«Fast peinlich», meint Beatrice Isler zur Tatsache, dass sie nie an einem anderen Ort gelebt hat als im Gundeli. Beinahe 60 Jahre lang. So gesehen sei es an der Zeit, ihr Quartier im Grossen Rat zu vertreten. Vor vier Jahren ist sie knapp gescheitert. «Seither bin ich noch mehr in die politische Arbeit hineingewachsen und konnte auch mein Wissen und mein Beziehungsnetz weiter ausbauen. Meine Kandidatur ist die logische Folge meines jahrelangen Engagements für meinen Lebensraum», sagt Isler.

Einfacher als vor vier Jahren wird es nicht. Im Wahlkreis Grossbasel-Ost hat ihre Partei, die CVP, zwei von 27 Sitzen. Sie sind von Oswald Inglin und Lukas Engelberger besetzt. Die beiden profilierten und bekannten Politiker dürften die Wiederwahl schaffen. «Die CVP muss einfach einen Sitz gewinnen», erklärt Isler kämpferisch.

Verschiedene Ämter

An Bekanntheit fehlt es ihr wahrlich nicht. Zehn Jahre war sie Präsidentin der Quartierkoordination Gundeldingen und damit so etwas wie die höchste Frau im Quartier. Dieses Amt hat sie 2011 aufgegeben, ist aber weiterhin Präsidentin des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen (NQVG). Daneben sitzt sie im Vorstand der Rheumaliga beider Basel und im Verwaltungsrat der Gundeldinger-Casino Basel AG. Sehr wichtig ist ihr auch das handfeste Engagement für das «WohnWerk» Basel, die frühere Webstube.

«Ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl ist keine Einbahnstrasse», erklärt die Selbstständigerwerbende. Man bekomme auch einiges zurück, zum Beispiel Einblicke in unbekannte Gebiete. Man lerne viele Leute kennen und werde manchmal sogar gelobt, erzählt sie: «Ein Mann sagte mir, er wähle nur Leute in den Grossen Rat, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Er habe auch mich gewählt.»

Ihr momentan wichtigstes Anliegen ist ein gutes neues Verkehrskonzept mit dem Ziel, den Verkehr im Gundeli zu reduzieren. Mit dem Gundelitunnel könnte man das Problem wahrscheinlich nicht lösen: «Damit würden wir den Verkehr auf andere Quartiere abwälzen.» Ihren lange gehegten Traum eines Centralparks hat sie noch nicht aufgegeben. «Vielleicht kann ich später mal mit meinem Rollator den überdeckten Bahnhof auf einer grossen grünen Fläche überqueren», erzählt sie schmunzelnd.

Basisorientiert politisieren

Beatrice Isler, die in ihrer Freizeit Bilder malt, findet die Wiedervereinigung mit Baselland «eine interessante Idee», doch es seien noch zu wenige Fakten bekannt. Und die AKW möchte sie abschalten – dieser unbequeme Weg löse neue, kreative Ideen aus.

Christliche Ethik ist ihr wichtig. Und auf jeden Fall möchte sie basisorientiert politisieren. Als es beispielsweise letztes Jahr Probleme gab mit den beiden Asylheimen im Gundeli, liess sie sich vor Ort informieren. Es ging ihr darum zu erfahren, wie die Asylbewerber leben oder woher sie kommen. «Das fördert das gegenseitige Verständnis. Ebenso wie die Feststellung, dass einige Quartierbewohner ihre Abfallsäcke vor das Asylheim gestellt haben.»

Auch aktuelle Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern in der Güterstrasse – Velofahrer weichen auf das Trottoir aus, falls ein Tram im Weg steht – versucht die Grossratskandidatin mit gegenseitigem Verständnis zu lösen. Sie hat es geschafft, Vertreter der BVB, der Polizei, des Behindertenforums und des kantonalen Amts für Mobilität am 20. Oktober zu einem Aktionstag auf den Tellplatz einzuladen. Dort sollen alle ihre Sicht der Dinge darlegen. «Nur so findet man Lösungen», ist Beatrice Isler überzeugt.