Für eine Überbauung mit 18 Eigentumswohnungen werden auf dem Bruderholz 16 geschützte Bäume gefällt. Wie die «Tageswoche» berichtet, sorgt das Bauvorhaben für Unmut bei der Anwohnerschaft rund um die Parzelle am Oberen Batterieweg 56.

Der 92-jährige Heinrich Gohl, der seit mehr als dreissig Jahren im Quartier wohnt und begeisterter Naturfotograf ist, wehrt sich vergebens gegen das Bauvorhaben. Seine Einsprache gegen die Überbauung wurde abgeschmettert. Nun hofft er, mit dem Vater des Projektleiters Patrick Dreyfus einen Kompromiss auszuhandeln, damit statt der drei geplanten nur noch zwei Blöcke gebaut werden.

Ein Unterfangen, das wenig Aussicht auf Erfolg haben dürfte. «Es handelt sich um eine eingezonte Fläche mit Baubewilligung. In dieser enthalten ist die Fällbewilligung», erklärt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei. «Natürlich gibt es zwangsläufig einen Konflikt», so Trueb. «Die Leute wollen zusätzlichen Wohnraum, Landeigentümer wollen ihre Grundstücke bebauen können, aber auch den alten Baumbestand beibehalten.»

Mieterverband für Baumschutz

Die Natur soll denn auch nicht komplett vom Grundstück verschwinden. Da es sich um geschützte Bäume handelt, werden an passender Stelle neue gepflanzt. Bis diese so gross sind wie die bisherigen, dauert es allerdings Jahrzehnte.

Eine Tatsache, die auch dem Präsidenten des Mieterverbandes und Basta-Grossrat Beat Leuthardt sauer aufstösst. «Ein Baum kann doch nicht einfach ausgetauscht werden», ist er überzeugt. Ausserdem sei mit der Annahme der Wohnschutzinitiative im Juni neu ein Paragraf in der Kantonsverfassung, der die bestehenden Wohn- und Lebensverhältnisse gewährleisten soll.

Obwohl ein entsprechendes Gesetz erst noch ausgearbeitet werden muss, sieht Leuthardt bereits jetzt schon Handlungsbedarf. Er ist überzeugt: Die Weisungen an die Stadtgärtnerei sollten bereits jetzt schon entsprechend angepasst werden, damit nicht noch mehr Bäume abgeholzt werden.

Wenig Aussicht auf Erfolg

Eine derartige Neuweisung hat es laut Trueb nicht gegeben. Er verweist auf die Zuständigkeit des Bauinspektorats. Dieses war für die bz leider nicht erreichbar. Passt das Bauinspektorat seine Weisungen nicht an, überlegt sich Leuthardt, vor Gericht zu ziehen und sich auf den neuen Paragrafen in der Verfassung zu berufen. Doch der Jurist weiss: «Der Text in der Verfassung kann auch anders ausgelegt werden.»

Gohl scheint sich derweil bereits mit seinem Schicksal abgefunden zu haben. «Die Bäume werden wohl gefällt», sagt er resigniert. Ganz aufgeben will er aber nicht. «Im schlimmsten Fall werde ich mich für eine Verschärfung des Baumgesetzes einsetzen», kündigt er an.

Leuthardt sieht noch eine weitere Option: «Die Anwohner könnten eine provisorische Verfügung gegen das Bauvorhaben verlangen», erklärt er. Doch auch da sei das Auskommen unklar. Und vor allem berge das weitere Vorgehen ein finanzielles Risiko.
Das weiss auch Gohl: «Finanziell ist es gefährlich, mich jetzt noch gegen das Bauvorhaben zu stellen. Ich könnte mich der Bauverzögerung schuldig machen.»