Festival
Bastian Baker lässt niemanden im Regen stehen

Die Acts des diesjährigen Summerstage Festivals hielten, was sie versprechen. Und anders als am ersten Abend verschonte der Himmel das Publikum vor seiner nassen Fracht – meistens.

Alain Heckel
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Relaxen und Musik hören im Park im Grünen.
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Auch Mittanzen war erlaubt.
Die grüne Wiese lud zum Geniessen ein.
Bastian Baker heizte seinen Fans ein.
Mädchenliebling Bastian Baker bestreitet das Vorprogramm für Nena.
Das Wetter meint es gut mit den Fans.
Beim Auftritt des 23-jährigen Lausanners und seinen fünf Mitmusikern nehmen vor allem junge Frauen die ersten Reihen vor der Bühne in Beschlag.
Summerstage Festival mit Bastian Baker und Nena
Nena trat am Samstagabend auf.
Sie lieferte mit ihrer Band eine gute Show auf der Bühne im Park im Grünen.
Nena brachte viele Mitsing-Lieder mit.
Noch blieben die Besucher vom Regen verschont.
Den Fans gefiel's.
Auch die Kleinen freuen sich über das Konzert.

Relaxen und Musik hören im Park im Grünen.

Roland Schmid

Es ist bereits nach 19 Uhr, als am Freitagabend immer noch zahlreiche Menschen in den Münchensteiner Park im Grünen strömen – eine Stunde nach Türöffnung und eine halbe nach Beginn des ersten Konzerts. Viele von ihnen haben sich wohl erst nach mehrmaligen Blicken in Richtung Himmel zum Konzertbesuch am zweiten Tag des diesjährigen Summerstage-Festivals entschlossen. Nur wer in Gummistiefeln auftaucht, hat sein Ticket wohl schon im Vorverkauf bezogen.

Im Gegensatz zum Vorabend, als Stephan Eicher und Philipp Fankhauser bei Dauerregen im Einsatz waren, bleibt es bei Deep Purple trocken. Das freut natürlich das Publikum, das altersmässig breit gefächert ist. Von den ergrauten Hardrockern der ersten Stunde bis zu den Teenagern, die wenige Wochen nach dem Besuch des Greenfield-Festivals immer noch Lust auf härtere Gitarrenmusik haben, scheinen alle Teile der Gesellschaft ihre Vertreter auf der «Grün 80» zu haben.

Vor dem Hauptact gehört die Bühne den Dandy Warhols. Das Quartett aus Portland (Oregon) ist seit 20 Jahren aktiv und vertraut auf eine Mischung aus Garagenrock und psychedelischen Exkursen. Viele der Stücke klingen, als ob sie im Rausch entstanden wären und tragen Namen wie «Horse Pills», «You Were The Last High» oder «Not If You Were The Last Junkie On Earth». Es verwundert nicht, dass im Publikum dazu die ersten Kräuterzigaretten angezündet und herumgereicht werden.

Ian Gillan und der Apostroph

Weil die Band um Mastermind Courtney Taylor-Taylor ihre Inspiration vornehmlich aus den späten 60er- und frühen 70er-Jahren nimmt, also jener Zeit, in der Deep Purple ihre künstlerisch und kommerziell beste Phase hatten, schafft sie es mit einem gelungenen Auftritt, die Zuschauer auf «Betriebstemperatur» zu bringen.

Bei der Hauptattraktion des Abends ist dann alles eine Spur grösser, das beweist allein die Tatsache, dass die fünf Musiker zu den Klängen von Gustav Holsts «Die Planeten» die Bühne betreten – passend zum lila Scheinwerferlicht. Danach rocken sich Deep Purple durch ihre Geschichte, die, mit Pausen, fast ein halbes Jahrhundert umfasst.

Dass jeder Musiker auf seinem Instrument zu den besten der Branche gehört, bekommen die Konzertbesucher zur Genüge zu hören. Auch Sänger Ian Gillan profitiert von den vielen Soli, um sich hinter der Bühne auffällig häufig von den Strapazen zu erholen. Dennoch sorgt der 68-Jährige für den Spruch des Abends, als er kurz die Sonnenbrille abnimmt und jenen Teil des Publikums erblickt, der den Gig auf dem Hügel verfolgt. «Ich kann ehrlich behaupten, dass ich noch nie in meiner Karriere ein Konzert vor einem Apostroph gegeben habe», sagt der Engländer und bezeichnet die Zuschauer fortan als Apostrophe.

Je später der Abend, um so grösser die Hits. Zwar lassen Deep Purple einige Klassiker weg, doch nach «Smoke On The Water», «Hush» und «Black Night», bei dem alle das Riff aus voller Kehle mitgrölen, lassen die Rocklegenden lauter glückliche Apostrophe zurück.

Herzen aus Händen

Am Tag darauf ist die Demografie des Publikums dann eine andere: Es sind viel mehr Frauen als am Freitag da. Was einigt sich besser für einen Mädelsabend als ein Nena-Konzert? Vor allem, wenn Mädchenliebling Bastian Baker das Vorprogramm bestreitet. Beim Auftritt des 23-jährigen Lausanners und seinen fünf Mitmusikern nehmen vor allem junge Frauen die ersten Reihen vor der Bühne in Beschlag, halten Liebeserklärungen hoch und formen Herzen mit ihren Händen.

Deutlich mehr Mitsing-Material hat Nena in ihrem Repertoire. «Nur geträumt», «Leuchtturm» und «99 Luftballons» sorgten am diesjährigen Summerstage für einen gelungen Abschluss.