Die Zeiten sind eigentlich längst vorbei, als die Behörden noch unter der Bettdecke nachschauten, ob eine Ehe auch tatsächlich vollzogen wird. Doch im Mai 2013 klingelte bei einer heute 30-jährigen Frau mit zwei Kindern im Gotthelf-Quartier die Polizei und stellte Fragen, wer wo geschlafen habe. Nebst dem künftigen Ehemann der Frau trafen sie auch den Vater der beiden Kinder in der Wohnung an: Beide sind Brüder.

Die Geschichte dahinter ist kompliziert, doch die Konsequenzen waren simpel: Die Staatsanwaltschaft stellte wegen versuchter Scheinehe einen Strafbefehl gegen die Frau aus, nebst einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen kam eine unbedingte Busse von 750 Franken.

Der Bräutigam stammt wie alle Beteiligten aus Sri Lanka, und nach einem abgelehnten Asylentscheid stellte er den Antrag, zur Vorbereitung der Hochzeit mit der 30-Jährigen in der Schweiz bleiben zu dürfen. Genau genommen ist eine Scheinehe an sich nicht strafbar, sie wird es aber, wenn damit die Vorschriften über den Aufenthalt von Ausländern umgangen werden sollen.

Nach Artikel 118 des Ausländergesetzes kann schon jemand bestraft werden, der eine entsprechende Ehe vermittelt, fördert oder ermöglicht. Das Migrationsamt ging von einer Umgehung aus und lehnte den Antrag des heiratswilligen Mannes ab, er musste die Schweiz daraufhin verlassen.

Am Mittwoch wehrte sich die Frau vor dem Basler Strafgericht gegen ihren eigenen Strafbefehl: Sie liebe den Mann noch immer, und wenn es irgendwie gehe, möchte sie ihn heiraten. Derzeit lebe er in London, sie telefonierten häufig.

Der Bruder des Ausgewiesenen musste als Zeuge vor Gericht aussagen: Die Kinder seien von ihm, daher besuche er sie gelegentlich, und an jenem Morgen der Polizeikontrolle sei er auch deshalb dort gewesen. Er ist allerdings bereits in Sri Lanka verheiratet und hat dort ein Kind, diese Ehe wolle er nicht aufgeben, und deshalb habe er die 30-Jährige auch nicht heiraten können.

Der Verteidiger der Frau betonte, in Sri Lanka sei die Übernahme der Vaterpflichten durch einen Verwandten nicht ungewöhnlich, zumal alleinstehende Frauen auch in der Diaspora noch immer als eine Art Freiwild betrachtet würden. Er forderte für seine Mandantin einen kostenlosen Freispruch.

Einzelrichter André Equey folgte dieser Logik, es sei nachvollziehbar, dass sie einen Mann gesucht habe. Beim Ausgewiesenen seien die Motive zwar durchaus fraglich, doch die Frau habe an eine Beziehung geglaubt. «Es gibt keine Indizien dafür, dass die beiden nicht zusammenleben wollten», so Equey.

Der Polizeirapport vom Mai 2013 sei nicht verwertbar: Es gab offenbar massive sprachliche Probleme und Missverständnisse. Ob die beiden Liebenden nun ehetechnisch wieder zueinander finden, ist unklar. Möglicherweise werden sie im Ausland heiraten. Die Staatsanwaltschaft kann den Freispruch noch weiter ziehen.