Zugunfall
Baustelle Bahnhof SBB: Nach ICE-Entgleisung werden jetzt in Basel Weichen erneuert

Gut zwei Monate nach der Entgleisung eines ICE-Zuges im Basler Bahnhof SBB ist die Unfallursache noch ungeklärt. Klar ist, der Weichentyp an der Unfallstelle ist derselbe wie beim Unfall in Luzern vergangenen März. Die SBB ergreifen Massnahmen.

Olivia Meier
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Zug-Entgleisung in Basel Nach dem Unfall am Mittwoch 29.11.17 wurden zwei Tage danach immer noch die Gleise und Weichen repariert.
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Zug-Entgleisung in Basel
Zug-Entgleisung in Basel Die SBB hofften, dass ab Samstag 1.12.17 wieder Normalbetrieb im Basler Bahnhof SBB herrscht.
Zug-Entgleisung in Basel
Zug-Entgleisung in Basel Der Grund des Unfalls war auch zwei Tage danach noch unklar.
Zug-Entgleisung in Basel
Zug-Entgleisung in Basel
Zug-Entgleisung in Basel Die entgleisten Wagen wurden am Donnerstag 30.11.17 wieder auf die Schienen gestellt.
Zug-Entgleisung in Basel Wagen des ICE-Zuges wurden geborgen.
Zug vor Basler Bahnhof SBB entgleist
Zug-Entgleisung in Basel
Kein alltägliches Bild: Ein Schienenkran wird herbeigefahren.
Die Aufräumarbeiten bei der Unfallstelle am Donnerstag 30.11.17.
Die Arbeiten blockierten auch am Donnerstag 30.11.17 mehrere Gleise.
Der Zug wird mit einem speziellen Kran von den Schienen gehoben.
Der entgleiste Zug ist halb abgebaut
Sprecherin Franziska Frey stellte sich den zahlreichen Medienvertretern.
Der Bahnhof Basel am Morgen nach dem Unfall.
Am 29.11.17 ist in Basel ein ICE der Deutschen Bahn entgleist.
Drei Wagen eines deutschen Intercity Express-Zuges waren nach SBB-Angaben bei einer Weiche auf der Bahnhofsausfahrt aus den Schienen gesprungen.
Corpus Delicti: Das touchierte Einfahrtssignal.
Der entgleiste ICE drückte einen Signalmast gegen die Fahrleitung, was zu einem Stromausfall führte.
Der Zugang auf die betroffenen Gleise 5 und 6 war von der südlichen Querverbindung zwischen Postbau und Gundeli mit einem gelben Band «Polizeiliche Sperrzone» geschlossen.
Überall gestrandete Pendler: Der Bahnhof SBB war für eine Zeit lang komplett gesperrt.
Zahlreiche SBB-Beschäftigte, mit ihren gelben Westen als Auskunftpersonen kenntlich gemacht, wurden belagert.
Es herrschte Chaos.
Das Informations-Personal hatte alle Hände voll zu tun.
Viele Züge wurden umgeleitet oder fielen komplett aus.
Einsatzfahrzeuge der Sanität vor dem Basler Bahnhof SBB.
Verletzt wurde jedoch niemand.

Zug-Entgleisung in Basel Nach dem Unfall am Mittwoch 29.11.17 wurden zwei Tage danach immer noch die Gleise und Weichen repariert.

Kenneth Nars

Die SBB haben bereits nach den Entgleisungen überprüft, wie sie die Weichen noch sicherer machen können. Deshalb werden die Bahnhofsweichen zusätzlich mit Messfahrzeugen überwacht, um den Zustand und Verschleiss besser kontrollieren zu können. Ob die Entgleisungen mit diesen Massnahmen hätten verhindert werden können, kann erst nach Abschluss der SUST-Untersuchungen gesagt werden.

Die Aufregung rund um den Bahnhof Basel SBB war gross: Ende November kam es zu dutzenden Ausfällen, überall waren verwirrte Passagiere zu beobachten. Grund dafür war ein entgleister ICE der Deutschen Bahn. Nicht die einzige Entgleisung auf dem SBB-Netz im letzten Jahr. Im März entgleisten gleich zwei Züge, einer davon in Luzern und einer in Bern. Hat die SBB ein Sicherheitsproblem? Nein, wie sie am Donnerstag an einer Pressekonferenz betonte. Vor zahlreichen Medienschaffenden aus den verschiedenen Sprachregionen stellten die Vertreter klar: Die Sicherheit ist die oberste Priorität der SBB. Gleise und Weichen wurden normgerecht kontrolliert.

