Wie gefällt Ihnen Basel, das sie bereits im Frühling kennen gelernt haben?

Bastian Baker: Ich war bereits als Support-Act von «77 Bombay Street» in der Kaserne und habe im Volkshaus gespielt. Das Konzert auf dem Floss letzten Sommer war einer der besten Auftritte, die ich jemals hatte. Ich habe zwar ein wenig gezögert, weil ich dachte, es ist ein grosses Risiko, wenn das Publikum so weit entfernt ist, aber das Publikum hat gefeiert, wir haben Lieder gespielt, die wir eigentlich noch unter Verschluss halten wollten. Und Roger Federer kommt aus Basel.

Wo fühlen Sie sich in Städten wohl?

Am Wasser. Ich bin am Genfer See aufgewachsen. Es bringt etwas Frisches und Natürliches in die Stadt. Ich war die letzten zwei Monate in Paris und bin viel gelaufen, weil ich die Seine gesucht habe. Aber ich wurde nicht fündig (lacht).

Warum haben Sie Baker (Bäcker) als Künstlernachnamen gewählt?

Mein bürgerlicher Nachname ist Kaltenbacher. Ich dachte, er ist zu lang für auf das Albumcover. Die Endung weglassen hätte an den Käse erinnert, deswegen habe ich die englische Aussprache des zweiten Namensteils genommen. Es ist zudem catchy, wenn man auf einer Party jemanden trifft, einen Produzenten zum Beispiel. Ich kann sagen: «Hey, I'm Bastian Baker.» Du bleibst besser in Erinnerung. Ich wollte keinen Künstlernamen, da ich privat und als Künstler dieselbe Person bin.

Kann man sich als öffentliche Person gleich verhalten wie im Privatleben?

Ja, kann man. Ich bin ein einfacher Typ, meine Familie und meine Kollegen sind mir wichtig. Ich bin keine Lady Gaga, ich will keine Kunstfigur sein. Bastian Baker bin ich, voll und ganz. Ich will keine Maske tragen.

Sie nennen Queen und REM als frühere Referenzen, ebenso Coldplay und Muse. Wird sich das früher oder später auf die Musik auswirken?

Ja klar, das sind für mich einige der besten Bands der Welt. Ich spiele halt Gitarre und singe, deswegen habe ich auch viel James Blunt gehört oder Jason Mraz. Ich hoffe, man hört diesen Einfluss dem zweiten Album an.

Haben Sie andere Vorbilder?

Ich bin kein Mensch, der andere Menschen übermässig bewundert. Roger Federer ist in sportlicher Hinsicht ein Vorbild. Ich finde besonders Personen, die im sozialen Bereich arbeiten, inspirierend. Mein Bassist zum Beispiel arbeitet mit behinderten Kindern, das finde ich sehr beeindruckend.

Sie sind 21 Jahre alt. Wie planen Sie ihre Zukunft?

Ich glaube, dass du im Musicbuisness heute nichts planen kannst. Es läuft nicht so, dass ich sage: «Am 25. Januar schreibe ich einen Hit.» Du musst dich darauf einlassen. Und aufmerksam bleiben. 2012 war ein unglaubliches Jahr, das Album und die Konzerte führten von einem zum nächsten.

Wie wichtig ist Image? Und wie sehr passt das Bild des perfekten Schwiegersohns zu Ihnen?

(Lacht) Image ist ein Teil meines Jobs. Aber ich habe lange Eishockey gespielt, da gibt es kein Eincremen, man ist schliesslich kein Weichei. Mein Aussehen ist mir nicht so wichtig.

Sie wurden auf «Youtube» als Beispiel für Vielfalt der Schweizer Musikszene genannt. Werden Sie dem gerecht?

Die Resonanz auf «Youtube» ist riesig. Ich mag aber das Genre oder Schubladendenken nicht. Den Begriff Pop habe ich nicht für mich gepachtet und ich glaube nicht, dass ich den perfekten Popsong schreibe. Du kannst in jedem Genre positive Inputs finden.

Wie sieht es mit Ihrem Privatleben aus? Das Ende Ihrer letzten Beziehung wurde in der Öffentlichkeit stark thematisiert.

Es ist ein Spiel. Ich gebe den Medien genug - aber nicht zu viel. Meine Familie und Kollegen halte ich aus den Medien raus.

Sie haben im Sommer mit Stress und Noah Veraguth von «Pegasus» ein Album aufgenommen. Wie kam es dazu?

Es war super. Im Sommer bist du oft an Festivals, am Wochenende, aber unter der Woche hast du Zeit. Und Stress hat mich eingeladen, ich bin mit ihm und Noah seit eineinhalb Jahren befreundet. Und Stress lädt uns ein in diesem riesigen Haus, für Party und Barbecue und um ohne Druck Musik zu machen. Niemand wusste davon, weder unsere Plattenfirmen noch sonst wer. Wir haben in der Küche aufgenommen, es war super. Und irgendwann sass ich mit Stress abends da und hab gemeint, wir haben so viele Lieder, was machen wir jetzt damit? Alles stand unter dem Zeichen Freiheit. Und wir hatten alle keine gute Zeit, Stress hatte gerade die Scheidung, wir haben viel geredet und waren füreinander da. Es war ein Sommer unter Freunden.

Der Titel der Kollaboration ist «Noël‘s Room», nach dem Sohn von Melanie Winniger, der Ex-Frau von Stress. Befremdet sie das nicht?

Ich verbinde mit dem Titel eigentlich wirklich nur das Aufnahmezimmer. Ich kenne Noël, er ist super, aber für uns ist es einfach eine Metapher für die Zeit, die wir hatten.

Sollte es mit der Musik eines Tages nicht mehr funktionieren, gehen Sie zurück in den Sport?

Eher springe ich in den Rhein (lacht). Im Moment ist meine Leidenschaft die Musik, aber ich habe auch andere Dinge im Kopf. Auch die Schauspielerei finde ich faszinierend.