Lautsprecher am Rheinbord sind ein Reizthema. Wer auch nur auf dem Handy einen Song ohne Kopfhörer abspielen lässt, braucht nach heutigen Standards eine Bewilligung. Dies sieht das kantonale Übertretungsstrafgesetz vor, und diese Regel soll nun gestrichen werden. Dagegen wehrt sich ein Komitee aus Anwohnern am Rhein, das erfolgreich das Referendum ergriffen hat. Sie befürchten, dass der teils ohnehin schon hohe Rheinbord-Lärmpegel noch höher wird.

Einer der aus ihrer Sicht am schlimmsten zu befürchtenden Fälle wären Schiffe, auch Motorboote, die sich mit Lautsprechern aufrüsten und mit Partymusik regelrecht das Ufer beschallen. Nur: Solche potenten Sound-Anlagen benötigen auch künftig eine Bewilligung. Genau diese Angst allerdings hat der Kulturfrachter «Lorin» zu spüren bekommen. Das Schiff, das die von Basel-Stadt und Baselland geförderte Kunstperformance «Lorin’s Promenade 19» während insgesamt 13 Veranstaltungstagen vom 6. bis 22. Juni beheimatete, war jeweils von 22 bis 24 Uhr auf dem Rhein unterwegs. Betrieben wurde es von der Künstlerin Anmari Mëtsa Yabi Wili.

Extra mit Frühwarnsystem

Zum Projekt gehörten Ausstellungen, Performances, Konzerte und nächtliche Performancefahrten, für die extra ein Flügel sowie eine Ondes Martenot – ein Pionierinstrument der Elektronik – aufs Schiff gehievt wurden. Just die klanglichen, aber bewilligten Aspekte waren es, an denen sich Anwohner störten: Wie Recherchen der bz zeigen, kam es zu Lärmklagen.

Wili allerdings hatte vorgesorgt. Dass Geräuschemissionen ein Risiko darstellen können, wusste sie. «Deshalb standen wir schon von Beginn an in Kontakt mit der Polizei», sagt sie. Jedes Mal, wenn sich jemand gestört fühlte, habe sie sich von den Behörden umgehend benachrichtigen lassen, um die Lautstärke zu regulieren. Aus Veranstaltersicht führt sie einen wesentlichen Punkt an: «Vom Schiff aus ist es wegen unterschiedlicher Wetterverhältnisse sehr schwer einschätzbar, wie viel Schall trotz aller Massnahmen ans Ufer gelangt.» Deshalb richtete sie extra das Frühwarnsystem ein. Eine eigentliche Anzeige habe sie daher nie erreicht, die Performance sei erfolgreich gewesen.

Unterhaltung und Elektronik

Events auf dem und um den Rhein sind ohnehin ein Politikum in Basel. Erst im März wurde bekannt, dass die Basler Personenschifffahrtsgesellschaft (BPG) die beliebten Rhein-Partys auf ihren Schiffen versenkt. Der Entscheid sorgte in der Clubszene für Aufsehen, weil der «Nordstern» betroffen war. «Ich mache das nun seit Jahren und reisse mir den Arsch auf. Ich betrachte das ‹Nordboat› als Kultur, als Bereicherung», sagte «Nordstern»-Chef Agron Isaku gegenüber der bz. BPG-Chef Peter Stalder argumentierte hingegen, dass nicht das Geld im Vordergrund gestanden habe, sondern dass man andere Nutzerbedürfnisse bedienen wolle.

Anlagen, wie sie etwa auf Schiffen oder bei Events betrieben und von Anwohnern zurzeit gefürchtet werden, sind allerdings ohnehin bewilligungspflichtig. Der kritisierte Paragraf, der die Lautsprecher-Böxli betrifft, bezieht sich lediglich auf kleine, private Unterhaltungselektronik, wie sie heute verbreitet ist.