Drei Zünfte stehen für den Wandel, der selbst in diesem konservativen Teilbereich der Basler Gesellschaft Einzug hält: die Zunft zu Schneidern, die Zunft zu Gartnern und die Akademische Zunft. Sie alle nehmen Frauen auf. Die Akademische Zunft beschloss die Öffnung vor zehn Jahren. «Ohne Not, einfach so. Wir hatten damals keine Bewerbung einer Frau», sagt Zunftmeister Thomas Bachmann. Die Erfahrungen seien durchweg positiv, die Männer hätten sich durch die Anwesenheit der Frauen nicht eingeengt gefühlt.

Was nun aber von der politischen Linken als wegweisender Entscheid im Hinblick auf die Gleichberechtigung gefeiert wird, stösst bei den Zunftmeistern auf Ablehnung.

Bemerkenswerterweise stehen auch die fortschrittlichen Zünfte zu Schneidern und zu Gartnern sowie die Akademische Zunft dem Auftrag des SP-Bürgergemeinderats Jan Goepfert skeptisch gegenüber. Dieser forderte mit Erfolg, dass der Bürgerrat «prüft und berichtet, bis wann die Gleichstellung von Frau und Mann in der Zunftordnung, der Vorstadtordnung, der Ordnung für die drei Ehrengesellschaften und der Korporationsordnung verwirklicht werden kann».

Nicht nur Bierseligkeit

Bachmann sagt: «Sobald ein Zwang dahinter steht, ist das ungünstig. Dann stellt sich die Frage, ob das mit einer Quote verbunden ist.» Heikel sei es, wenn Zünfte Rituale, die sie als wichtig befinden, abändern müssten, weil der Aufnahmezwang von Frauen besteht. «Ich weiss nicht, wie das bei anderen Zünften ist, aber womöglich gibt es da Aufnahmerituale, bei denen sie besonders viel trinken müssen.»

Seit 2008 sitzen Frauen in der Zunft zu Gartnern; mittlerweile sind es zwölf. Zunftmeister Stephan Gassmann sagt, er habe nur gute Erfahrungen gemacht. «Oft heisst es, in den Zünften würde nur rumgesoffen und wüste Witze erzählt, aber das stimmt nicht. Die Frauen beleben unsere Diskussionen.» Doch auch er sagt: «Mit Zwang erreicht man die Gleichberechtigung nicht, da schadet man den Frauen eher noch.» Denn es stelle sich schon die Frage, ob den Frauen dann in den Zünften überhaupt noch wohl sei.

Auch Edith Zogg hält vom Entscheid des Bürgergemeinderats wenig. Sie gilt als Pionierin, wurde 2013 als erste Frau überhaupt in den Vorstand einer Basler Zunft gewählt. Seither amtet sie als «Zeugherr» bei der Zunft zu Schneidern. Sie hatte einen harzigen Start in der Männerdomäne, musste um Anerkennung ringen. «Gewisse Männer haben mich bei den Treffen schlicht ignoriert», erinnert sie sich an die Anfangszeit. Mittlerweile sei sie aber von allen Zunftmeistern akzeptiert. Dass in der Zunftordnung der Zwang verankert werden soll, Frauen aufzunehmen, findet sie trotz ihrer eigenen guten Erfahrungen nicht sinnvoll.
Das müsse aber jede Zunft selber entscheiden, sagt sie. An einer erzwungenen Aufnahme hätten die Zunftschwestern kaum Freude, ist Zogg zur Überzeugung gelangt.

Uneinig sind sich die Beteiligten, ob die gesetzlich bedingte Gleichstellung in der Realität viel ändern wird. Raoul Furlano, Meister der Zunft zum Goldenen Stern und in seiner Rolle als LDP-Bürgergemeinderat Gegner des SP-Ansinnens, sagt am Tag nach der Debatte: «Ändern wird sich in meinen Augen nichts. Künftig werden ohnehin mehr Frauen in Zünfte aufgenommen.

Das ist nur eine Frage der Zeit.» Furlano selber aber habe in seinen 15 Jahren als Meister keine Bewerbung einer Frau gehabt. Er gibt zu, dass er es im Moment geniesse, in der Zunft unter Männern zu sein. «Das hat nichts mit Zoterei oder Bierseligkeit zu tun, sondern es geht einzig und allein um das Zusammengehörigkeitsgefühl unter Männern.» Generell will er sich Frauen aber nicht verschliessen. «Wenn mein Nachfolger die Zunft öffnen will, dann habe ich damit keine Probleme, wenn die Zunftversammlung dies wünscht.» Er aber sei zufrieden, so wie es ist.