Gastfreundschaft

Baslerin bietet Jugendlichen ein Lager im eigenen Wohnzimmer: «Für Taizé tue ich alles»

Noch ist Irene Walthers Wohnzimmer leer. Das wird sich demnächst ändern.

Noch ist Irene Walthers Wohnzimmer leer. Das wird sich demnächst ändern.

Am Taizé-Jugendtreffen in Basel werden bis zu 20'000 Menschen erwartet. Eine Gastgeberin spricht vor dem grossen Treffen über ihre Vorfreude – und wovor sie Bammel hat.

Irene Walther wird während des Jugendtreffens Taizé vier Jugendliche in ihrer Wohnung aufnehmen. Dort wohnt sie mit ihrem Mann Matthias. Sie freut sich, obwohl es eng wird: «Ich stelle mir vor, dass es ein bisschen wie ein Zeltlager wird. Einfach gemütlicher. Und wärmer.»
Vor der Wohnung steht ihr Fahrrad. Ein Taizé-Plakat, das darauf aufmerksam macht, dass noch «dringend» Gastfamilien gesucht werden, ziert den Gepäckträger. «Jetzt muss ich mein Fahrrad nur noch vor dem Migros stehen lassen und hoffen, dass es nicht geklaut wird.» Hoffentlich würden sich dann noch genug Familien melden, um die restlichen 1500 Schlafplätze zu decken.

Velotour nach Taizé

Offensichtlich ist die 33-jährige Sozialpädagogin Feuer und Flamme für die Veranstaltung. Auf die Anfrage für ein Interview antwortet sie: «Für Taizé tue ich alles.» Für einen religiösen Lebensweg hat sie sich selbst entschieden. Zwar wuchs sie in einem christlichen Elternhaus auf, ihre Eltern waren jedoch nicht streng. Deshalb konnte sie auch Matthias heiraten, der im Gegensatz zu ihr katholisch ist. Auch er brennt für das Jugendtreffen. Beide sind in der Basler Matthäuskirche im «Mitenand» engagiert. Die Kirche stellt sich für Taizé als Gastgemeinde zur Verfügung. Walther ist bereits gespannt, ihre Gäste kennenzulernen. Sie freut sich, andere Ansichten zu sehen und Menschen aus anderen Ländern zu treffen. Ihr Motto: Teilen macht reicher. Es könne ja gut sein, dass sie Freunde finde. Diese könnten sich dann revanchieren, indem sie ihr einen Besuch in ihrem Land anbieten.

Vor drei Jahren machte das Ehepaar Walther eine Velotour nach Taizé – und war überrascht. Hinter dem kleinen Dörfchen steht eine riesige Gemeinde. Das sehe man auf den ersten Blick gar nicht. Die Gebetssäle seien zwar nicht unbedingt schön, eher so wie grosse kahle Turnhallen. Die Stimmung habe sie aber umgehauen: «Viele junge Leute aus der ganzen Welt kommen in das kleine Dorf in Frankreich, um zusammen zu singen und zu beten.» Das wünscht sie sich auch fürs Jugendtreffen in Basel: «Ich hoffe, die Leute freuen sich, wenn sie im Tram sehen wie die Jugendlichen zusammen singen und Spass haben.» Logistisch sieht sie keine grossen Probleme. Bis jetzt habe jedes Jugendtreffen gut und ohne grosse Zwischenfälle funktioniert.

Enges Bad sorgt für Stress

Ihre Gäste werden im Büro und im Projektzimmer schlafen. Zu zweit auf den Matten, die sie selber mitbringen. Wenn Irene Walther ein grösseres Bad hätte, hätte sie noch viele weitere Christen aufgenommen. Sie hat auch schon die Nachbarn gefragt, ob diese ihr Bad zur Verfügung stellen könnte. Sie lehnten aber ab. «Ich mache mir schon Gedanken wegen des Bades. Wir müssen uns einfach die Zeiten einteilen.» Sie wolle ja nicht morgens um vier Uhr aufstehen, um duschen zu gehen, sagt sie lachend. Auch wegen des Essens macht sie sich Gedanken. Jeden Morgen bekommen die Besucher ein Frühstück, am Neujahrstag nehmen alle zusammen ein Mittagessen ein. Walther hat bereits eine Idee fürs Menü: Gschwellti mit Käse und Salat. Klassisch schweizerisch.

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