Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld lässt Federn: Die Anzahl Aussteller ist in den letzten vier Jahren von 1500 auf 650 gesunken, die obersten Stockwerke der Hallen eins und zwei sowie die komplette Halle vier stehen leer. Und gleichzeitig wächst der Genfer Uhrenmesse Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) stetig, bei der diesjährigen Ausgabe um sechs Aussteller auf 35. Doch René Kamm, CEO der MCH-Group und damit verantwortlich für die Baselworld, nimmt die Konkurrenz aus Genf gelassen. «Der Salon bildet mit der Haute Horlogerie nur eines der Marktsegmente ab, und davon auch nur ein kleiner Teil», sagte Kamm am Mittwoch gegenüber «Telebasel». Die Baselworld hingegen präsentiere die ganze Vielfalt der Branche.

Nicht erwähnt hat Kamm, dass die Romands nun auch auf den Schmuck- und Edelsteinsektor schielen. Am 10. Mai öffnet die viertägige Diamanten- und Schmuckmesse GemGenève erstmals ihre Türen. 100 Anbieter sind eingeschrieben, vier davon haben die Baselworld zugunsten der neuen Messe verlassen. Die Messe greift auf ihrer Homepage wenig zweideutig die Vormachtstellung der Baselworld an. So wird die Messe als «Vervollständigung einer Ausstellungstrilogie» angepriesen, dies neben dem Uhrensalon und dem Forum für Mikrotechnologie in der Uhren- und Schmuckindustrie.

Im Ankündigungsschreiben folgt, in fetter Schrift, ein direkter Seitenhieb nach Basel: Die Fachmesse werde von Branchenprofis geleitet, «die die Erwartungen ihrer Kollegen sowie deren Kunden kennen und wissen, wie sie sind und funktionieren». Auch die gute Erreichbarkeit dank direkter Anbindung an den Flughafen Genf wird hervorgehoben. «Ein Besuch mit Hin- und Rückflug an einem Tag ist damit von zahlreichen europäischen Destinationen aus durchaus möglich», schreiben die Organisatoren Thomas Färber und Ronny Totah – beides Vollprofis aus dem Diamanten- und Schmuckbusiness, die lange Jahre selbst an der Baselworld ausgestellt haben.

Messe während Auktionswoche

MCH-CEO Kamm war gestern für die bz nicht erreichbar. Ein Mitarbeiter der Baselworld-Medienstelle schreibt, dass sie die Ankündigung der GemGenève, zusammen mit den beiden anderen Messen als Trilogie, und damit als Konkurrentin, wahrgenommen zu werden, nicht wirklich verstünden, da andere Organisatoren dahinter stünden und die Messen zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfänden. Dabei scheint der Zeitpunkt der Genfer Diamantenmesse geschickt gewählt: In dieser Mai-Woche finden in Genf jeweils Veranstaltungen der Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s statt, die «bedeutende Käufer, Sammler, Händler und Kuratoren aus der ganzen Welt anziehen», wie die Verantwortlichen schreiben.

Dass Genf mit der Diamantenmesse auf längere oder kürzere Zeit die Baselworld infrage stellt, scheint in der französischsprachigen Presse längst klar. «Einige Uhrmacher haben die Baselworld bereits zugunsten des Genfer Salons verlassen, Zulieferbetriebe sind nach La Chaux-de-Fonds abgewandert. Da ist der Angriff im Bereich der Diamanten alles andere als harmlos, er gefährdet die Baselworld sogar in der Existenz», schreibt die «Tribune de Genève».

«Le Matin Dimanche» nennt 2018 ein «Jahr des Umbruchs» für die Schweizer Messelandschaft und zitiert einen Branchenkenner mit: «Die Baselworld hat die Digitalisierung völlig verschlafen und ist abhängig von Rolex und der Swatch-Group.» Es gebe aber auch Firmen wie etwa Chopard, die sowohl in der Uhren- als auch in der Schmuckbranche tätig seien. Da sei es von Genfer Seite her geschickt, mit dem Salon nicht nur eine Konkurrenz-Veranstaltung für den Uhrenbereich, sondern mit der GemGenève auch gleich eine Alternative für das Schmucksegment anbieten zu können.