Seit Anfang Jahr greifen die Basler Zollbeamten bei den Importeuren von Renn- und Zuchtpferden durch. Die Importeure müssen bei der Einfuhr exakt belegen können, wie viel sie für ihre Tiere ausgegeben haben. Der Kaufpreis ist massgebend für die Mehrwertsteuerabgabe. Es geht um viel Geld, wenn man bedenkt, dass bis zu sechsstellige Summen für die stärksten Pferde hingeblättert werden.

Die Pferdeimporteure sind auf dem falschen Fuss erwischt worden: In der Szene werden die meisten Deals per Handschlag abgeschlossen. Kaufverträge gibt es häufig nicht. Bis zum Jahreswechsel haben sich die Grenzwächter nicht sonderlich um die Herkunft der Tiere gekümmert. Nun haben sie die Praxis geändert.

Sämtliche Tiere werden auf ihren Wert untersucht. Gemäss mehreren Pferdeimporteuren hätten die Zöllner mittels «amateurhafter» Google-Recherche versucht herauszufinden, wie der aktuelle Wert einzelner Renn- und Zuchtpferde sei, um darauf Einfuhrzölle zu verlangen.

Während die Pferdeimporteure bis Ende des vergangenen Jahres an der Basler Grenze durchgewinkt wurden, müssen sie nun bis zu sechs Stunden warten.

Beat Hodler, Präsident des Verbands schweizerischer Pferdeimporteure, ist aufgebracht. «Für den Transport gibt es strenge Auflagen des Tierschutzes. Aber wie soll man diese einhalten, wenn man am Zoll mehrere Stunden warten muss.» Den überforderten Zollbeamten fehle das Know-how, um das Geschäft schnell abzuwickeln.

Hodler kennt unzählige Beispiele. Eine Kollegin habe beispielsweise jüngst in Deutschland ein achtjähriges Traberross gekauft. Die Recherche der Zollbeamten ergab, dass dieses Pferd einst 15'000 Franken bei einem Rennen gewonnen hatte. Sie veranschlagten das Pferd auf 14'000 Franken – obwohl es seine beste Zeit längst hinter sich hatte. «Es ist nicht wie eine Ware, bei der sich der Wert genau definieren lässt. Er kann sich von Tag zu Tag ändern», sagt Hodler.

Andreas Keusch von der Zollkreisdirektion Basel hält dagegen: Die Wartezeiten hätten sich aufgrund eines modernen Abfertigungssystem verkürzt. «Dies bedingt allerdings, dass die Einfuhr- und Begleitpapiere der Pferde und deren Transportmittel in Ordnung sind.» Über das angeblich fehlende Know-how sagt Keusch lediglich: Die Google-Recherche stünde den Zollbeamten zur Verfügung.