Stadtrandentwicklung
Bebauen oder nicht? Der Kampf um die Stadtränder von Basel hat begonnen

Dass Basel-Stadt neuen Wohnraum braucht, ist im Grossen Rat unbestritten. Streit gibt es immer dann, wenn es konkret darum geht, wo der Kanton sich denn ausbreiten solle. Verdichtung begrüssen alle, konkrete Hochhausprojekte fanden aber immer Gegner.

Nicolas Drechsler
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Die Basler Regierung will am Stadtrand neuen Wohnraum bauen. (Symbolbild)

Die Basler Regierung will am Stadtrand neuen Wohnraum bauen. (Symbolbild)

Keystone

Ähnlich erging es auch den beiden Plänen des Regierungsrates, die ein Wachstum im Süden und im Osten Basels vorsehen, mit neuen Wohnungen für rund 3400 Menschen. Im Osten soll ein «Landschaftspark» zwischen Riehenstrasse und Rhein, Hirzbrunnenquartier und Landesgrenze entstehen. Darin kommen einzelne Wohnsiedlungen zu liegen. Im Süden sollen zwei Zonen für höchstens zweistöckige Wohnbauten ausgeschieden werden, dafür die Schutzzonen darum herum ausgeweitet werden.

Am Montag luden nun die Befürworter – das sind die Wirtschaftsverbände und alle Parteien ausser dem Grünen Bündnis und der SVP – zu einer Rundfahrt, an der sie den Medien zeigen wollten, weshalb Wachstum an diesen Stellen Sinn mache.

Nähe spart Wege

Hauptargument sind, wie bereits in den Parlamentsdebatten, der Kampf gegen die Zersiedlung und damit auch gegen den Pendlerverkehr. Die Menschen sollen so nahe bei ihren Arbeitsplätzen wohnen, wie möglich.

Ausserdem werde neuer Grünraum geschaffen, der für alle zugänglich ist. Damit warb auch die Regierung für ihren Ratschlag, mit der ihrer Ansicht nach ausgeglichenen Stärkung von Grünräumen und Naturschutzzonen in der Stadt, die die neuen Wohnzonen ausgleichen soll. Vor allem aber mit der vermehrten Zugänglichkeit des Grünraums, bei dem es sich an der Grenzacherstrasse bisher um abgeschottete Schrebergartenareale handelt, von denen bis anhin nur die Pächter, nicht aber die Bevölkerung etwas haben. Für die bestehenden Siedlungen «Dreilinden», «Landauer» und «Rheinacker» bringe dies eine Aufwertung, betonte der Co-Präsident des Ja-Komitees, Andreas Albrecht (LDP), anlässlich der Rundfahrt. Die Siedlungen und Sportanlagen würden in den neuen Landschaftspark nach dem Willen der Regierung eingebunden. Die neuen Siedlungen sollen in Hochbauweise entstehen, was Albrechts Kollegin Kerstin Wenk (SP) als ideale Lösung betrachtet.

Auf dem Bruderholz dagegen sollen niedrig gebaute Häuser für zusätzlichen Wohnraum sorgen, der die Aussicht vom und auf den Basler Nobel-Hügel nicht beeinträchtigt. Hier plant die Christoph-Merian-Stiftung zudem Alterswohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft des Alterszentrums Wasserturm.

Die Volksabstimmung vom 28. September wurde nötig, weil Grüne, SVP und Basta im Grossen Rat die Vorlage des Regierungsrates in zwei Teile zerlegten. So konnten sie dem verbesserten Naturschutz im ganzen Kanton zustimmen, aber gegen die Stadtrandentwicklungen das Referendum ergreifen.