Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit war es letztlich ein deutlicher Entscheid, den die ausserordentliche Generalversammlung der Baugenossenschaft Nord-West am späten Dienstagabend fällte. Die Genossenschafter sagten Nein zum Verkauf der Arbeiterhäuser am Tellplatz im Gundeli an die Zürcher Immobilienfirma Swiss Finance & Property Investment AG (SFPI) und machten damit vor allem den Schweizer Bundesbahnen (SBB) einen Strich durch die Rechnung.

Den SBB gehört das 3200 Quadratmeter grosse Grundstück, auf dem die acht Häuser stehen. Die Häuser aus dem 19. Jahrhundert sind stark renovationsbedürftig. Die Kosten dafür kann die Baugenossenschaft Nord-West als Verwalterin, bei der das Baurecht liegt, nicht tragen. Der Plan der SBB war es daher, das Land gemeinsam mit dem Baurecht an die SFPI zu verkaufen.
Gegenüber dem «Sonntag» machte ein SBB-Sprecher keinen Hehl daraus, dass bei diesem Entscheid «die Höhe des Preises für das Paket von Gebäude und Land» entscheidend gewesen sei. Schon vor einigen Wochen hatten verschiedene Wohn- und Baugenossenschaften in der bz reklamiert, die SBB wollten die Arbeiterhäuser «angesichts der heutigen Goldgräberstimmung» an den Meistbietenden verkaufen. Egal, ob es sich dabei um ein börsenorientiertes Unternehmen handle und damit die günstige Wohnfläche im Gundeli verloren ginge.

SBB haben Vorkaufsrecht

Jetzt ist es doch anders gekommen. Zur Freude nicht nur vieler Genossenschafter, sondern auch von SP-Grossrat Jörg Vitelli, Präsident Genossenschaft für Wohnen und Arbeiten (Gewona). Die Gewona hatte sich schon im Frühling um die Häuser bemüht. Ihr Kaufangebot lehnten die SBB ab. In Hinblick auf die ausserordentliche GV machte die Gewona noch einmal ein Angebot. «Das Nein gegen die SFPI ist kein Ja zur Gewona», betont Vitelli zwar. Aber: «Es ist ein erster Etappensieg. Die Chancen der Gewona sind intakt.»

Den SBB bleibt die Möglichkeit, das ihnen zustehende Vorkaufsrecht an den Häusern zu nutzen und das Paket aus Land und Gebäude selber an eine Immobilienfirma zu verkaufen. Vitelli hofft allerdings, dass die SBB «ihren Fantasiepreis» für das Grundstück anpassen und somit der Gewona die Übernahme ermöglichen. Geht es nach dem Plan der Gewona, kann der Verkauf bereits auf Ende Jahr abgewickelt werden.

Die SBB prüfen derzeit das weitere Vorgehen. «Der Entscheid wird in den nächsten Wochen fallen», sagt Sprecherin Lea Meyer. «Wenn wir verkaufen, dann sinnvollerweise nur Boden und Gebäude zusammen.» Das Gesamtpaket müsse stimmen. «Darauf sind die SBB angewiesen, weil auch wir wirtschaftlich arbeiten müssen», erklärt Meyer.