Landhof
Baudirektor Hans-Peter Wessels erteilt Fussballfans eine Absage

Mit der Unterstützung des FCB setzen sich Fussballfans mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen für den Erhalt der Sportanlage Landhof ein. Im aufwendigen Mitwirkungsprozess hingegen haben sie sich nur am Rand eingebracht. Das stösst auf Kritik.

Andreas Maurer
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Politik im Stadion: Der FCB hat im Abstimmungskampf (Foto vom 7.2.2010) zur Landhofinitiative eine entscheidende Rolle gespielt.Lukas Lauber / Joggeli.ch

Politik im Stadion: Der FCB hat im Abstimmungskampf (Foto vom 7.2.2010) zur Landhofinitiative eine entscheidende Rolle gespielt.Lukas Lauber / Joggeli.ch

Der Abstimmungskampf wurde auf dem Fussballplatz entschieden. Den Anfang machte die Muttenzer Kurve im Februar 2010: Mit Transparenten setzten sich FCB-Fans für die Initiative «Der Landhof bleibt grün» ein. Kurz darauf wagte auch die Klubleitung einen Abstecher auf das politische Parkett und bekundete öffentlich ihre Sympathie für das Anliegen. Die von den Grünen lancierte Initiative schaffte mit dieser ungewöhnlichen Allianz den Durchbruch. Mit 60 Prozent Ja-Stimmen wurden die Pläne für eine Wohnüberbauung versenkt. Der Kleinbasler Landhof blieb grün.

Weg frei für Erholungspark

Die Fussballfans manövrierten sich mit ihrer erfolgreichen Aktion in eine schwierige Situation: Sie sassen plötzlich mit grünen Politikern, Anwohnern und Senioren-Vertretern am Verhandlungstisch. Verbündete wurden sie, weil sie denselben Gegner hatten. Nachdem dieser gemeinsam zu Fall gebracht worden war, verflogen die Gemeinsamkeiten. Mit dem Ja zur Initiative wurde das Areal des alten FCB-Stadions neben der Messe zur Grünzone und der Weg frei für eine Umgestaltung zum Erholungspark.

Mitwirkungsprozess als «mühsam» empfunden

Die Fussballvertreter hatten ein anderes Ziel vor Augen: Sie wollten in erster Linie die historische Sportanlage erhalten. Um in der emotionalen Diskussion eine breit abgestützte Lösung zu finden, hat das Basler Baudepartement einen aufwendigen Mitwirkungsprozess organisiert. Rund zehn Sitzungen wurden abgehalten. Für Roland Paolucci war das zu viel. Der Präsident des Fussballverbands Nordwestschweiz nahm an den letzten Sitzungen nicht mehr teil. «Ich empfand den Mitwirkungsprozess als mühsam. Wir sind keinen Schritt weitergekommen», sagt er zum «Sonntag». Der in der internationalen Transportlogistik tätige Sportfunktionär ist sich straffere Sitzungen gewohnt.

Indem sich Paolucci aus diesem basisdemokratischen Prozess ausgeklinkt hatte, verpasste er etwas Wesentliches: Aufbauend auf den Mitwirkungsprozess hat das Baudepartement einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Landhofs ausgeschrieben. Die Eingabefrist endet am 1. März. Das habe er nicht gewusst, sagt Paolucci.

In Basel regiert Rot-Blau

Mehr Energie investiert er in die «Vision Landhof», die vergangene Woche öffentlichkeitswirksam von Fussballfans lancierte wurde. Die vier Forderungen: Erhalten werden sollen ein Rasen mit Fifa-Norm, die Stehrampe, Umkleidekabinen und die Tribüne. Der Verein hat potente Mitstreiter gefunden: FCB-Präsident Bernhard Heusler, sein Vize Adrian Knup und viele weitere Prominente wie Karli Odermatt haben ihre ideelle Unterstützung zugesichert. Dazu gehört auch der bis 1975 aktive Verteidiger Paolucci. «Wenn der FCB etwas wünscht, ist in der Stadt am Schluss niemand dagegen», sagt er. Der Mitwirkungsprozess würde nicht die entscheidenden Impulse geben, meint der heutige Präsident des Fussballverbands. Getreu dem Motto: In Basel regiert Rot-Blau.

Irritiert kommentiert Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) die Aktion aus seinen Skiferien: «Diese Gruppierung meldet sich zu einem späten Zeitpunkt zu Wort.» Bisher hätten sich die Fussballvertreter nur am Rande eingebracht, ergänzt Stadtgärtnerei-Chef Emanuel Trueb. Die Parteinahme des FCB überrascht ihn: «Ich frage mich, welches Interesse der Fussballclub jetzt an einer Sportstätte hat, nachdem er sie dem Kanton zurückgegeben hat.» Wessels hat vor, mit dem allmächtigen Fussballclub Kontakt aufzunehmen. Auf dem Landhof solle die Erinnerung an die Fussballgeschichte lebendig bleiben: «Auf welche Weise dies geschehen wird, muss – sobald das Resultat des Wettbewerbs vorliegt – sowieso mit dem FCB besprochen werden.»

«Für den Trainings- und Turnierbetrieb sind einzelne isolierte Fussballplätze wenig sinnvoll.»

Das Siegerprojekt, das noch vor den Sommerferien vorgestellt werden solle, bestimme erst das Konzept. Die Einzelheiten würden danach überarbeitet und verfeinert. Der geforderten Fifa-Norm erteilt Wessels aber schon jetzt eine Absage: «Für den Trainings- und Turnierbetrieb sind einzelne isolierte Fussballplätze wenig sinnvoll.»

Die Mobilisierung der FCB-Anhänger dürfte dennoch Wirkung zeigen. Die Jurysitzungen des Wettbewerbs werden erstmals in Basel öffentlich abgehalten. Paolucci ist überzeugt, dass der Druck von Rot-Blau die Jurysitzungen beeinflusst: «Es ist wie bei der Abstimmung: Trumpf war die Stellungnahme des FCB im letzten Moment.» Leicht besorgt verfolgt Trueb die Intervention: «Das Problem des Landhofs war, dass Einzelinteressen im Vordergrund standen. Mit dem Mitwirkungsprozess haben wir diese Interessen zusammenzuführen versucht. Es wäre schade, wenn die Diskussion jetzt wieder erneut von Einzelinteressen dominiert werden würde.»