Tag der Frau
Baslerinnen dürfen seit 50 Jahren an die Urne

In Bezug auf die Gleichberechtigung ist der 8. März ein besonderes Datum für Basel. Vor einem halben Jahrhundert wurde das Frauenstimmrecht angenommen. Dies ist jedoch nicht das einzige Jubiläum an diesem Tag.

Tobias Müller
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Der Verein «1966 – 2016: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton Basel-Stadt» will mit historischen Abstimmungsplakaten auf das damalige Frauenbild aufmerksam machen . ZVG

Der Verein «1966 – 2016: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton Basel-Stadt» will mit historischen Abstimmungsplakaten auf das damalige Frauenbild aufmerksam machen . ZVG

Eigentlich ist es ja ein Freudentag für alle Frauen dieser Welt, in der Schweiz und vor allem im Kanton Basel-Stadt, dieser 8. März 2016. Nicht nur, dass an diesem Datum der Tag der Frau und damit die Gleichberechtigung der Geschlechter gefeiert wird. Nein, dieser 8. März ist auch der Tag des 100-Jahr-Jubiläums des Vereins «frauenrechte beider Basel» (frbb) – und noch wichtiger: Basel-Stadt feiert ab heute und in den kommenden Wochen das 50-jährige Bestehen des kantonalen Frauenstimmrechts. Vor einem halben Jahrhundert war es Basel-Stadt, das als erster Deutschschweizer Kanton das «Ja» für die demokratische Gleichberechtigung von Mann und Frau gab. Zuvor war der Vorschlag viermal an der Urne gescheitert. 1966 aber wurde der Vorschlag von der männlichen Basler Bevölkerung angenommen. Fünf Jahre später wurde dieser Entscheid auch auf eidgenössischer Ebene getroffen.

Provokative Werbung

Sibylle von Heydebrand, Präsidentin des Vereins «1966 – 2016: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton Basel-Stadt» ist sich der Brisanz dieses 8. März bewusst. Natürlich ist sie das. Schliesslich ist sie Vorsitzende dieses Vereins, der in den kommenden dreieinhalb Monaten in Basel das Frauenstimmrecht und dessen Bedeutung zelebriert. In über 60 Veranstaltungen, organisiert und gesponsert von rund 30 Institutionen, und einer Tagung an der Universität, soll die Thematik der Geschlechterungleichheit beleuchtet werden. Podiumsdiskussionen, Workshops und etliche Vorträge von Expertinnen und Experten werden in den nächsten Wochen angeboten. Es soll sich zeigen, dass dieses Jubiläum tatsächlich gefeiert werden darf. Aber auch, dass es nach wie vor Baustellen in der unterschiedlichen Geschlechterbehandlung gibt.

Den Auftakt zu diesen Veranstaltungen macht heute die Lancierung einer Plakatkampagne. «Wir haben uns dabei für vier historische Abstimmungsplakate entschieden, die im 20. Jahrhundert für und gegen die Einführung des Frauenstimmrechts aufgehängt wurden. Dahinter steckt die Absicht, einerseits provokativ auf das Jubiläum aufmerksam zu machen. Andererseits soll der Öffentlichkeit gezeigt werden, dass Frauen vor gar nicht allzu langer Zeit noch keine politischen Mitbestimmungsrechte hatten und somit aus den meisten öffentlichen Bereichen des Lebens ausgeschlossen waren», erklärt Andrea Maihofer, Leiterin des Zentrums für Gender Studies an der Universität Basel. Am 24. Juni soll als Abschluss der Kampagne, zum Jahrestag der Abstimmungs-Annahme des Frauenstimmrechts im Kanton Basel-Stadt, ein Jubiläumsfest in der Basler Markthalle stattfinden. Alle Veranstaltungen sind für interessierte Hörerinnen und Hörer frei zugänglich. Neben dem geschichtlichen Aspekt der Thematik soll in den Veranstaltungen aber auch die jetzige Situation der Geschlechter gezeigt werden.

Offene Baustellen

Es soll vor allem dargelegt werden, dass es auch heute noch Unterschiede in der Behandlung der Geschlechter gibt. Von «nach wie vor einigen Baustellen» redet der Vorstand des Vereins «1966 – 2016: 50 Jahre Frauenstimmrecht». Und das seien gar nicht so wenige, wie Sibylle von Heydebrand erklärt: «Eigentlich könnten sich Frauen glücklich schätzen. Wir dürfen ja seit 50 Jahren wählen, sind also sozusagen gleichberechtigt. Das heisst aber nicht, dass wir schon alles erreicht haben», sagt sie. «In der Politik sind Frauen nach wie vor untervertreten, in der Arbeitswelt gibt es immer noch diskriminierende Lohnunterschiede. Und auch im Zivilleben gibt es nach wie vor Situationen, in denen Frauen benachteiligt behandelt werden.»

Bereits ab heute werden etliche Plakate in der Basler Innenstadt dafür sorgen, dass die Bevölkerung täglich an diese Ungleichheit erinnert wird.