Bauprojekt
Einsprachen verschärfen die Kindergarten-Not in Riehen

Anwohner wehren sich gegen das Neubauprojekt für den Kindergarten am Siegwaldweg. Dabei brauchen die Gemeinden Riehen und Bettingen dringend neue Räumlichkeiten für den Nachwuchs.

Tobias Gfeller
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Eigentlich hätten die Bauarbeiten längt beginnen sollen. Nun wehren sich aber auch Anwohner gegen den geplanten Kindergarten in Riehen.

Eigentlich hätten die Bauarbeiten längt beginnen sollen. Nun wehren sich aber auch Anwohner gegen den geplanten Kindergarten in Riehen.

Symbolbild: Matthias Jurt

Die Kinderzahlen in Riehen und Bettingen steigen seit Jahren an, die Gemeinden kommen fast nicht nach, dem Wachstum genügend Schulraum entgegenzustellen. Im vergangenen Januar berichtete diese Zeitung von Engpässen in den Kindergärten. Nun verschärft sich die Situation zusätzlich, weil sich der Neubau des Kindergartens am Siegwaldweg aufgrund von Einsprachen verzögert. Anwohner wehren sich gegen eine ihrer Meinung nach zu dominante Mauer.

Bereits 2018 nach Bekanntwerden des Siegerprojekts aus dem Architekturwettbewerb für den neuen Doppelkindergarten lancierten Anwohner eine Petition, die rund 200 Personen unterschrieben haben. Die Einsprachen führten bereits zu einer Verzögerung von über einem Jahr. Die Bauarbeiten hätten eigentlich im Sommer 2020 beginnen sollen.

Möglicher Ausbau zum Dreifach-Kindsgi

Der Neubau des Doppelkindergartens sei dringend notwendig, betont die zuständige Gemeinderätin Silvia Schweizer (FDP). Der bestehende Doppelkindergarten am Standort sei stark sanierungsbedürftig und das Platzangebot entspreche nicht mehr den heutigen gesetzlichen Raumstandards für Kindergärten. Die Architektur des Doppelkindergartens wird durch das knappe Raumangebot auf der gemeindeeigenen Parzelle am Siegwaldweg erschwert.

Die Vorgabe an die Architekten war zudem, dass der Doppelkindergarten bei Bedarf zu einem Dreifachkindergarten erweitert werden kann. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass dies aufgrund der aktuellen Raumknappheit bei Kindergärten gleich von Beginn weg so sein müsste. Silvia Schweizer will dies aber nicht bestätigen. Geplant sei vorerst ein Doppelkindergarten mit Mehrzweckraum.

Noch muss Riehen improvisieren

Die Gemeinderätin gibt aber zu, dass die Situation in Riehen «angespannt» ist.

«Bei den Kindergärten planen wir aktuell praktisch von der Hand in den Mund.»

Man sei stets daran, zu improvisieren, um den nötigen Raumbedarf zur Verfügung zu stellen. Unter anderem werden auf das neue Schuljahr hin das Haus der CVJM im Kornfeldquartier und die ehemalige Spielgruppe «Spatzennestli» im Niederholzquartier in einen Kindergarten umgewandelt.

Gericht soll Fall prioritär behandeln

Das wird wohl langfristig nicht reichen. «Wir brauchen den neuen Kindergarten am Siegwaldweg unbedingt», stellt Silvia Schweizer unmissverständlich klar. Sie hofft nun auf das Appellationsgericht, dass dieses die hängigen Einsprachen, welche die Vorinstanzen bereits mehrfach abgewiesen haben, schnell behandelt. Angesetzt ist die Beratung erst für den kommenden Herbst. Schweizer:

«Es geht um Schulraum. So etwas muss für das Gericht Priorität haben.»

Riehen bezahlt aktuell den Preis dafür, dass es bei jungen Familien wieder beliebt ist, im Gegensatz zu den Jahrzehnten zuvor, als Riehen als «Altersheim der Schweiz» bekannt war.