Auf dem Basler Dreispitz zwischen Reinacher- und Dornacherstrasse erstreckt sich eine lang gestreckte Brache. Die Holzhandelsfirma Thüring hatte Ende vergangenen Jahres dort ihre Hallen geräumt, die Bagger haben sie mittlerweile abgerissen. Es türmen sich lediglich noch letzte Reste des Bauschutts. Doch der geplante Neubau ist durch Einsprachen blockiert.

Dabei müsste alles ganz rasch gehen. Bereits Anfang 2021 sollte auf der Parzelle der Neubau für die Hochschule für Wirtschaft (HSW) stehen. Die Abteilung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) plante, den Schulbetrieb ab Herbstsemester 2021 aufzunehmen. Ende des gleichen Jahres müssen die bisherigen Räumlichkeiten im Peter-Merian-Haus beim Basler Bahnhof geräumt sein. Diese sind dem Pharmaunternehmen Bayer versprochen, das dringenden Erweiterungsbedarf hat. Die Mietverträge seien auf diesen Zeitpunkt gekündet, hiess es in früheren Meldungen.

Kollektives Schweigen

Der Fahrplan ist überholt, wie die Immobilien Basel versteckt in ihrem Jahresbericht mitteilen: «Die Zeitvorgaben mussten aufgrund von Einsprachen und Rekursen gegen den Bauentscheid angepasst werden.» Das kollektive Schweigen aller beteiligten Partner auf die Frage, was dies konkret bedeutet, lässt auf ein grösseres Problem schliessen.

Sowohl HSW als auch die Christoph Merian Stiftung (CMS) als Grundherrin verweisen auf die Immobilien Basel. Diese teilen lediglich mit, dass sie dazu nichts mitteilen können, der Ball liege beim Basler Verwaltungsgericht. Die Firma Allreal, die als Totalunternehmerin den Bau verantwortet, schreibt auf ihrer Projektliste, Baubeginn sei «frühestens» 2020, die Fertigstellung zwei Jahre später.

Wer die Beschwerden mit welcher Begründung eingereicht hat, ist derzeit nicht klar. Allerdings hat das Projekt in einigen Belangen Präjudizcharakter, der Juristen zur Klärung von Grundsatzfragen geradezu auf den Plan ruft. So ist das HSW-Gebäude im Rahmen des Transformationsprozesses des weitläufigen Dreispitz-Areals der erste Neubau, der auf baselstädtischem Grund zu stehen kommen soll. Alle bisherigen Neubauten wie die Hochschule der Künste (HGK), eine weitere Abteilung der FHNW, entstanden auf dem Baselbieter Gemeindebann von Münchenstein.

Das städtische Dreispitz-Areal ist derzeit für «Industrie und Gewerbe» reserviert. Grundsätzlich lasse diese Zone 7 eine Schule «nutzungstechnisch» zu. Dies stellte die Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rats zuletzt im Zusammenhang mit einem Schulbau auf dem Lysbüchel fest.

Bisher galt als Zielsetzung, die entsprechenden Parzellen bei nächstbester Gelegenheit in eine Zone zur «Nutzung im öffentlichen Interesse» (NöI) umzuwandeln. Ein Konzept, wie der Dreispitz-Mitte entwickelt werden sollte, ist im Rahmen des Stadtteilrichtplans Gundeldingen seit Februar allerdings erst in der Vernehmlassung. Mit der HSW werden Fakten geschaffen.

Zweite Zeitplankorrektur

Dass der Kanton Basel-Stadt der FHNW wohl etwas leichfertig versprochen hatte, der HSW in Windeseile einen neuen Bildungscampus zu bauen, zeigt sich nicht zum ersten Mal: Bereits der nun verschobene Termin ist eine Korrektur des ursprünglichen Fahrplans um ein Jahr. Dies geht jedenfalls aus dem vorliegenden «Baulichen Pflichtenheft» vom Mai 2017 hervor. Demnach hätte der Bau bereits im Frühjahr 2020 fertiggestellt und im Herbst des gleichen Jahres bezogen werden sollen.

Die planerische Unsicherheit wirft auch ein Schlaglicht auf weitere Hochschulbauten, die auf dem Hoheitsgebiet der CMS geplant sind. Im vergangenen Oktober haben die Regierungen beider Basel in einem grossen gemeinsamen Auftritt verkündet, dass die juristische und die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität ebenfalls vom Basler Bahnhof wegziehen und auf Baselbieter Grund des Dreispitzes ein neues Zentrum erhalten sollen.

Die Ankündigung war faktisch der Einstand von Isaac Reber als neuem Baselbieter Baudirektor. Bloss: Die Regierungen hatten vor ihrem Auftritt weder die Grundeigentümerin CMS über ihre konkreten Kommunikationsabsichten unterrichtet, noch hatte die CMS ihrerseits das Logistikunternehmen Fiege als Baurechtsnehmer informiert.

Den Dozenten und Studierenden der Fachhochschule können die Verschiebungen eigentlich recht sein. Von der HSW-Belegschaft ist bekannt, dass sie am neuen Ort zwar mehr Platz erwarten kann, dass sie jedoch sehr ungern die Bahnhofsnähe verlässt. Diese sei schliesslich ein starkes Argument im Wettbewerb der Hochschulen um Studierende. Ihr Problem wird es erst, wenn sie ausziehen müssen, am neuen Ort jedoch weiter eine Brache klafft.