Basel
Baustelle Basler Verkehrs-Betriebe: Das Ende des langen Schweigens

Bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) hat die Kommunikation in den letzten Monaten versagt: CEO und Verwaltungsrat der BVB geloben Besserung und haben noch zu fünf weiteren Themen Stellung genommen.

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Baustelle Basler Verkehrsbetriebe: Am Dienstag nahmen die Verantwortlichen Stellung.

Baustelle Basler Verkehrsbetriebe: Am Dienstag nahmen die Verantwortlichen Stellung.

Nicole Nars-Zimmer

Der Andrang der Medien war enorm: Nach monatelangem Schweigen und inmitten einer Flut von Vorwürfen, Anschuldigungen und Gerüchten luden die Chefs der BVB, Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath und CEO Jürg Baumgartner, an den Hauptsitz der Verkehrsbetriebe, um zu erklären. Und um sich wortreich zu entschuldigen. Und im Falle Gudenraths, um seinen bevorstehenden Rücktritt zu dementieren.

Aber nur halbwegs: «Ich habe nicht vor zurückzutreten. Ich will eine Auslegeordnung vornehmen und dann entscheiden, wie es für mich weitergeht.» Mit diesem Satz dürfte Gudenrath nur bedingt für Klarheit gesorgt haben. Der Regierungsrat und die Geschäftsleitung der BVB stünden hinter ihm, so Gudenrath. Und er habe sich nichts vorzuwerfen: «Ich wurde explizit geholt, um einen Wandel herbeizuführen.» Und ein Wandel könne nie bei allen Begeisterung hervorrufen. Allerdings fügte Gudenrath dann an, dass seine Familie und seine Freunde unter dem öffentlichen Druck leiden würden, unter dem er zur Zeit stehe.

Gudenrath und Baumgartner bezogen dann zu den einzelnen Themen, die im Raum stehen, Stellung.

• Die Forderung nach einer Fusion von BVB und BLT
Gudenrath verweist zu diesem Thema auf die politische Ebene. Selbst in einem fusionierten Kanton Basel müsste diese Frage von der Politik beantwortet werden. An Gerüchten, er habe die SP-Landräte und -Grossräte angestiftet, die Fusion der Verkehrsbetriebe zu lancieren, sei nichts dran. «Diesen politischen Vorstoss habe ich ganz sicher nicht angestossen», erklärte er. Die SP fordere aber nicht die Fusion, sie wolle die «Facts and Figures» auf dem Tisch haben. Das könne sicher nichts schaden.

• Das Debakel um die nicht funktionierenden Anzeigetafeln
CEO Baumgartner erklärte, das für 10 Millionen Franken gekaufte System habe in Basel nicht direkt eingesetzt werden können und für 4 Millionen Franken nachgerüstet werden müssen. «Das ist kein Erfolgsprojekt», stellte er ernüchtert fest. Erst am Montag habe man neue Hardware eingebaut und nun zwei Datenlinien zur Verfügung. Zudem würden die Trams nun alle 16 statt alle 40 Sekunden ihre Position an die Leitstelle übermitteln. Damit sei es möglich, dass die Reihenfolge, in der die Trams in die Haltestelle einfahren, präziser anzugeben: «Ende Jahr wollen wir eine Genauigkeit von 99,5 Prozent erreichen.» Zu diesem Projekt hätten die BVB intern wie extern nicht gut genug kommuniziert.

• Das unzufriedene Personal
Baumgartner erklärte hierzu, die Unternehmen des öffentlichen Verkehrs folgten einem Zyklus. Zehn Jahre Innovation mit Beschaffung neuer Fahrzeuge. Danach folgten 20 Jahre der Optimierung und des Erhalts. Nun sei man wieder in einer Neuerungsphase. Das Personal der BVB müsse mit vielen Neuerungen fertig werden, nachdem sich manche 30 Jahre an Fahrzeuge und Abläufe gewohnt hätten. «Das gibt unzufriedene Mitarbeiter auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sehen das viele als Chance und als Herausforderung.» Die interne Kommunikation sei hier mangelhaft verlaufen.

• Vorwürfe der Vetternwirtschaft
Gudenrath und Baumgartner sagen beide, sie hätten sich nichts vorzuwerfen. Dass ihre Kinder gut bezahlte Praktika bei den BVB erhalten haben, entspreche den Vorgaben des Kantons. Das Personalreglement des Kantons sehe vor, dass es besser und schlechter bezahlte Praktikanten gibt. «Wir warten nun ab, was die Finanzkontrolle dazu sagt», erklärte Gudenrath. «Ich sehe dem Resultat der Untersuchung gelassen entgegen.» Man könne aber diskutieren, ob es «politisch sensibel» gewesen sei, dass neben 51 Kindern von anderen BVB-Angestellten auch die Söhne von CEO und Verwaltungsratspräsident Praktika bekommen haben.

• Die mangelnde Kommunikation
Hier habe man laut Baumgartner den Einstieg ins Informationszeitalter verpasst. Erschwerend sei dazu gekommen, dass Mediensprecherin Dagmar Jenny monatelang krank gewesen ist. Nun habe man die Kommunikationsabteilung aufgestockt und neu ausgerichtet. (siehe Interview rechts). Baumgartner nannte die schlechte Kommunikation die Wurzel allen Übels der letzten Monate und entschuldigte sich mehrfach und wortreich für die Mängel in diesem Bereich.
Alles in allem hinterliess die Medienkonferenz den Eindruck, Baumgartner und vor allem Gudenrath suchten nun ihr Heil in der Flucht nach vorne. Für einen echten Befreiungsschlag waren aber ihre Argumente eindeutig zu schwach.