Baustelle Grenzacherstrasse

Baulärm, Verkehr und Schattenwurf: Roche-Pläne verunsichern Anwohner

Für die Bewohner des Quartiers ist der Bau 1 weniger ein schöner Turm, als eine belastende Baustelle.

Für die Bewohner des Quartiers ist der Bau 1 weniger ein schöner Turm, als eine belastende Baustelle.

Noch mehr Schatten, noch mehr Verkehr, noch mehr im Quartier parkierende Handwerker und noch mehr Baulärm – die Anwohner äusserten ihre Sorgen am Informationsanlass der Roche.

Am Mittwochmorgen hat Roche die Medien über ein drei Milliarden Franken schweres Investitionsprogramm am Hauptsitz an der Grenzacherstrasse informiert. Bereits am Mittwochabend waren die Quartierbewohner zu Information und Austausch eingeladen. Trotz der Kurzfristigkeit der Einladung waren rund 250 Anwohner der Einladung in den Bau 21 an der Grenzacherstrasse gefolgt und hörten gebannt den Erläuterungen von Jürg Erismann, Standortleiter Roche Basel/Kaiseraugst, und Udo Bäckert, Leiter Technik am lokalen Standort, zu.

Die beiden Roche-Manager präsentierten Bau für Bau die geplanten Arbeiten, umschrieben deren Sinn für das Pharmaunternehmen, den zeitlichen Ablauf und die möglichen Folgen für das Areal. Die beiden liessen nichts unversucht, die Pläne als positiv für das Quartier darzustellen. «Wir schauen überall, wie wir etwas Gutes für das Quartier tun können», betonte Udo Bäckert. «Am Ende haben wir ein substanziell aufgewertetes Quartier. Wir sind gerne hier zu Hause und wollen gerne hierbleiben – wir hoffen auf Ihre Unterstützung.»

S-Bahn oder Tram für die Roche

Während der Support seitens der lokalen Politik sehr gross ist, kam von den Anwohnern zunächst viel mehr Kritik als Lob. Ein Anwohner der Schwarzwaldallee streckte seinen Arm zu Beginn der Fragerunde rasant in die Höhe und legte los. «Wir können in die Euphorie und Lobeshymnen der Politik nicht einstimmen. Die Belastung für die Anwohner ist einfach riesig!». Man habe gedacht, nach dem ersten Roche-Turm habe man eine längere Zeit Ruhe. «Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der Verkehr im Quartier zunehmen wird.» Er fragte die beiden Roche-Vertreter, ob sie sich dessen bewusst seien, dass die Belastung der Anwohner die zumutbare Grenze erreicht, ja schon überschritten habe. Zudem forderte der Mann eine S-Bahn-Haltestelle bei der Roche, um den Individualverkehr zu minimieren.

«Wir sind uns über die Belastung der Anwohner bewusst», antworte Jürg Erismann. «Wir versuchten bereits mit einem speziellen Baukonzept beim Bau 1, diese Belastung möglichst tief zu halten.» Zum Thema mögliche S-Bahn-Haltestelle sei man in Kontakt mit den Behörden. «Jede Verbesserung des öffentlichen Verkehrs bringt auch eine Verbesserung unseres Mobilitätskonzepts.» Es könne der Roche nichts Besseres passieren, als wenn diese S-Bahn-Haltestelle komme, meinte Udo Bäckert. «Schon das Tram durch die Grenzacherstrasse wäre eine Erleichterung.» Das Tram sei aber erst eine Konzeptidee, hiess es aus dem Baudepartement.

Mehrere Anwohner beschwerten sich über den zu hohen Baulärm, über Bauzeiten, die teilweise nicht eingehalten würden und vor allem über Handwerker, die ihre Fahrzeuge in den Quartieren parkierten. «Das mit den Handwerkern ist uns bekannt», gab Udo Bäckert zu und präsentierte gleich einen eventuellen Lösungsansatz: «Wir planen für die Handwerker einen Parkplatz in Birsfelden, von wo wir sie per Shuttle-Bus zur Baustelle fahren.» Mehr Kontrollen versprach Jürg Erismann. «Ich verstehe die angespannte Situation. Wir müssen mit den Behörden und der Regierung nach Lösungen suchen.» Die Anwohner zeigten sich auch über noch mehr Lastwagen im Quartier besorgt.

Zwei Anwohner fragten nach dem Schattenwurf des zweiten Roche-Turms. Es gäbe ja die zwei Stunden Schattenregel. «Ist es theoretisch möglich, dass man zuerst zwei Stunden Schatten des Bau 1 hat, dann kurz Sonne und dann wieder zwei Stunden Schatten von Bau 2?», wollte eine Frau aus der Schwarzwaldallee wissen. Die Roche-Verantwortlichen versprachen wie vor dem ersten Turm individuelle Schattenberechnungen für die Anwohner.

Ganz generell versprach Jürg Erismann, die Kommunikation mit den Anwohnern zu intensivieren. «Wir denken über eine Kontaktstelle für spezifische Fragen nach, die dann individuell beantwortet werden.» Nach knapp zwei Stunden intensiver Debatte schritten viele der Anwesenden zum Apéro. Dort gingen die Diskussionen munter weiter.

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