Strafgericht
Bedingte Geldstrafe für Griff in die Vereinskasse von Centrepoint

Der ehemalige Kassier von Centrepoint wurde wegen Veruntreuung verurteilt. Die tatsächliche Deliktsumme liegt aber deutlich tiefer als zunächst angenommen.

Patrick Rudin
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Innerhalb von zwölf Monaten hat der Verurteilte ungefähr 43'000 Franken aus dem Vereinsvermögen veruntreut. (Symbolbild)

Innerhalb von zwölf Monaten hat der Verurteilte ungefähr 43'000 Franken aus dem Vereinsvermögen veruntreut. (Symbolbild)

Keystone

Zwei Tage lang beugte sich Einzelrichterin Liselotte Henz über Ausgaben und Einnahmen, und anhand vieler Plausibilitätsberechnungen kam sie schliesslich zum Urteil: Der 40-jährige Mann aus Pakistan hat innerhalb von zwölf Monaten ungefähr 43'000 Franken aus dem Vereinsvermögen veruntreut.

Als «absolutes Minimum» der veruntreuten Beträge seien 35'000 Franken anhand von Belegen nachgewiesen, und diesen Betrag muss der Verurteilte auch zivilrechtlich dem Verein zurückbezahlen. «Der Betrag muss höher gewesen sein. Zahlenmässig kann man das aber nicht genau festmachen», so Henz. Der Verein hatte rund 100'000 Franken zurückgefordert, die Differenz müsse er nun aber auf dem Zivilweg beweisen und eintreiben.

Totales Chaos in Buchhaltung

Der Mann hat nachweislich auch Verbindlichkeiten des Vereins bedient, weshalb das Gericht für die Berechnung der deliktischen Beträge seine privaten Ein- und Ausgaben genauer anschaute: Beim Monatslohn der Ehefrau von 9200 Franken monatlich sei bei der Familie maximal ein Betrag von 2400 Franken zur freien Verfügung gestanden. «Das ist das Äusserste, was gerade noch möglich ist. Was über diesen 2400 Franken liegt, ist eindeutig deliktischen Ursprungs», erklärte Einzelrichterin Henz. Andere Einnahmen hätte der Mann nicht gehabt; ausser eben das Vereinskonto von Centrepoint.

Auch die Schwankungen untersuchten die Behörden genau: So hat der Mann vor seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei Centrepoint jeweils 2500 Franken pro Monat hauptsächlich zur Verwandtenunterstützung nach Pakistan geschickt, als Kassier dann aber monatlich satte 4500 Franken.

Auch der Verbleib der Buchhaltungsunterlagen war für Henz klar: Der Angeklagte hatte betont, alle Buchungen sauber geordnet in Ordnern dokumentiert zu haben, diese habe er aber nicht, sie seien beim Verein zu suchen. Die Hausdurchsuchung beim ihm ergab jedoch ein «ausgesprochenes Chaos», soweit man überhaupt noch Unterlagen habe finden können.

Teure Verfahrenskosten

Henz zeichnete das Bild eines Mannes, der dank seiner guten Ausbildung die damals bestehenden Mängel des Vereins schamlos ausgenutzt hat: Eine Vakanz im Präsidium, Barzahlungen, formlose Verrechnungen von Mitgliederbeiträgen sowie schlechte Regelungen der Zeichnungsberechtigung erwiesen sich als ideale Voraussetzungen. Die Gelder überwies er sich generell per E-Banking auf sein Konto, bezog sie bar am Bankomaten und zahlte die Beträge dann auf der Post ein. «Dieses Vorgehen macht nur Sinn, wenn man nicht will, dass das Ganze nachvollziehbar wird», urteilte die Richterin.

Der nicht vorbestrafte Mann erhielt eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 80 Franken, muss aber auch die Verfahrenskosten von über 10'000 Franken übernehmen. Er kann das Urteil noch weiterziehen.

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