Totgeglaubte leben länger. Das gilt nicht zuletzt für die gute, alte Kupferleitung. Jahrzehntelang diente sie in jedem Haus als Telefonanschluss, später kam mit dem Kabelnetz fürs Fernsehen eine weitere, praktisch flächendeckend verlegte Kupferleitung hinzu. Doch 2011 schien klar: Kupfer hat ausgedient. Regierung und IWB schrieben damals: «Die bestehenden Telekom-Netze, die auf der letzten Meile auf Kupfer basieren, werden die notwendigen Bandbreiten durch verbesserte Kompression und Übertragungstechnologie noch für geschätzte weitere fünf bis zehn Jahre bieten können.»

Deshalb brauche Basel ein neues Glasfasernetz, das flächendeckend bis in mindestens 95 Prozent aller Wohnungen reicht. 70 Millionen Franken sollten die IWB dafür investieren, wovon der Kanton 22 Millionen als «bedingt zurückzahlbares Darlehen» beisteuerte. Gleichzeitig verpflichtete sich die Swisscom als Technologiepartner, ihrerseits gegen 100 Millionen Franken beizusteuern. Der Grosse Rat stimmte zu, und die IWB begannen, Leerrohre zu füllen, Strassen aufzureissen und Gebäude anzuschliessen. Ende 2017 wurde verkündet: Arbeit erledigt, 104'000 Wohn- und Geschäftseinheiten hängen am Glasfasernetz.

Basel zündet zweite Stufe

Auch in anderen Kantonen herrschte Anfang des Jahrzehnts ungebrochene Glasfaser-Euphorie. Der flächenmässig weitaus grössere und sehr viel dünner besiedelte Kanton Fribourg wollte 600 Millionen Franken investieren, um noch den abgelegensten Weiler ans Hochgeschwindigkeitsnetz anzuschliessen. Doch schon kurz nach Projektstart zog Swisscom in Absprache mit dem Kanton den Stecker und schwenkte um: Neu sollten nicht mehr alle Wohnungen, sondern nur noch alle Strassen mit Glasfaser versorgt werden. «Fiber to the Street» statt «Fiber to the Home» nennt sich das Konzept, das eingeführt wurde, weil plötzlich doch viel mehr Daten durch die Kupferkabel transportiert werden konnten. Swisscom-Sprecher Armin Schädeli sagt: «Ein Ausbau mit Glas bis ins Wohnzimmer oder ins Geschäft hätte wesentlich länger gedauert und wäre ums Dreifache teurer.»

Während andere Kantone aufgrund neuer Möglichkeiten, Datenmengen zu komprimieren, ihre Projekte verkleinern, gehen die IWB ihrerseits in die Offensive. Es sollen nochmals 14 Millionen Franken in den Anschluss weiterer Wohnungen gesteckt werden, damit ab 2020 98 Prozent der Baslerinnen und Basler über einen direkten Glasfaseranschluss verfügen. IWB-Sprecher Erik Rummer sagt: «Im Dezember 2014 hat der IWB-Verwaltungsrat entschieden, dass auf Kosten der IWB mehr Nutzungseinheiten erschlossen werden als im Ratschlag vorgesehen.»

Dieser Entscheid sei mit dem Kanton als Eigentümer «im Vorfeld abgesprochen worden». Das zuständige Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU)
bestätigt die Vorabinformation. Generalsekretär Claus Wepler sagt: «Eines neuerlichen Grossratsbeschlusses hat es nicht bedurft, weil keine neuen Mittel des Kantons benötigt worden sind und weil die Investition der IWB kleiner war als 30 Millionen Franken.»

5G ist so schnell wie Glasfaser

Doch nicht nur die totgeglaubten Kupferleitungen konkurrieren die Glasfaser. Ungemach droht neuerdings auch aus der Luft. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G werden erstmals Geschwindigkeiten einer Glasfaser erreicht. Jean-Claude Frick, Telekomexperte beim Vergleichsdienst Comparis, sagte vergangene Woche zur «Luzerner Zeitung»: «Dass die Swisscom vom weit verästelten Glasfasernetz abrückt, hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass sie die Investitionen angesichts von 5G gefährdet sieht.» Dafür spricht auch der Trend, dass immer mehr Haushalte komplett auf einen Kabelanschluss verzichten und den Internetzugang zu Hause via Handy-Hotspot herstellen. Und das, obwohl die schnelle 5G-Technologie noch gar nicht verfügbar ist.

Die IWB hingegen brauchen aber keine Angst zu haben vor 5G oder Billigangeboten der Kupfer-Konkurrenz: Sie haben den Grossteil ihrer insgesamt 84-Millionen-Franken-Investition ins Glasfasernetz bereits abgeschrieben. Rummer sagt: «Für den Aufbau des flächendeckenden Glasfasernetzes haben die IWB in der Vergangenheit Rückstellungen im Umfang von 61,5 Millionen Franken gebildet.» Als Grund nennt Erik Rummer die Annahme der IWB, dass den geplanten Investitionen und den notwendigen Betriebskosten ohnehin «keine ausreichenden Erlöse» gegenüberstehen würden.