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Entgleisung in Luzern vergangenen März

Die Bergungsarbeiten laufen auch noch am Donnerstagvormittag bei Tageslicht weiter.
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Die Bergung des Zuges ist kompliziert - der Bahnhof Luzern bleibt voraussichtlich bis am Freitag gesperrt.
Der entgleiste Zug am Donnerstagmorgen vor den Toren des Bahnhofs Luzern.
Kopie von Zugentgleisung in Luzern II: Die Bergung des Zuges, Passagiere am Bahnhof gestrandet
Die Bergung des Zuges ist kompliziert - der Bahnhof Luzern bleibt voraussichtlich bis am Freitag gesperrt.
Nach der Entgleisung stehen die Züge noch immer still.
Gespenstig leer: Der verwaiste Bahnhof Luzern am Donnerstagmorgen.
Rettungskräfte am Mittwoch in Luzern bei der Einsatzplanung.
SBB-Fachleute bei der Bergung des Zuges.
Die vielen gestrandeten Passagiere wurden auf Busse verwiesen.

Die Bergungsarbeiten laufen auch noch am Donnerstagvormittag bei Tageslicht weiter.

Keystone

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Die Untersuchung der Entgleisung in Basel durch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUST) sei noch nicht vollends abgeschlossen. Der ICE befindet sich noch für Abklärungen in Deutschland. Die betroffenen Weichenteile wurden durch die SUST beschlagnahmt.

Klar ist, die Entgleisungen in Luzern und Basel ereigneten sich auf dem selben Weichentypen, der komplexer ist als herkömmliche Weichen: die Doppelkreuzungsweiche (DKW). Sie verbindet statt zwei gleich vier Weichen miteinander. Von diesem Weichentypen gibt es auf dem gesamten Netz der SBB nur 45, vier davon werden häufiger befahren - zwei in Basel und zwei in Luzern. Zudem war es in beiden Fällen ein Schnellzug, der entgleist ist, und bei beiden war die Verschlussmethode der Weichen die selbe.

Anders in Bern: Hier hatte ein Ermüdungsbruch der Weichenzungenschiene zur Entgleisung geführt.

Ersatz der Weichen

Wegen der Parallelen zwischen den Entgleisungen in Basel und Luzern ergreift die SBB nun Massnahmen: Bis Ende März tauscht sie die Weichenzungenverschlüsse der vier betroffenen Weichen aus. 300 000 Franken soll dieses Vorhaben kosten. Bis Ende 2019 sollen die DKW komplett ersetzt werden. Auch in den restlichen 41 DKW möchte die SBB bis voraussichtlich Mitte 2019 die Verschlüsse ersetzen. Dafür lässt das Bahnunternehmen vier Millionen Franken springen. «Obwohl die SBB momentan mit Hypothesen arbeitet, sind wir uns sicher, auf dem richtigen Weg zu sein», sagt Stefan Sommer, Leiter Infrastruktur. Um weiterhin die maximale Sicherheit gewährleisten zu können, wird die SBB zudem die Überwachung der Weichen optimieren: Momentan werden die starkbefahrenen Weichen alle zwei Wochen visuell kontrolliert.

Dazu kommt einmal jährlich eine manuelle Kontrolle mit Messgeräten und alle sechs Monate werden die Gleise per Ultraschall untersucht. «Unsere Überprüfungsmethoden sind technisch auf dem neusten Stand und stehen anderen Ländern in nichts nach.»

Strengere Überprüfung

Trotzdem möchte die SBB nach den Vorfällen öfter Überprüfungen durchführen: Die Weichen sollen zunehmend maschinell überwacht werden - ausserdem überprüft die SBB die am stärksten belasteten Bahnhofweichen mit Messfahrzeugen. Diese sammeln eine unglaubliche Menge an Daten, die die SBB in Zukunft auf einer Big-Data-Plattform zusammentragen möchte. Dies soll helfen, Prognosen zu erstellen, sodass die Mitarbeitenden der SBB einen Fehler oder ein Problem schneller erkennen und beheben können. Laut Sommer sei dies auch nötig, da die Belastung der Gleise laufend zunimmt.

Die Fahrzeuge, die über die Schienen rattern, werden immer schwerer und beschleunigen schneller. Ob die SBB die Entgleisungen hätte verhindern können, kann erst nach Abschluss der Prüfungen durch die SUST definitiv gesagt werden. Dennoch zog Sommer am Donnerstag eine optimistische Bilanz: «Auch für uns von der SBB war es ein schwieriges Jahr mit einigen Hürden. Wir sind aber überzeugt, nun die richtigen Massnahmen ergriffen zu haben. Die Bahn ist und bleibt das sicherste Verkehrsmittel.»