Bagger, Mulden, Bauschutt. Und das vor der eigenen Ladentür – ein Albtraum für jeden Gewerbler. Und oft ein Grund, sich eine neue Bleibe zu suchen, um nicht die Existenz zu verlieren. Es ist kein neues Problem, sorgt aber immer von Neuem für Ärger: Kleine Gewerbebetriebe verlieren in Basels Innenstadt je länger je mehr die Möglichkeit, bestehen zu können. Grund sind einerseits die steigenden Mieten – und eben Baustellen vor der Türe.

Eines der Bauprojekte, das Geschäften in naher Zukunft zum Verhängnis werden könnte, spielt sich an der Spiegelgasse ab. Die eine Hälfte der Gebäudefront aufseiten der 16er-Tramhaltestelle an der Schifflände wird saniert, die Häuser mit den Nummern 11 und 15 gar abgerissen. In den Neubau soll das Amt für Umwelt und Energie einziehen.

Barell hofft auf Hilfe des Kantons

Von der grossen Baustelle betroffen ist unter anderem Maren Gnädinger, Besitzerin des Schoggi-Ladens Xocolatl. Seit neun Jahren führt sie ihren kleinen Laden an der Blumengasse 3 – dem Durchgang zwischen Schifflände und Spiegelgasse. Vor ihrer Ladentür wird der Abtransport des Baumaterials getätigt. Nun hat sie Angst, ihre Kundschaft zu verlieren, weil der Zutritt in ihre «Welt der Schokolade» versperrt wird.

Gnädinger hofft, die Stadt helfe bei der Suche nach einer Alternative. «Es darf nicht sein, dass ich meine Existenz aufgeben muss, weil die Stadt baut.» Sie warte ab, denn die Möglichkeit der Unterstützung bestehe ja.

Das wünscht sich auch der Basler Gewerbedirektor Gabriel Barell. Er setzt woanders ein Fragezeichen: «Es ist zu überlegen, wie sinnvoll es ist, dass Staatsstellen an solch zentrale Orte ziehen und Gewerbe verdrängen.» Es sei bedauerlich, wenn KMU durch Neunutzungen umziehen müssen. «Wichtig ist, dass die Eigentümer der Liegenschaften von Anfang an mit offenen Karten spielen und Gewerbebetriebe informieren, wenn in den nächsten Jahren eine Umnutzung ansteht.»

Domizilwechsel seien für KMU mit einem grossen Aufwand verbunden. Barell würde es begrüssen, wenn der Kanton mit seinen zahlreichen Liegenschaften die betroffenen Geschäfte bei der Suche eines neuen Lokals unterstützt.

Der Projektleitung ist die Schwierigkeit bewusst, die die Baustelle für Nachbarn mit sich bringt, versichert Barbara Neidhart, Mediensprecherin von Immobilien Basel-Stadt. «In solchen Fällen versuchen wir, Lokalitäten zu vermitteln, wenn wir etwas Geeignetes finden.» Eine Garantie könne sie nicht geben. «Eine Verpflichtung, eine Lösung zu finden, gibt es nicht. Das wäre nicht praktikabel.» Die Baustelle werde so organisiert, dass die Nachbarn so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

Unbekannte Kosten stehen an

Maren Gnädinger hat auf jeden Fall vor, solange an der Blumengasse 3 zu bleiben, wie es geht. Trotz Risiko. Ihr 40 Quadratmeter grosser Laden sei sehr beliebt bei ihrer Kundschaft. «Mein Geschäft liegt zwar versteckt, aber an einem Knotenpunkt.» Sie müsse in der Innenstadt bleiben, um ihre Gäste nicht zu verlieren. «Bei einem Umzug werden viele Kosten auf mich zukommen, von denen ich heute noch nicht mal weiss.»

Gewerbedirektor Gabriel Barell wünscht sich in diesem Fall von der Stadt, sie erkenne, dass es sich um einen heimischen Laden und nicht um eine Kette handelt. «Das Ziel muss also sein, für das Xocolatl eine adäquate Lösung zu finden.»

Der Abriss der Spiegelgasse 11 und 15 ist auf Frühling 2016 vorgesehen und wird etwa zwei Jahre dauern.