Eva Herzog konnte sich am Donnerstagabend die Hände reiben. Die SP-Finanzdirektorin wird ohnehin als klare Favoritin für den frei werdenden Basler Ständeratssitz gehandelt. Nun scheinen ihre Chancen nochmals gestiegen zu sein, Ende Oktober als Nachfolgerin von Parteikollegin Anita Fetz gewählt zu werden. Immerhin hatte die SVP eben bekannt gegeben, mit Grossrätin Gianna Hablützel-Bürki eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken.

Damit konkurrenziert die Volkspartei in erster Linie die Kandidatin der Bürgerlichen, Patricia von Falkenstein. Die LDP-Präsidentin wird unterstützt von BDP, CVP, FDP, GLP und den Liberalen.

Prompt folgte eine geharnischte Reaktion: In einem gemeinsamen Communiqué zeigen sich die fünf Parteien vom Alleingang der SVP enttäuscht. Weil sich die bürgerlichen Stimmen unter von Falkenstein und der ehemaligen Profifechterin Hablützel-Bürki aufsplittern dürften, erhöhe die SVP die Wahlchancen der SP-Kandidatur.

Davon aber zeigt sich der Basler SVP-Präsident Eduard Rutschmann wenig beeindruckt: «FDP, LDP und CVP reiten derzeit zusammen mit Rot-Grün auf der Klima-Welle», sagt er. «Basel-Stadt aber braucht eine bürgerliche Politik, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht.» Gerade FDP und LDP aber wollten die SVP lieber gar nicht erst aufkommen lassen. «Sie versuchen lieber, uns unseren Nationalratssitz abzuknöpfen.»

«Unhaltbar und blödsinnig»

Das wiederum lässt FDP-Präsident Luca Urgese nicht auf sich sitzen. «Mit solch völlig unhaltbaren und blödsinnigen Aussagen zeigt Eduard Rutschmann, dass seine Partei unter seiner Führung offensichtlich kein Interesse mehr an einer weiteren Zusammenarbeit mit den Bürgerlichen hat», wettert er über den Kurznachrichtendienst Twitter. «Schade, die Zusammenarbeit brachte in den letzten Jahren einige Erfolge.»

Dass sich die Bürgerlichen einmal mehr gegenseitig zerfleischen, nützt vor allem SP-Kandidatin Herzog. Doch nun scheint das Kandidatenkarussell erst so richtig Fahrt aufzunehmen. Während Eric Weber von der «Volks-Aktion gegen zu viele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat» nicht einmal Aussenseiterchancen hat, dürfte Herzog aber aus dem eigenen politischen Lager plötzlich unerwartete Konkurrenz erwachsen. Argument: Wenn schon die Bürgerlichen mit zwei Kandidaturen an den Start gehen, sollte das auch bei den Linken möglich sein.

«Aufgrund dieser neuen Ausgangslage könnte es sich durchaus lohnen, mit einer wirklich linken Stimme anzutreten», findet etwa Basta-Co-Präsidentin Tonja Zürcher. Als Kandidatin steht dabei eine Frau klar im Vordergrund: Basta-Nationalrätin Sibel Arslan.

Wenig Begeisterung für Herzog

Noch will sich Arslan nicht abschliessend in die Karten blicken lassen. Gleichzeitig aber erklärt die 38-Jährige: «Es wird ein Sitz frei, da ist es durchaus legitim, wenn sich verschiedene Parteien darum bemühen.» Letztlich sei es aber die Parteibasis, welche die Konsequenzen einer Ständeratskandidatur prüfen und darüber befinden müsse.

Deutlicher werden die beiden Basta-Co-Präsidentinnen Tonja Zürcher und Heidi Mück: «Die Begeisterung für Eva Herzog hält sich bei unserer Wählerschaft in Grenzen», erklären sie unisono. Die SP-Finanzdirektorin betreibe eine Politik, die bis weit ins bürgerliche Lager hinein akzeptiert sei. Das zeige sich etwa bei der Steuervorlage oder auch bei der Wohnpolitik.

«Eva Herzog politisiert sicher nicht auf Basta-Linie», sagt Mück. «Da gibt es schon eine gewisse Distanz.» Als direkte Konkurrenz zur SP-Frau wollen sie eine mögliche Basta-Kandidatur dennoch nicht sehen. «Mindestens im ersten Wahlgang wäre das ohnehin nicht relevant», ist Zürcher überzeugt. «Vor einem zweiten Wahlgang müsste man dann vielleicht nochmals über die Bücher, um den linken Sitz zu sichern.»

Bei der SP scheinen die Basta-Pläne allerdings nicht sonderlich gut anzukommen. Parteipräsident Pascal Pfister will lieber gar nicht erst etwas dazu sagen. Gleiches gilt für Eva Herzog. Sie gebe keinen Kommentar ab, lässt die Finanzdirektorin ausrichten.