Brockenhäuser

Baslerinnen und Basler haben ausgemistet: Leere Keller und überfüllte Brockis

Das Brocki auf dem Wolf kann kaum noch Artikel annehmen.

Das Brocki auf dem Wolf kann kaum noch Artikel annehmen.

Während des Lockdowns haben die Baslerinnen und Basler ausgemistet. Die Waren stapeln sich nun in den Brockenstuben.

Ein riesiger Kleiderhaufen, überquellende Kisten und Regale. Das Heilsarmeebrocki am Erasmusplatz «Brockino» ist überlastet. «Kleider-Annahme-Stop im Juni» steht gross in einem Post auf Instagram. «Als Folge der Coronakrise fehlen uns zurzeit die Möglichkeiten, all diese Kleider, Schuhe und Taschen zu verarbeiten» steht unter dem Foto.

Die Zeit während des Lockdowns haben viele Baslerinnen und Basler dazu genutzt, zu Hause auszumisten. Während der letzten Wochen war das bereits in den Quartieren zu sehen. Auf den Trottoirs standen Möbel und Kleiderkisten. Jeweils mit einem handgeschriebenen «Gratis»-Zettel versehen. Jetzt, da die Läden wieder geöffnet haben, verlagern sich die Berge an aussortierten Gegenständen in die Brockis. Das «Brockino» fordert seine Kundschaft dazu auf, die Waren in eine Kleidersammelstation oder in die grosse Heilsarmeebrocki am Dreispitz zu bringen. Auch dort stellen die Mitarbeitenden eine Zunahme der abgegebenen Artikel um 20 bis 30 Prozent fest. Ein Annahmestop wird dort aber nicht verhängt.

Kein Export wegen geschlossener Grenzen

Anders sieht es beim Brocki auf dem Wolf aus. «Bei uns wird ungefähr 50 Prozent mehr Ware abgegeben. Hauptsächlich Haushaltsartikel wie Gläser, Geschirr und kleine Möbel. Das können wir unmöglich alles annehmen», sagt die Geschäftsleiterin Sabine Reusser. Die Brockenstube erhält ihre Waren grösstenteils von Räumungen. Die Waren, die vorbeigebracht werden, sind nur ein kleiner Zusatz, der zurzeit allerdings den Rahmen sprengt.

Wohin also mit all den Dingen, die in den letzten Wochen aus den Kellern und Dachböden geräumt wurden? «Wir müssen vielen Leuten schon am Telefon erklären, dass wir nichts mehr annehmen können. Manche sind enttäuscht. Sie sagen, ihre Sachen seien doch noch schön und verstehen nicht, dass wir nicht genügend Platz für alles haben», sagt Reusser. Zu den vermehrten Abgaben kommt beim Brocki auf dem Wolf nämlich ein zweites Problem: Normalerweise wird ein Teil der Gebrauchtware nach Rumänien verschickt. Da die Grenzen zu Rumänien zurzeit noch geschlossen sind, werden die Lager immer voller.

Sommerpause und Besucherbeschränkungen

Abhilfe schaffen könnten die Basler Flohmis. Wer selber verkauft, kann damit sogar noch ein paar Franken dazu verdienen. Um einen Stand zu bekommen, muss man zurzeit allerdings schnell sein. Auf dem Petersplatz werden momentan nur 50 Plätze vergeben. Die Besucherzahl ist auf 350 Personen beschränkt und der Zugang ist nur über drei speziell markierte Eingänge möglich. Die Flohmärkte in der Markthalle fallen zurzeit sogar ganz aus. Das allerdings nicht aufgrund der Coronakrise, sondern wegen der Sommerpause. «Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Flohmärkte im Juli und August nicht besonders gut besucht werden und uns deshalb entschieden, in diesen Monaten eine Pause einzulegen.», sagt Christophe Schneider, Programmverantwortlicher der Markthalle.

Ganz auf die Flohmistimmung verzichten müssen die Markthallenbesucher aber nicht, zumindest nicht die kleinen. In den kommenden Wochen wird es jeweils samstags einen Kinderflohmi hinter der Markthalle geben. Und im August finden schon die Quartierflohmärkte statt. Dann werden einmal mehr ausrangierte Artikel auf den Trottoirs liegen, allerdings ohne «Gratis»-Zettel.

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