Nur noch gut einen Monat ehe das Stimmvolk über die Fusion des Basler Universitätsspitals (USB) mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) zum Unispital Nordwest abstimmt. Der Urnengang gilt als einer der wichtigsten der Region in diesem Jahrtausend. «Clarunis ist für mich wichtiger als die Spitalfusion», sagt dagegen Peter Eichenberger zur «Schweiz am Wochenende». Der Direktor des Claraspitals ist in einer speziellen Situation: Eigentlich müsste sich das Clara als grösstes Mitglied der Vereinigung der Basler Privatspitäler gegen das Unispital Nordwest wehren. Doch Eichenberger schweigt schon seit Monaten. Und nicht nur das: Am Freitag sass er in der Schaffneistube des Museums Kleines Klingental mit USB-Direktor Werner Kübler an einem Tisch und feierte den Start eines anderen Prestigeprojekts. Am kommenden Montag nimmt Clarunis, das neue universitäre Bauchzentrum von USB und Claraspital, den Betrieb auf.

Eichenberger ist also in der Zwickmühle. Äusserte er vor rund zwei Jahren noch öffentlich Kritik, heisst es nun bloss: «Wir verhalten uns in der Fusionsfrage neutral.» Dass dies den anderen Privatspitälern nicht gefallen kann, liegt auf der Hand. «Sie akzeptieren es», sagt der Clara-Direktor diplomatisch. Er kann auch gar nicht anders, als sich zurückzuhalten. Zu wichtig ist die Public Private Partnership, also die Kooperation eines öffentlichen mit einem privaten Player.

USB erreicht Fallzahlen nur knapp

Ohne Clarunis habe die hochspezialisierte Medizin (HSM) in der Viszeralchirurgie (Bauch), der Gastroenterologie (Magen-Darm) und der Hepatologie (Leber) in der Nordwestschweiz kaum eine Zukunft, gaben sich Kübler und Eichenberger an der Pressekonferenz überzeugt. Noch erreiche man die für einen nationalen HSM-Leistungsauftrag erforderlichen Mindestfallzahlen – das Claraspital «sehr gut», das USB «teils sehr knapp», wie Kübler zugibt. Heute sind dies bei Entfernungen der Bauchspeicheldrüse, der Leber, der Speiseröhre und des Enddarms sowie komplexen Eingriffen bei Übergewichtigen zwölf Fälle pro Jahr. «Die Frage ist aber, ob wir auch noch dabei sind, wenn die Mindestfallzahlen verdoppelt oder vervierfacht werden», sagt Kübler, wohlwissend, dass eine Erhöhung in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich ist.

Durch das gemeinsame Bauchzentrum aber, das jährlich 9000 stationäre Patienten und rund 350 HSM-Fälle behandeln wird, «rücken wir bei den Fallzahlen im nationalen Vergleich vom Rand ins Zentrum», sagt Eichenberger. Konkret presche Clarunis in die Top Drei vor und geselle sich zum Zürcher Uni- und dem Berner Inselspital.

Bloss: Auch diese Grösse gibt nicht abschliessend Sicherheit, vergleicht man sie international. «Die Nordwestschweiz ist einfach zu klein für drei Kliniken, die sich im Bauchbereich konkurrenzieren», sagt Markus von Flüe. Bisher beim Claraspital angestellt, ist er der neue Clarunis-Chefarzt für Viszeralchirurgie. Zudem hält er eine von drei Professuren, die Clarunis innehat. Für ihn ist klar: «Wir brauchen Baselland. Wir sind auf das KSBL und dessen Fallzahlen angewiesen.» Tatsächlich sei das KSBL in Sachen HSM keineswegs eine vernachlässigbare Grösse. Bei Entfernungen der Leber und des Enddarms (tiefes Rektum) erreicht auch der Standort Liestal die Mindestfallzahlen.

KSBL bringt sich in Stellung

Und hier kommt die Spitalfusion ins Spiel, auch wenn Kübler und Eichenberger betonten, dass Clarunis unabhängig vom Fusionsprojekt funktioniert. Stimmen beide Basel am 10. Februar Ja, so stösst das KSBL als Teil des Unispitals Nordwest automatisch zu Clarunis hinzu. Bei einem Nein wird es schwieriger. Kübler: «Wir müssten die von USB und Claraspital gegründete einfache Gesellschaft anpassen, damit das KSBL als dritter Eigner dazustossen könnte.» Es sei letztlich auch eine politische Frage, ob dies nach einem Nein zur Spitalfusion gewollt ist.

Für das KSBL wäre ein abschlägiger Entscheid fatal. Denn sollten die Mindestfallzahlen wie erwartet in ein paar Jahren signifikant erhöht werden, würde das Kantonsspital alleinstehend die prestigeträchtigen HSM-Leistungsaufträge fast sicher verlieren. Dementsprechend positioniert man sich: «Wir freuen uns sehr über das Votum von Herrn Professor von Flüe zur Wichtigkeit der Viszeralchirurgie am KSBL», schreibt Sprecherin Anita Kuoni auf Anfrage. Und ganz unbescheiden: «Dieser Bereich des KSBL ist sowohl für Clarunis als auch in der bereits vorgezogenen Kooperation mit dem USB eine relevante Grösse.»