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Baupfusch am Bahnhofsplatz: Kaum fertig gestellt, muss der Meret Oppenheim-Platz repariert werden

Ein Unterschied, der kaum erkennbar ist: ein wasserdurchlässiger Bodenbelag nun mit Bindemittel.

Beim Meret Oppenheim-Platz stehen erneut Absperrungen: Der Belag musste teilweise ersetzt werden.

Die Bauschranken waren erst gerade abgebaut, als vor Monatsfrist die Stadt Basel zusammen mit den SBB feierlich den Brunnen samt Skulptur auf dem Meret Oppenheim-Platz eingeweiht haben. Doch: Kurz darauf waren die Sitzbänke wieder abgeschraubt und abtransportiert. Nun zieren weiss-rote Baulatten den weiten grauen Platz, der von der aufgeblasenen, gold-glänzenden «Spirale» der Basler Künstlerin überwacht wird, die dem Platz ihren Namen gab.

Nachfragen zeigen: Die Planideen der Landschafts-Architekten Westpol waren nicht in gewünschter Form handwerklich umgesetzt worden. Im hinteren Teil, um die Bäume herum, sollte ein Belag eingebaut werden, der zwar wasserdurchlässig, aber dennoch stabil ist.

Westpol-Architekt Peter Eichler sagt: «Geplant war, dass in das Gemisch von Sand und Kies ein natürliches Bindemittel eingebaut wird.» Ohne diesen Stabilisator bestehe die Gefahr, dass es zu «unschönen Ausschwemmungen» kommen könne und sich das Material löse.

Das Risiko war ein reales, da der Belag ohne Bindemittel eingebaut wurde. Eichler sagt: «Wir gehen davon aus, dass der Baumeister aus Kostengründen auf das Bindemittel verzichtet hat.»

Diese Darstellung weist die Baufirma zurück. Nicht eine Sparmassnahme, sondern ein Fehler sei die Ursache, sagt Reto Tozzo, Geschäftsführer des gleichnamigen Baugeschäfts: «Das Material wurde durch uns falsch bestellt.» Es handle sich jedoch um eine relativ kleine Menge von zehn Kubikmetern, die ausgewechselt werden musste. Dies sei nach der Einweihung und auf Kosten der Baufirma bereits geschehen.

So viel ehrliche Offenheit entspricht nicht der offiziellen Sprachregelung der Grundeigentümerin. So erklärt die Medienabteilung der SBB auf Anfrage die Bauarbeiten mit der nicht völlig falschen Aussage: «Der Belag zwischen den Bäumen war noch nicht definitiv und wird nun ausgetauscht.»

Dass weiterhin Bauabschrankungen stehen, hat allerdings nichts damit zu tun, dass weitere Arbeiten stattfinden, sondern mit der Empfehlung des Baustoffherstellers, den Belag erst nach Austrocknung freizugeben. Je nach Jahreszeit betrage die Frist zwischen drei und fünfzehn niederschlagsfreie Tage, bis die Grundfestigkeit erreicht sei, sagt Architekt Eicher. Die SBB gehen davon aus, dass die Bänke Mitte Juli wieder montiert sind und die Anlage dann wieder freigegeben werden kann.

Für den öffentlichen Raum sind die SBB zuständig

Die Basler Verwaltung sitzt bei den öffentlichen Bemühungen um eine attraktive Stadtgestaltung auf der Zuschauerbank. Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei sagt, zuständig seien alleine die SBB. Allerdings habe die Stadtgärtnerei von den SBB den Auftrag erhalten, die Bäume zu pflegen. Und hier könne er sagen: «Die Bäume sind soweit okay.»

Die lapidare Episode haben nicht nur die Bäume schadensfrei überstanden. Sie richtet nun vor allem die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit endlich dem eigentlichen Platz. Diese war bisher absorbiert vom «Kontrapunkt» zwischen dem «Grauen Elefanten» (dem Hochhaus) und der polierten, surrealen Skulptur, wie die NZZ das Ensemble beschrieben hat.

Erfüllt sich die Intention der Landschaftsarchitekten, sollte nun gesehen werden, wie der öffentliche Raum zwischen der Güterstrasse und dem Gleisfeld ins «Fliessen» kommt.

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