Basel
Baslerin gibt den Querschnittgelähmten Hoffnung

Die Basler Fachärztin Regula Spreyermann erhält den Ludwig-Guttmann-Preis für ihre intensive Arbeit mit Querschnittgelähmten. Dieser wird für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Rehabilitation Querschnittgelähmter verliehen.

Muriel Mercier
Drucken
Teilen
Regula Spreyermann betreibt Nachsorge anhand ihres selber ausgearbeiteten Fragebogens. Zvg/Ariane Zeuggin

Regula Spreyermann betreibt Nachsorge anhand ihres selber ausgearbeiteten Fragebogens. Zvg/Ariane Zeuggin

bz Basellandschaftliche Zeitung

Auf den Ärztinnen und Ärzten, die im Rehab, dem Zentrum für Querschnittgelähmte und Hirnverletzte, arbeiten, lastet eine schwierige Aufgabe. Zusammen mit einem Behandlungsteam stehen sie den Betroffenen bei, motivieren sie zum Weiterleben und helfen, wieder in den Alltag zurückzufinden.

Regula Spreyermann, Fachärztin für Innere Medizin in der Rehab Basel, hat sich dieser Aufgabe angenommen – und macht dies mit grosser Hingabe. «Natürlich ist es belastend, jeden Tag mit den traurigen Schicksalen konfrontiert zu werden. Aber ich sehe es auch als grosse Herausforderung, Menschen in dieser schwierigen Situation beizustehen. Und es ist befriedigend, miterleben zu dürfen, wenn es den Patienten Schritt um Schritt besser geht.» Spreyermanns Ziel ist es, jeden Tag den Patienten die bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben und diese so lange als möglich zu erhalten. «Dafür ist die Vor- und Nachsorge querschnittgelähmter Patienten wichtig», erklärt die 55-Jährige.

Neues Konzept für die Nachsorge

Im 2004 begann Spreyermann zusammenzutragen – zusammen mit Kollegen aus den beiden Querschnitt-Zentren Nottwil und Balgrist –, worauf der Arzt bei Jahreskontrollen von Querschnittgelähmten achten muss, um Verschlechterungen des körperlichen Zustandes schnell zu erkennen. Dann wurde die elektronische Erfassung und Abbildung des Gesundheitszustandes erarbeitet.

Seit drei Jahren arbeiten die Ärztinnen und Ärzte des Ambulatoriums im Rehab unter der Leitung der Fachärztin mit dieser «Checkliste» – und in diesem Jahr wurde Spreyermann mit ihrer Gruppe für ihr Werk mit dem Ludwig-Guttmann-Preis ausgezeichnet. Dieser wird für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Rehabilitation Querschnittgelähmter verliehen.

Was kompliziert klingt, ist in Spreyermanns Worten dennoch relativ einfach zu verstehen. Vor sieben Jahren trommelte sie eine siebenköpfige Arbeitsgruppe aus den deutschsprachigen Querschnitt-Zentren zusammen. Die Spezialisten arbeiteten aus, welche Nachsorge für Querschnittgelähmte unabdingbar ist. Das Team studierte die wissenschaftliche Literatur, sammelte die eigenen Erfahrungen und stellte am Ende 180 Kategorien als Fragen an Patienten und deren behandelte Ärzte zusammen. Die Idee: «Mit der Auswertung der Antworten der Betroffenen sowie Ärzten können die wichtigsten Aspekte eines Querschnittgelähmten erfasst werden.»

Höhere Lebenserwartung

Anders gesagt: Facharzt, Physio- und Ergotherapeuten sowie Urologen sehen auf einen Blick, wo der Patient Probleme hat und können gezielt reagieren. Berücksichtigt werden unter anderem Körperfunktionen, Aktivität, soziale Kontakte oder – falls möglich – das Arbeitsumfeld. «Wenn man all diese Aspekte bei jeder Jahreskontrolle durchgeht, können Komplikationen verhindert und der körperliche Zustand so lange wie möglich erhalten werden.»

Spreyermann weiss, dass ihr System für die Patienten wertvoll ist. «Die Reaktionen sind überzeugend. Da wir mit den Patienten die Untersuchungsbefunde besprechen und die Ziele ausarbeiten, entsteht mehr Motivation, diese zu erreichen.» Aufgrund einer guten Rehabilitation und der lebenslangen Nachsorge von Menschen mit Querschnittlähmung ist die Lebenserwartung heute viel höher als früher, sagt Spreyermann. «Früher sind Querschnittgelähmte nach etwa einem Jahr gestorben. Heute haben sie beinahe dieselbe Lebenserwartung wie Menschen ohne Behinderung.»

Dass Spreyermann und ihr Team aus den Schweizerischen Querschnitt-Zentren den diesjährigen Ludwig-Guttmann-Preis gewonnen haben, befriedigt sie. «Es freut mich vor allem, dass das Thema Nachsorge als wichtig anerkannt und honoriert wird», kommentiert sie die Verleihung. «Denn in diesem Bereich kann noch viel verbessert werden.»

Aktuelle Nachrichten