Die No-Billag-Initiative ist ein gröberes Problem für «Telebasel». Bei Annahme der Initiative, die eine Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren vorsieht, fehlten dem Basler Regional-TV- und Online-Unternehmen jährlich 3,2 Millionen Franken in der Kasse. Bei einem Budget von gut acht Millionen Franken sind dies knapp vierzig Prozent der Einnahmen. Entsprechend engagiert sich Roger Thiriet, Präsident der Stiftung Telebasel, hinter den Kulissen für das regionale Abstimmungskomitee «JA zum Service public régional – NEIN zu No Billag». Dieses wurde diese Woche offiziell aus der Taufe gehoben.

Die eidgenössische Vorlage verschärft allerdings lediglich die Fragen nach der Zukunft und Legitimation von «Telebasel». Denn solche stehen seit dem radikalen Programmumbau vor zwei Jahren im Raum. Der Wechsel an der Spitze der Stiftung ist deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben, die Suche nach einem neuen Geschäftsführer ist sistiert. Zuvor soll eine Arbeitsgruppe die strategischen Optionen ausloten.

Unikum Stiftung

Die Rechtfertigung für die national einmalige Stiftungskonstruktion als Trägerin eines regionalen Service-public-Unternehmens leitet sich aus der Geschichte ab: In Anbetracht des damals befürchteten Medienmonopols durch die «Basler Zeitung» erhielten alle gesellschaftlich relevanten Kreise der Stadt einen Sitz im aufgeblähten Stiftungsrat. Als Mitgift schenkte die Stadt Basel der Stiftung zudem das Kabelnetz. Dieses wurde gegen ein Entgelt zur Nutzung der Balcab übergeben, die mittlerweile Teil der UPC ist. Der Vertrag hält fest, dass das Netz in zehn Jahren an das Telekommunikationsunternehmen übergeht. Die jährliche Abgeltung von 1,6 Millionen Franken, die dem Programm zugutekommen, fällt dann weg.

In langfristiger Voraussicht, dass das Kabelgeld ausbleiben wird, erfand sich «Telebasel» vor zwei Jahren neu – und stürzte sich damit in eine tiefe Krise. Das Kurzfutterprogramm stiess das treue Publikum vor den Kopf, jüngere Zuschauer fanden sich nicht so zahlreich wie gewünscht. Recherchen zeigen: Die Krise griff auch auf den Stiftungsrat über. Vor allem der PRUnternehmer Stephan Kaister monierte, als Stiftungsrat sei er vom operativen Geschäft so weit weg, dass er die Verantwortung gar nicht übernehmen könne, wie er müsste. Die Konstruktion sei nicht mehr zeitgemäss, er fordere eine Professionalisierung im Stiftungsrat.

Die Krise auf operativer Ebene ist mittlerweile gemeistert. Seit November sind die Einschaltquoten wieder auf dem Niveau wie vor dem Umbau. Allerdings um den Preis, dass eine Vielzahl der Innovationen gekippt wurde. Auch die Personalfluktuation unter der Chefredaktorin Karin Müller liegt wieder im Normalmass. Eine Baustelle ist die Geschäftsleitung. Als der langjährige Geschäftsführer Dominik Prétôt ausschied, übernahm Stiftungsrat Michael Bornhäusser, der schon den Programmumbau konzipierte, den Job interimistisch. Die Suche nach einem Nachfolger verlief bisher ergebnislos. Entweder wollten die Kandidaten nicht nach Basel oder sie wären für den Sender viel zu teuer, sagt Roger Thiriet. Solange die Sinnfrage nicht geklärt ist, bleibt nun Bornhäusser im Amt, bestätigt Thiriet.

Hängepartie

Obwohl der Stiftungsrat überaltert ist, geht auch Thiriet (68) in die Verlängerung. Geplant war, Ende 2017 einen neuen Präsidenten des Stiftungsrates zu wählen, der im Verlauf des kommenden Jahres die Amtsgeschäfte übernimmt. Nun ist jedoch offen, in welche Richtung sich die Stiftung entwickelt und welches Profil entsprechend der neue Präsident haben soll.

Thiriet, der ursprünglich als Übergangspräsident eingestiegen ist, um eine erste Reform durchzuführen, räumt ein, diese sei auf halbem Weg steckengeblieben. Eine fünfköpfige Arbeitsgruppe unter seiner Leitung soll nun die möglichen Szenarien ausarbeiten. Kaister, ein weiteres Mitglied der Gruppe, sagt: «Wir müssen einen Plan B haben, wenn die Initiative angenommen wird.» Damit zumindest dieser in der Schublade bleiben kann, engagiert sich Thiriet in der regionalen Kampagne gegen No Billag.