Regierungsratswahlen Basel-Stadt

Beat Jans: Der Strahlemann und sein kritischer Tweet

Beat Jans hat empfindlich auf Kritik an seinen Plänen fürs Basler Präsidialdepartement reagiert.

Beat Jans hat empfindlich auf Kritik an seinen Plänen fürs Basler Präsidialdepartement reagiert.

Beat Jans, bald Regierungspräsident, hadert mit den Medien – und hat ein eigenes Verständnis von fairen Medien.

Die Wahl zum neuen Basler Regierungspräsidenten ist wohl gesichert. Beat Jans, das neue Vorzeigegesicht der SP Basel-Stadt, kennt kaum Kritiker. Was auch heisst, dass ihm die Situation des Kritisierten etwas ungewohnt ist. Mediale Schelte einer Mehrheit der Basler Publikationen hatten er und die Partei jedoch zu ertragen, als sie die Forderung vortrugen, unter Jans’ Ägide sei das Amt für Umwelt und Energie ins Präsidialdepartement zu zügeln.

Jans massregelte die Kritiker per Twitter: «Wieso muss man in unserer Region eigentlich ‹Onlinereports› lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?» Das Medienbashing fand so rasch Verbreitung, wie es wieder aus dem Medium verschwand: Jans hat den Eintrag gelöscht.

«Es war ein blöder Tweet, der verständlicherweise in den falschen Hals geraten ist», sagt Jans. Er sei sonst sehr zurückhaltend, in diesem Fall habe er jedoch zu rasch einen Tweet abgesetzt und sei «reingelaufen». Da müsse er noch dazulernen.

Fairmedia steht denen bei, die sich von den Medien ungerecht behandelt fühlen

Jans ist allerdings kein ungeübter Kommunikator, dem die Medienmechanismen unvertraut wären. Als Präsident des Vereins Fairmedia steht er vielmehr einer Basler Organisation vor, die den Anspruch hat, allen beizustehen, die sich von den Medien unfair behandelt fühlen.

Als Beratungsstelle finde Fairmedia immer breitere Akzeptanz, sagt Jans. Regierungsräte aus anderen Kantonen hätten sich schon an den Verein gewandt, weil sie «Angst gehabt haben», sich gegen eine Medienberichterstattung zu wehren. Fairmedia sei nach allen Seiten offen, sagt Jans.

Selbst ein Journalist habe schon eine Anfrage an den Verein gerichtet, da er sich von einem Interviewten ungerecht behandelt gesehen habe. Der Verein bezieht allerdings auch Position: Für Jolanda Spiess-Hegglin sammelt Fairmedia Geld, damit die Zuger Ex-Politikerin ihre Rechtsstreitigkeiten austragen kann.

Im Nationalrat forderte Jans Eigentümer-Transparenz

Jans’ Kampfgefährte für faire Medien ist Guy Krneta, der Initiant von «Rettet Basel» und damit ein Geburtshelfer der «Tageswoche» und nun von «Bajour». Der Widerstand gegen eine von Christoph Blocher und Markus Somm geführte «Basler Zeitung» war der Auslöser für das Engagement. Als Nationalrat forderte Jans etwa – wenn auch vergebens – die volle Eigentümertransparenz bei Medienunternehmen. In der Abneigung gegen die aggressiv-rechtsbürgerliche Ausrichtung der Zeitung lag auch die Motivation, Fairmedia zu gründen.

Mit Krneta und dem «Bajour»-Miterfinder Matthias Zehnder ist Jans im vergangenen Jahr auch selbst publizistisch aktiv geworden. Der Sammelband «Unsere Schweiz. Ein Heimatbuch für Weltoffene» erntete allerdings keine Lorbeeren. Rund 50, meist linke Zeitgenossen, hatten darin ihre Heimatgefühle in Worte gefasst.

Ein Rezensent dieser Zeitung schrieb von einem «nicht enden wollenden Eiertanz». Die linke «Woz» erinnerte daran, dass es einen «linken Patriotismus» nicht geben könne. In der «NZZ am Sonntag» kalauerte Manfred Papst schliesslich: «Gott schütze mich vor Sturm und Brand – und vor dem nächsten Sammelband». Ansonsten legte sich die Gnade des Schweigens über den Band und seine Herausgeber.

Die Unterstützung für Daniele Ganser

Lauter ist es geworden, als Jans vor drei Jahren nach einer missglückten «Arena»-Sendung ein Statement zu Gunsten des Verschwörungssupporters Daniele Ganser abgab. Die Verbindung ist älter und entstand über die Beschäftigung mit dem globalen Erdölgeschäft, was Jans eine Würdigung in Gansers Buch und Ganser eine Einladung an eine von Jans’ einstigem Arbeitgeber Ecos organisierte Veranstaltung einbrachte.

Im Anschluss an die «Arena» gab Jans dieser Zeitung zu Protokoll, Ganser «stellt unangenehme Fragen, bleibt aber transparent, was die Quellen angeht, und argumentiert wissenschaftlich.» Er könne hinter den Aussagen von damals stehen, sagt Jans heute. Er habe ihn im direkten Gespräch aber auch schon kritisiert, dass er in Kreisen von Verschwörungstheoretikern verkehre.

Als Basler Regierungspräsident wird Jans sich daran gewöhnen müssen, etwas häufiger in Kritik zu geraten.

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1