Seit den Sommerferien geraten BVB-Tramchauffeure bei Fahrten nach Saint-Louis immer wieder in brenzlige Situationen. Das zeigen Recherchen der bz, nachdem die BVB gestern lediglich mitteilten, dass seit zwei Wochen nachts Sicherheitspersonal die 3er-Trams begleiten. So ist es im Herbst zu einem Vorfall gekommen, bei dem eine Chauffeuse an der Endstation in Saint-Louis von einer Gruppe Jugendlicher bedrängt und angespuckt wurde, nachdem sie aus der Führerkabine aussteigen musste, um eine blockierte Türe zu entsperren. Die BVB bestätigt den Vorfall, ohne weitere Details zu nennen.

Keine Kenntnisse von diesem Vorfall hat die Police Nationale in Saint-Louis. Dafür nennt Mediensprecher Silvain Decherand nach einem Blick in die Polizei-Datenbank eine ganze Liste weiterer Zwischenfälle seit Anfang Oktober: Mehrfaches Tram-Surfen, eine Schlägerei im Tram zwischen Jugendlichen, zwei Steinwürfe auf Trams, Jugendliche die sich weigerten, das Tram zu verlassen oder die sich auf die Schienen setzten, um die Weiterfahrt zu verhindern. Der Sprecher sagt: «Wir sind uns des Problems bewusst und greifen hart durch, weil wir das unbedingt unterbinden müssen, bevor es schlimmer wird. Aus Erfahrung hilft die zunehmende Kälte draussen dabei.»

Jugendbanden ohne Respekt

Ähnlich hört sich die Schilderung auch von einem Mitarbeiter der BVB an, der die bz ebenfalls auf den Spuck-Vorfall aufmerksam machte. Er will anonym bleiben, sagt aber deutlich: «Die Fahrten mit dem Dreier nach Saint-Louis sind für uns Fahrer unangenehm. Es gibt dort Jugendbanden, die keinerlei Respekt mehr haben. Die setzen sich aufs Gleis und gehen nicht weg, weil sie ja wissen, dass sie nicht überfahren werden. Oder sie hängen sich hinten oder seitlich ans Tram.» Er rate keinem Fahrer, auszusteigen und die Situation zu regeln, weil man nie wisse, was geschieht. «Am Schluss hast du ein Messer im Bauch», habe ihm ein Arbeitskollege gesagt, der selbst im Elsass wohne.

Angefangen hätten die Probleme in den Sommerferien, sagt der Informant. Die Massnahme der BVB, bei nächtlichen Fahrten Sicherheitspersonal einzusetzen, habe die Situation verbessert. «Ich frage mich allerdings, ob sich das lohnt», sagt er. Es habe auf der Linie kaum Fahrgäste, besonders in den Abendstunden. «Ich würde an der Grenze umkehren, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist», sagt er.

Sicherheitspersonal auch tagsüber

Genau das hat die BVB am Dienstag während einer Stunde getan, als ein Fahrzeug mit einem Stein beworfen worden ist. Eine Stunde lang verkehrte kein Fahrzeug mehr, bis die französische Polizei Entwarnung gab. BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid betont, dass die Sicherheit von Fahrgästen und Personal an oberster Stelle stehe. Deshalb habe man sich zum Einsatz von Sicherheitspersonal entschlossen und werde dieses in Zukunft auch während
des Tages punktuell einsetzen. Die Begleitung bei abendlichen Fahrten an Wochenenden werde bis auf weiteres beibehalten. Die Kosten dafür, ein hoher vierstelliger Betrag für die ersten zwei Wochen mit Einsätzen an jedem Abend, werden von den BVB bezahlt.

Die Probleme in Saint-Louis sind im Vergleich zu den Vorkommnissen in grösseren französischen Städten harmlos. In Strasbourg und Mulhouse werden immer wieder Trams angegriffen, häufig an den Endhaltestellen. In einem Fall in Mulhouse wurde 2013 ein Tramfahrer zum Anhalten gezwungen, indem die Schienen versperrt wurden. Danach wurde das stehende Fahrzeug mit mehreren Molotow-Cocktails beworfen. Die drei Täter waren 14 bis
17 Jahre alt.