drei Shows auf.

Ein neues Konzept ist der «Neue Zirkus» – der ursprünglich aus Frankreich stammt – aber nicht: «Eigentlich machen wir das schon seit 29 Jahren», sagt Sieger. Der «Neue Zirkus» kehrt sich ab von den einzelnen Szenen und setzt auf eine zusammenhängende Geschichte, die einem roten Faden folgt. Ein weiteres Merkmale ist die bunte Durchmischung verschiedenster Kunstarten: Der Zirkus Chnopf vereint Tanz, Theater, Artistik und Musik in einer einzigen Vorstellung. Das Motto der diesjährigen Tournee lautet «Optimum». Die Chnopf-Crew will wie jedes Jahr ein gesellschaftsrelevantes Thema aufgreifen, das vor allem auch einen Bezug zur Aktualität aufweist. Die auf der Bühne erzählte Geschichte befasst sich mit dem Balanceakt zwischen gesunder Persönlichkeitsentwicklung und krankhaft übertriebenem Drang zur Selbstoptimierung: «Ich denke, es ist natürlich, dass sich der Mensch optimieren will.

Heutzutage wird dies aber immer mehr ins Absurde getrieben. Gerade der aktuell herrschende Schönheits- und Fitnesswahn geht mir dabei zum Beispiel durch den Kopf», so Produktionsleiter Sieger. Trotz gesellschaftskritischem Tiefgang wird das Programm witzig gestaltet: Kinder, die den kritischen Wink vielleicht noch nicht deuten können, sollen auch auf ihre Kosten kommen.

«Wie ein Schullager» fühle sich eine Tournee an

Die rund dreieinhalbmonatigen Tourneen sind kein Zuckerschlecken: Man sei halt immer sehr nahe beisammen und habe nur einen Tag frei pro Woche. Kaum ist der Auftritt fertig, müsse man auch schon wieder zusammenräumen und zum nächsten Auftrittsort reisen, um dort von neuem mit dem Aufbau zu beginnen. Somit sei auch klar, dass man nach der Tour total fertig sei und erst mal ein bisschen Ferien brauche, sagt Sieger.

Insbesondere die Nachwuchsförderung hat sich der Zirkus Chnopf auf seine Fahne geschrieben: Jedes Jahr werden mithilfe eines Castings drei bis vier Jugendliche aufgenommen, die zusammen mit sechs professionellen Darstellern das Programm einüben. Die Schulpflichtigen darunter werden an eineinhalb Tagen pro Woche von einem Privatlehrer unterrichtet. So soll auch die Zukunft abgesichert werden, denn die heutigen Zeiten sind für Zirkusse nicht einfach: «Die Standplätze werden teurer und die Preise für die Bewilligungen steigen», so Sieger. Trotz jährlicher Zuschauerrekorde sei es immer wieder ein Kunststück, das Budget einzuhalten.

Fixe Eintrittspreise seien aber trotzdem kein Thema. Wie bisher hält der Zirkus Chnopf an den Hutsammlungen fest. Wie Sieger sagt, laute die Philosophie: «Alle Leute sollen uns zuschauen können, unabhängig davon, wie sie finanziell situiert sind.» Zwar gebe es jeweils einen Preisvorschlag – bezahlen könne schlussendlich aber jeder so viel, wie er möchte.